"Eine einzige Katastrophe"

27. Mai 2010, 18:16
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Neuer Unwetter-Alarm für das Nordburgenland. Donnerstag setzten Gewitter Keller und Parkplätze unter Wasser

Tornados ließen tags zuvor in Niederösterreich Strommasten wie Streichhölzer knicken.

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Eisenstadt / St. Pölten - Hunderte Feuerwehrleute im Burgenland waren noch mitten in den Aufräumarbeiten, als es erneut Unwetter-Alarm gab. Ein Gewitter über dem Rosaliengebirge sorgte dafür, dass am Donnerstag in kürzester Zeit mehrere Feuerwehren im Nordburgenland ausrücken mussten. Am frühen Nachmittag hatte starker Regen im Bezirk Mattersburg zahlreiche Keller und Parkplätze unter Wasser gesetzt.

Von einer "durchaus ernsten Situation" im mittelburgenländischen Bezirk Oberpullendorf hatte Bezirkshauptmann Klaus Trummer bereits nach den Gewittern am Mittwoch gesprochen. In Karl war das Wasser über den Hochwasserschutzdamm geschwappt, der daraufhin zu brechen drohte. Um ihn wieder funktionstüchtig zu machen, wurde beim Rückhaltebecken der Überlauf des Dammes mit großen Flussbausteinen abgedichtet.

"Eine einzige Katastrophe" , entfuhr es Bürgermeister Franz Pichler-Holzer (ÖVP) als er am Donnerstag mit der Schadenskommission "seinen" Ort Hollenthon abschritt. Die niederösterreichische Gemeinde in der Buckligen Welt gehört zu jenen Orten, die am stärksten von den Unwettern betroffen sind. 40 Minuten lang prasselten Mittwochnachmittag im Bereich Hollenthon, Kirchschlag und Lichtenegg Hagelkörner nieder. "An unserer Wetterstation in Hollenthon fielen in 30 Minuten 61 Millimeter Niederschlag" , meldete der Wetterdienst Ubimet. In dieser Unwetterregion gab es auch zwei Tote. Eine 53-jährige Frau stürzte in einen Bach, ein 69-jähriger Pensionist erlag einem Herzinfarkt, vermutlich infolge der Aufregung.

Über die Höhe des Sachschadens gab es am Tag danach noch keine Angaben. Pichler-Holzer berichtetet im Anschluss an die Ortsbegehung von jeweils vier Wohnhäusern in den Ortsteilen Blumau und Grohdorf, die von der Umwelt abgeschnitten seien, weil an mehreren Stellen Straßen und Brücken teilweise weggerissen wurden. Dort, wo eine Asphaltstraße war, türme sich nun meterhoch Schutt und Geröll. Außerdem lägen hunderte entwurzelte Bäume am Boden, 20 bis 30 Häuser seien von Wasserschäden betroffen, erklärte derBürgermeister. Den Geschädigten sagte das Land Hilfe aus dem Katastrophenfonds zu.

Aber nicht nur sintflutartige Regenfälle und Dauerhagel richteten große Schäden an. So haben auch Tornados in Teilen Ostösterreichs "Spuren der Verwüstung" hinterlassen, erklärt Stefan Eisenbach von Ubimet. Gleich aus mehreren Ortschaften bei Tulln und Klosterneuburg wurden Windhosen gemeldet.

Fliegende Katze

Der Wirbelsturm deckte Dächer ab und ließ Strommasten wie Streichhölzer umknicken. Franz Resperger, Sprecher des niederösterreichischen Landesfeuerwehrkommandos, berichtete, dass eine Katze an einem Fenster vorbeigeflogen sei. Die für den Wirbelsturm verantwortliche Trichterwolke sei laut Ubimet weiter nach Wien-Floridsdorf gezogen. "Wir hatten eine Wetterlage mit mehreren heftigen Gewitterzellen, damit ist es natürlich auch möglich, dass sich an mehreren Orten innerhalb eines Tages Tornados bilden" , erklärt Eisenbach.

Seit 1951 hat die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Österreich 88 Tornados registriert. Den letzten dokumentierten Fall in Wien habe es am 13. Mai 2003 im Bereich der Alten Donau und beim Strandbad Gänsehäufel gegeben. Der bisher verheerendste Tornado Österreichs fegte am 16. Juni 1916 überWiener Neustadt. "Damals wurde ein ganzer Stadtteil zerstört. Man schätzt, dass Windgeschwindigkeiten um 300 Stundenkilometer aufgetreten sind" , erzählt Eisenbach. 32 Menschen starben.

Am Wochenende ist laut ZAMG nicht mehr mit starken Unwettern zu rechnen. Dafür aber mit "flächendeckendem Regen" , meint Thomas Turecek von der Wetterabteilung. (Kerstin Scheller, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Mai 2010)

 

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    Der Tag danach in Kirchschlag in der Buckligen Welt: Langsam geht nach dem Unwetter das Wasser zurück. Was bleibt, ist zum Teil meterhoher Schlamm auf Straßen und in Häusern.

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