Steigende Opferzahlen bei Jagd auf Coke

27. Mai 2010, 23:06
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Suche nach Drogenboss aufs ganze Land ausgedehnt - Premier überlegt Ausweitung des Ausnahmezustandes

Mexiko-Stadt/Kingston - Die Zahl der Toten bei den Unruhen in Jamaika steigt weiter. Nach den Kämpfen mit Drogenbanden hat die Polizei auf der Karibikinsel 73 Leichen geborgen. Allerdings seien mindestens sechs davon wahrscheinlich Opfer der normalen Kriminalität geworden, sagte der stellvertretende Polizeichef am Donnerstag während einer Pressekonferenz. Die Polizei hatte am Sonntag eine Großrazzia begonnen, um den Drogenboss Christopher "Dudus" Coke zu schnappen, den Jamaika an die USA ausliefern will. Dabei hatten sich Polizisten schwere Auseinandersetzungen mit Anhängern Cokes geliefert.

Coke wurde jedoch zunächst nicht gefasst. Die USA wollen dem 42-Jährigen den Prozess machen, den sie als einen der "weltweit gefährlichsten" Drogenbarone betrachten. Coke soll seit 1990 einen international agierenden Drogenring namens The Shower Posse anführen.

Am Mittwoch war es im Viertel Tivoli Gardens zu vereinzelten Schusswechseln gekommen. Dort hatte sich Coke mit seinen Anhängern verschanzt. Nach Coke und seinen Gangmitgliedern wird nun im ganzen Land gesucht.

Überfüllte Leichenschauhäuser

Unterdessen erschossen Polizisten bei der Suche nach den Pistoleros in einem anderen Stadtteil der Hauptstadt Kingston drei junge Männer in deren Haus, wie die Zeitung "Jamaica Observer" berichtete. Wegen der vielen Getöteten seien die Leichenschauhäuser überfüllt, hieß es. Eines von ihnen soll sogar einen Kühltransporter angemietet haben, um darin Leichen zu lagern, berichteten Medien. Ein Leichenschauhaus gab an, etwa 50 Getötete aufgenommen zu haben.

Augenzeugenberichten zufolge beruhigte sich die Lage am Mittwoch im Stadtzentrum der jamaikanischen Hauptstadt ein wenig. Premierminister Bruce Golding erklärte jedoch, er erwäge, den in West Kingston geltenden Ausnahmezustand auch auf Stadtteile im nahen Spanish Town auszudehnen. Auch dort hatte es in den vergangenen Tagen Zusammenstöße und Todesopfer gegeben.

Armee und Polizei waren bei ihrem Angriff auf Tivoli Gardens auf den erbitterten Widerstand bewaffneter Söldner und Anhänger Cokes gestoßen. 211 Personen, meist junge Männer, wurden offiziellen Angaben zufolge festgenommen. Coke gilt als ein einflussreicher Unternehmer und mutmaßlicher Drogenboss, den Washington anklagen will, weil er auch für Morde in den USA verantwortlich sein soll. (APA/dpa)

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    "Leave Dudus alone": Polizisten in Kingston

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