Registrierungspflicht

Asylwerberansturm auf Polizei

27. Mai 2010 17:53
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    Foto: Standard/Matthias Cremer

    Warten vor dem Schalter in der Polizeiinspektion Leopoldstadt. Pro Fall dauert die Registrierung bis zu einer Stunde.

Seit Jänner müssen obdachlose Asylwerber über eine Meldung hinaus alle zwei Wochen bei der Polizei vorsprechen

Bei Verstoß droht Schubhaft. Die unpraktikabel gestaltete Regel hat Tausende illegalisiert.

***

Wien - Neun Uhr früh, Polizeiinspektion (PI) Leopoldsgasse. Hinter dem glasscheibengeschützten Schalter im Eingangsbereich starrt eine Verwaltungsbeamtin alarmiert zur Tür. Dort sind eben an die zehn Männer und Frauen hereingekommen, die offenbar aus den verschiedensten Erdteilen stammen - und hinter ihnen auf der Straße, so sieht sie, warten noch mehrere Dutzend.

Es gehe um "die Registrierung" dieser Menschen, erklärt Karin Klaric, Obfrau des Flüchtlingshilfevereins Purple Sheep und Begleiterin der insgesamt 56 Personen. Als offiziell obdachlose, bei dem ums Eck gelegenen Verein Ute Bock hauptgemeldete Asylwerber - die dort bis Ende 2009 ihre Behördenpost abholen konnten - seien die Betroffenen seit Jänner 2010 verpflichtet, alle zwei Wochen bei der Polizei vorzusprechen (siehe "Wissen" ).

Auch die Behördenpost bekommen sie jetzt bei der Polizei ausgefolgt, bei Nichtregistrierung droht Schubhaft: eine im Zuge der Asylnovelle 2010 eingeführte Maßnahme, mit der man laut Innenministerium das "Abtauchen" obdachloser Flüchtlinge in die Illegalität verhindern wollte.

Allein, die Strategie sei nicht aufgegangen, kritisiert Klaric. Ohne Übergangsfristen eingeführt, habe die Maßnahme vielmehr österreichweit mehrere tausend Menschen am untersten Rand der Gesellschaft seit Jänner zu Schubhäftlingen auf Abruf gemacht - habe sie in Angst versetzt und so ein Stück weiter in Illegalität getrieben.

Ein Hotspot dabei: die Wiener Leopoldstadt, wo das Meldeservice Ute Bocks von sage und schreibe 1500 Asylwerbern und anderen Fremden in Anspruch genommen wird. 1500 Registrierungspflichtige, für die alle die PI Leopoldsgasse zuständig ist.

Bis Ende März, so Bock-Pressesprecher Kurosch Allahyari, habe in der Leopoldstadt ein informelles Registrierungs-Stillhalteabkommen existiert. Doch schon in dieser Zeit seien bis zu 50 Nichtregistrierte bei Polizeikontrollen wegen des Gesetzesverstoßes in Schubhaft gesperrt, Einzelne sogar abgeschoben worden. "Es muss doch möglich sein, für die Betroffenen eine Lösung zu finden, die ihnen Legalität ermöglicht" , meint Klaric.

Die Registrierung von 56 Personen dauerte in der Leopoldsgasse am Mittwoch von neun bis 15.30 Uhr. Vor weiteren Massenvorsprachen hat Kontrollinspektor Reinhard Hochleitner eine gewisse Furcht: "Dann brauchen wir Verstärkung." Doch bei der Pressestelle der Wiener Polizei sieht Sprecher Mario Hejl "kein Problem" . Im Innenministerium sagt Sprecher Rudolf Gollia:"Das war eine politische Aktion." (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Mai 2010)

 

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Karin-PurpleSheep
30.05.2010 21:42
Keine PR-Aktion

Bei der durchgeführten Registrierung handelt es sich um KEINE politische oder PR-Aktion, sondern kommen die "abgetauchten, flüchtigen, illegalen" Asylwerber ihrer gesetzlichen Pflicht nach,sich bei der PI zu registrieren, sobald sie obdachlos gemeldet sind.Die Aktion wurde weiters NICHT vom Verein Ute Bock oder irgendeiner anderen Kontaktstelle organisiert.
Alle Beteiligten wurden über die rechtliche Situation aufgeklärt und MÜSSEN diese Registrierung machen, um keinen Schubhafttatbestand zu erfüllen.

deadsoil
01.06.2010 14:11

und rein zufällig war halt der herr cremer in der nähe. wahrscheinlich um landschaftsaufnahmen am karmelitermarkt zu knipsen. vollkommen egal, welche ute bock franchise organisation diese versammlung organisiert hat, es war eine reine POLITISCHE kundgebung.

