Die Körpertemperatur ausgestorbener Tiere

27. Mai 2010, 18:53
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Forscher entwickelten ein chemisches Thermometer - die Zusammensetzung von Zahnschmelz wird untersucht

Bonn - Ein US-deutsches Forschungsteam hat eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe die Körpertemperatur längst ausgestorbener Tiere bis auf zwei Grad Celsius genau bestimmt werden kann. Die Voraussetzung: Ein Zahn des jeweiligen Tieres. Wie die Analyse der molekularen Zusammensetzung des versteinerten Zahnschmelzes als chemisches Thermometer fungiert, ist in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) beschrieben. Damit soll nun die Frage beantwortet werden, ob zumindest manche der Dinosaurier warmblütig waren.

Methode

An einem vor rund 30.000 Jahren an den Ufern des Rheins gestorbenen Wollmammuts wurde die Methode erprobt. Zahnschmelz sei so beständig, dass er sich seit dem Ableben des Tieres kaum chemisch verändert haben dürfte, gaben die Forscher der Universität Bonn und der University of California bekannt. Zahnschmelz besteht aus Kalziumphosphat, das einen kleinen Anteil der Kohlenstoff-Sauerstoff-Verbindung Karbonat enthält. Die schweren Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope O-18 und C-13 verbinden sich in Karbonatmineralien gern miteinander. Das erfolgt umso öfter, je kälter es bei der Bildung des Zahnschmelzes ist. "Diesen Zusammenhang nutzen wir für unser Thermometer", erklärte Thomas Tütken. "Indem wir messen, wie häufig sich die schweren Isotope im Karbonat zusammen finden, können wir die Körpertemperatur auf plus/minus zwei Grad genau bestimmen. Das Thermometer haben wir zunächst an Zähnen heute lebender Wirbeltiere mit bekannter Körpertemperatur kalibriert und dann an Zähnen ausgestorbener Wirbeltiere getestet", so der Bonner Geochemiker.

Ergebnisse

Für das oben erwähnte Wollmammut wurde eine Körpertemperatur von 39,1 Grad errechnet. Bei einem zweiten Tier, das im Bereich der heutigen Nordsee gelebt hatte, ergab die Methode eine Temperatur von 36,8 Grad; bei einem indischen Elefanten - dem engsten heute noch lebenden Verwandten des Mammuts - 36,9 Grad. Für heutige Krokodile oder Haie - also wechselwarme Tiere - lieferte das chemische Thermometer etwa zehn Grad niedrigere Körpertemperaturen.

Nun wollen die Forscher Hinweisen nachgehen, dass zumindest einige Dinosaurier warmblütig gewesen sein könnten: "Wir wollen herausfinden, ob das wirklich stimmt", sagte Tütken. "Wir haben inzwischen erste Dinosaurierzähne untersucht und eine ähnliche Körpertemperatur wie bei heutigen Säugern gefunden. Allerdings müssen wir noch überprüfen, wie verlässlich diese Daten sind." Noch nicht ganz klar sei, ob der Zahnschmelz Millionen von Jahre chemisch unverändert überstanden hat. (red)

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    Archivbild des Mammutbabys "Dima" aus der sibirischen Tundra ... ein US-deutsches Forschungsteam fühlt ausgestorbenen Tierarten auf den Zahn.

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