Tengelmann kämpft gegen Verluste

27. Mai 2010, 17:57
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Handelsriese wächst mit Billigketten

Wien - Karl-Erivan Haub mag Österreich. Es war der erste Auslandsmarkt, in den sich sein Vater Anfang der 70er-Jahre wagte. Bruder Christian studierte an der Wiener Wirtschafts-Uni, ehe er eine Vorarlbergerin ehelichte. Und den Urlaub verbringt die Familie nach wie vor gern hier. Ein Rückzug galt als tabu, doch irgendwann war Schluss mit der Sympathie. Vor allem wenn Zielpunkt in Österreich seit Jahren nicht aus den roten Zahlen kommt und Töchter in den USA wie im Osten schwere Verluste einfahren.

Haub besitzt mit Tengelmann einen der weltweit größten Handelskonzerne. Neben Supermärkten reihen sich Kik und Obi unter sein Dach, hunderte Handelsimmobilien, Beteiligungen bei Ketten wie Netto und A&P. Richtig schwergefallen ist dem Deutschen mit amerikanischem Zweitpass die Trennung von unrentablen Unternehmen noch nie. Daran musste sogar die Keimzelle seines Konzerns glauben, die Schokofabrik Wissoll, die seinem Vater als heilig galt. Zuletzt hat er den Diskonter Plus verkauft, der sich nur schlecht und recht gegen die große Konkurrenz behaupten konnte, was letztlich auch den Verkauf von Zielpunkt einleitete. Gerüchte, er wolle sich ganz aus dem für ihn verlustreichen Supermarktgeschäft zurückziehen, pflegt er stets zu zerstreuen.

Kaufmann mit Bodenhaftung

Er sei ein typisch deutscher Kaufmann mit Bodenhaftung, sagen die einen. Vornehme Zurückhaltung und Öffentlichkeitsscheu attestieren ihm die anderen - und dass er trotz seines hohen unternehmerischen Geschicks der Brutalität des Handels nicht so ganz gewachsen sei. Mit Kik beweist er anderes: Die Billigkette ist neben Obi Wachstumsmotor der Tengelmann-Gruppe, zählt allein in Deutschland 2400 Läden, 3000 sollen es werden. Marktkenner sehen auch in Österreich bald die eine oder andere Zielpunkt-Filiale unter ihrer Flagge fahren. Mit der Gewerkschaft, die gegen miese Bedingungen im Billignirvana kämpft, hat es Haub nicht so, gemäß dem Motto: Unternehmer wissen selbst am besten, was ihren Leuten guttut.

Den Verlust von Zielpunkt wird er kaum spüren. Sein Konzern bringt es auf rund zwölf Mrd. Euro Umsatz. (vk, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 28.5.2010)

 

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