Taliban dementieren Tod von Swat-Chef Maulana Fazlullah

27. Mai 2010, 16:29
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Afghanische Behörden bestätigen Geheimdienstbericht nicht

Kabul/Islamabad - Die afghanischen und pakistanischen Taliban haben Meldungen über den Tod des fundamentalistischen Geistlichen Maulana Fazlullah dementiert, der im pakistanischen Swat-Tal eine theokratische Herrschaft errichten wollte, bevor ihn die pakistanische Armee mit einer Großoffensive von dort vertrieb. Der Gouverneur der ostafghanischen Provinz Nuristan, Jamaluddin Badr, sagte am Donnerstag, Geheimdienstberichte über Fazlullahs Tod seien offiziell noch nicht bestätigt und würden untersucht. In einem Interview hatte Fazlullah der BBC gesagt, er habe sich nach Afghanistan abgesetzt.

Ein Sprecher der afghanischen Taliban sagte, an den Kämpfen im Verwaltungsdistrikt Bargi Matal seien keine pakistanischen Aufständischen beteiligt. Afghanische Taliban lieferten sich schwere Gefechte mit Sicherheitskräften. Maulana Fazlullah hatte in einer Fatwa zum "Heiligen Krieg" gegen die pakistanische Armee aufgerufen, der er Kollaboration mit den USA vorwarf. Die NATO-geführte ISAF-Truppe wollten sich zum möglichen Tod Fazlullahs nicht äußern. Sollte sich erweisen, dass er ums Leben kam, wäre er der ranghöchste Tote der pakistanischen Taliban seit August vergangenen Jahres. Damals war der Chef der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud, bei einem amerikanischen Drohnenangriff umgekommen.

Pakistan hat bei dem Angriff auf den Islamisten-Führer laut Angaben des Geheimdienstes ISI mit dem US-Geheimdienst CIA kooperiert. Islamabad verurteilt US-Drohnenangriffe regelmäßig als Verletzung seiner territorialen Souveränität. Im Fall von Mehsud meldete der pakistanische Geheimdienst nach Angaben von Mitarbeitern den Amerikanern, dass sich der gesuchte Talibanführer im Anwesen seines Schwiegervaters aufhielt. Nach Erkenntnissen von westlichen Diplomaten in Islamabad ist der mächtige Geheimdienst ISI, der in den 90er Jahren die Taliban-Machtergreifung in Afghanistan ermöglicht hatte, stark von Islamisten unterwandert. Jede pakistanische Regierung besitze gegenüber der ISI-Führung nur einen eingeschränkten Manöverspielraum. Vom ISI war Baitullah Mehsud auch für den Mord an der Oppositionsführerin und Ex-Premierministerin Benazir Bhutto verantwortlich gemacht worden, den deren Anhängerschaft dagegen dem damaligen Staatschef Pervez Musharraf angelastet hatte. (APA/dpa)

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