Debatte

"Gekaufter Journalismus"

27. Mai 2010 17:40

Medien zwischen Störfall und Verhaberung

Wien - "Wir stören niemand mehr", nahm Mitveranstalter Andreas Koller einer Debatte über "Störfall Medien" und die "Verhaberung" von Politik und Journalisten Mittwochabend gleich den Titel. So generell meinte der Vorsitzende der Initiative Qualität im Journalismus und Vizechefredakteur der "Salzburger Nachrichten" sein "Wir" doch nicht: Mit "gekauftem Journalismus", Inseraten für "Propaganda" nähmen sich Boulevardblätter "selbst aus dem Spiel". Weitere Schlaglichter:

  • "Zu ächten" wären Medien wie die "Krone", wenn deren Kolumnisten Polizisten verteidigen, die einen 14-Jährigen Einbrecher erschossen, sagt Koller: Minister und Kardinäle holten die Zeitung aber mit Gastkommentaren "in die Mitte der Gesellschaft".
  • Überschätzt Laut Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin setzen Österreichs Politiker die Macht der Medien weit höher an als die ihre - Journalisten hingegen jene der Politiker.
  • "Medienfreiheit wie nie zuvor", Fakten zu schreiben, räume der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein, sagt Medienanwalt Alfred Noll. "Prekäre Arbeitsverhältnisse" vieler nicht angestellter Journalisten schränkten in der Praxis ihre Unabhängigkeit aber ein, das zu tun.
  • "Augenauswischerei" ist für Charles Ritterband die Trennung von Nachricht und Meinung. "Was ich schreibe, ist selbstverständlich kommentierend", sagte der Korrespondent der "Neuen Zürcher", schon durch die Auswahl von Fakten und Zitaten.
  • An Österreichs Medienjournalismus vermisst Wissenschafter Karmasin die Perspektive, "was Medienpolitik sein sollte". (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2010)
Chris Gram
31.05.2010 18:00
gekauft wird in einer zeitung für leser auch

nicht.
wir zahlen eine schöne stange dafür kriegen wir ne lange
redaktionelle strecke, zwar um die ecke doch jedenfalls hört die redaktion auf unser wort
und löscht die eine oder andre irritation schnell fort.
ehrenwort!
wir wollen die goldigen geber nicht vergraulen und was die leser nicht erfahren, danach können sie nicht jaulen.
die wahrheit finden Sie nicht auf der strecke, der redaktionellen - und um die ecke?
volle stellen(anzeigen).

cyrus virus
28.05.2010 15:19
Mit 1,4 Mio öffentlicher Förderung für standard, Presse und Co.

kann man ein bisserl leichter Qualität machen. Vor allem in konjunturell schwachen Jahren...

Zumal die Blätter ja darüberhinaus auch nicht auf öffentliche Inserate verzichten. Kumuliert sind die öffentlichen Gelder die da rein wandern wahrscheinlich einiges höher.

seed
28.05.2010 12:13

oder das popfest; derstandard als einer der hauptsponsoren druckt euphemische kritiken zu selbigen.

politisch verfolgt
30.05.2010 18:36
"euphemische"?

Michael Mann Tostojewski
28.05.2010 10:43
Also ich...

bin für die komplette Demokratisierung aller Medien. Nur dann wird sich in der "Mediocracy" was ändern.

l'apathie de la bourgeoisie
28.05.2010 09:38

Haha, Medienfreiheit, weil Zeitungen sich ja prinzipiell nicht um Inserate kümmern.
Darum kommen auch manche Meldungen nicht einmal im Standard... Heuchler.

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