Die Bekehrung des Mr. No

27. Mai 2010, 21:06
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Eroglu will nach seiner ziemlichen plötzlichen Bekehrung nun doch einen Bundesstaat Zypern, also eine Wiedervereinigung - von Adelheid Wölfl

Der neue Präsident von Nordzypern, der Nationalist Derviº Eroglu, der wegen seiner Unnachgiebigkeit den Spitznamen "Mr. No" trägt, ist binnen kürzester Zeit zu einem braven Jasager geworden. War er noch vor der Wahl für eine "Zwei-Staaten-Lösung" eingetreten, vor allem für eine, die für die türkischen Zyprer "ehrenhaft" sein sollte, so ist er nun auf Linie gebracht. Nämlich auf jene der türkischen Regierung.

Eroglu will nach seiner ziemlich plötzlichen Bekehrung nun doch einen Bundesstaat Zypern, also eine Wiedervereinigung. Er wird wohl eingesehen haben, dass der, der zahlt, auch anschafft. Und in Nordzypern zahlt die Türkei. Die Regierung Erdogan ist bereits seit 2003 für eine Wiedervereinigung, weil sie sich davon Bewegung in den EU-Verhandlungen der Türkei verspricht. Bisher liegen ja acht Kapitel wegen der Zypernfrage auf Eis. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu hat nun Bereitschaft signalisiert, die türkischen Häfen für Schiffe aus der Republik Zypern (dem Süden) zu öffnen, wenn die EU die wirtschaftliche Isolation des Nordens aufhebt.

Die Republik Zypern kann durch die neuen Regelungen des Lissabon-Vertrags nicht mehr wie früher dagegen Veto einlegen. Der direkte Handel von Nordzypern mit EU-Staaten könnte also möglich werden. Und die Türkei könnte ohne Gesichtsverlust die Häfen öffnen und sich selbst den Weg zu weiteren EU-Verhandlungen ebnen. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2010)

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