ExBeamter
01.06.2010 12:09
Passt alle im Gang versammeln, in drei Busse ab auf den Flughafen und erledigt ist!

kathrintschka
 
01.06.2010 16:17
...?!...???....!!...:(

"im gang versammeln"
"in drei busse ab auf den flughafen"
"erledigt ist"

spricht da etwa jemand, den das asylproblem gar nicht mehr betrifft? etwas mehr respekt vor ALLEN mitmenschen, bittedankesehrnett!

Blanc de Blancs
31.05.2010 10:23

Klar, deshalb waren auch Personen des Vereins und ein Kamera-Team anwesend.

kathrintschka
 
02.06.2010 16:58
große sperlgasse 4

is net sooo weit entfernt von der polizeidir. leopoldstadt, da können leicht mitarbeiterInnen des vereins ute bock anwesend sein!

suboptimal
 
28.05.2010 21:41
die restlichen 1.496

kommen dann nächste Woche ihre Post abholen, Herr Oberst, wie das Gesetz es befiehlt.
*versprochen*

Dürre
29.05.2010 09:29

Glaub ich kaum. Den meisten wird man die Asylbescheide vermutlich mit einem Grossaufgebot an Polizei zustellen müssen. Zum Beispiel auf dem Fussballplatz.

murx
30.05.2010 03:09

ja, das hätten sie gerne. das aber funktioniert nur bei nicht obdachlosen asylwerbern oder gar menschen, die sich einfach überhaupt nicht mehr bei den behörden melden.

deshalb sind alle diese vorschriften (rauswurf aus der bundesbetreuung, gebietseinschränkungen, die polizei als poststelle und meldepflichtstelle) nur mehr dumm und dämlich und mittlerweile wohl nicht einmal mehr dem kleinen maxi zu vermitteln.

denn damit verhindert man nicht illegalität, sondern man provoziert eigene unwissenheit.

suboptimal
 
29.05.2010 23:20
wie? was?

Dann wäre das neue Gesetz wieder mal hochgradig wirkungslos?
:-D

chris broda
30.05.2010 00:54
hochgradig wirkungslos? wirklich?

zugestellt auf dem fußballplatz. gelesen und zur kenntnis genommen im frontex-flieger.
wirkungsvoll!
:-D

Meslier
28.05.2010 19:35
Ob sich die Betroffenen ihrer Rolle bei dieser

Bock - Brickner - Standard-Performance bewusst waren?

masterpiece
 
28.05.2010 18:10
gute sache, wenn die aufgegriffenen nun auch alle konsequent abgeschoben würden... wär´s noch besser.

kathrintschka
 
01.06.2010 16:19
legal?

und auf welchen (legalen) tatbestand hinauf sollte ihrer meinung nach eine "massenabschiebung" vonstatten gehen? :S

masterpiece
 
16.06.2010 18:18
das neue asylgesetz gibt die juristische grundlage bereits nach einem negativen asylbescheid abzuschieben, der rest ist eine frage der logistik.

hamstertier
28.05.2010 16:45
aber wenn's um die überprüfung von sperrstunden geht,

heißt's: "tut uns leid, wir können das nicht machen, wir haben nicht genug polizisten".

und so einen schmarrn lassen sie sich zusätzlich aufbürden?
wo bleibt der aufschrei der gewerkschaft?

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
28.05.2010 16:22
zum glück hat die polizei ja keine anderen aufgaben...

guzo
28.05.2010 21:37
Diese erledigen dann

die Bürgerwehren (Stadtwachen).

John Galt18
28.05.2010 15:59
Meldeservice?

Es gibt keinen Meldeservice! Es handelt sich um gemäß Meldegesetz strafbare Scheinanmeldungen!

Railigh
28.05.2010 16:47
Scheinmelde-Service mit angeschlossenem Untertauch-Service

wie man der Geschichte nebenan entnehmen kann:
"Die neunjährige Zaynap ist in der Zwischenzeit von ihrem Flüchtlingskind-Dasein eingeholt worden. Ihr Vater ist in der Psychiatrie gelandet, und die Mutter wurde zwei Tage und Nächte in Schubhaft gesteckt, ohne dass sie ihre Kinder im Ute-Bock-Haus anrufen durfte. Die drei Geschwister wurden versteckt, bis klar war, dass die Familie wieder ins Asylverfahren aufgenommen wurde."

Was verspricht sich eigentlich der Standard davon, dass er täglich live über solche Praktiken berichtet, und damit indirekt (ungewollt?) erklärt, warum das Asylrecht laufend verschärft wird?

barbarutta
30.05.2010 10:42

ich bin froh, dass der standard über solche unmenschlichkeiten berichtet.

gigngogn
29.05.2010 09:00
Klicks

antiuntertan
29.05.2010 02:43
omg!

da zeigt jemand mitmenschlichkeit! steckt alle kinder sofort in abschiebeknäste!

-..--.--
28.05.2010 15:44
Laut Überschrift

könnte man meinen, sie bewerben sich um einen Job.

worlds end
28.05.2010 17:57

dürfens nicht.

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