Abgeschobener Nigerianer erhebt Vorwürfe

31. Mai 2010, 13:53
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Cletus O.: Abschiebung sei ohne Heimreise-Zertifikat erfolgt - "Lebe in großer Angst" - Polizei dementiert

Schwere Vorwürfe gegenüber Österreichs Fremdenbehörden erhebt einer der beiden abgeschobenen Fußballer des FC Sans Papiers, Cletus U.: Er sei ohne Heimreisezertifikat abgeschoben worden.

"Ich habe nie einen Vertreter der nigerianischen Botschaft getroffen", versichert U.. "Man hat mich ohne Heimreise-Zertifikat abgeschoben."

Dem widerspricht die zuständige Bundespolizeidirektion Wien: Cletus U. habe "sicher ein Heimreisezertifikat besessen".

"War verwundert"

Indes erzählt der im selben Flieger abgeschobene Team-Kollege U.s, Vincent A., für ihn sei trotz eines vorhandenen Reisepasses ein Zertifikat ausgestellt worden. "Ich war verwundert", sagt A. im derStandard.at-Gespräch: "Ich hatte Pass und Zertifikat dabei. Man hat mein Zertifikat wohl für jemand anders verwendet." Ein Bekannter habe ihm erzählt, dass bei ihm ebenso verfahren worden sei.

"Lebe in großer Angst"

Cletus U. hält sich nach eigenen Angaben außerhalb der nigerianischen Großstadt Lagos auf, er verlasse das Haus nur bei Nacht. "Ich lebe in großer Angst, dass man mich umbringt oder ins Gefängnis bringt", sagt U., der sich als Schwuler staatlicher Verfolgung ausgesetzt sieht. Vor seiner Familie halte er sich versteckt, sagt U.: Ein in den USA lebender Bekannter habe ihn auf YouTube-Videos identifiziert und ihn vor der Familie geoutet. "In Nigeria ist Schwulsein ein großes Tabu. Ich habe Angst, dass mich jemand der Polizei meldet." Homosexuelle seien in Nigeria zurzeit besonders starker Repression ausgesetzt: Erst am vergangenen Dienstag hatte der ehemalige Staatspräsident Olusegun Obasanjo die Verurteilung zweier schwuler Malawis zu 14 Jahren Haft begrüßt. Homosexualität sei eine "Abscheulichkeit", so wird Obasanjo im Guardian zitiert.

Vier Tage ohne Dusche

Kritik äußert Cletus U. auch an den Umständen im Polizeianhaltezentrum (PAZ) Roßauer Lände: Trotz mehrerer Klagen über eine angeblich bei der Festnahme erlittene Schulterverletzung sei ihm medizinische Versorgung verweigert worden, sagt U. Er habe "vier Tage lang nicht duschen dürfen", zudem sei ihm ein Beratungsgespräch mit einem Rechtsberater verweigert worden, sagt U..

Auch diese Vorwürfe weist die Polizei-Sprecherin zurück: "Wenn er einen Arzt verlangt hat, dann hat er sicher einen bekommen", so Iris Seper. Insassen im PAZ Roßauer Lände dürften grundsätzlich "mehrmals in der Woche" duschen, und Aufzeichnungen über  ein Gespräch mit einem Rechtsberater lägen ihr vor. Dies bestätigt Tim Außerhuber vom MigrantInnenverein St. Marx zwar. "Ein richtiges Beratungsgespräch war das aber nicht", so Außerhuber: "Es waren die ganze Zeit zwei Beamten dabei, die aktiv zugehört haben. Cletus hatte Angst zu reden." 

Der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser hat in einer parlamentarischen Anfrage Innenministerin Maria Fekter um eine Stellungnahme zu "Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Schubhäftlingen" aufgefordert. (Maria Sterkl, derStandard.at, 31.5.2010)

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