Afghanische Behörden bestätigen Geheimdienstbericht nicht
Kabul/Islamabad - Die afghanischen und
pakistanischen Taliban haben Meldungen über den Tod des
fundamentalistischen Geistlichen Maulana Fazlullah dementiert, der im
pakistanischen Swat-Tal eine theokratische Herrschaft errichten
wollte, bevor ihn die pakistanische Armee mit einer Großoffensive von
dort vertrieb. Der Gouverneur der ostafghanischen Provinz Nuristan,
Jamaluddin Badr, sagte am Donnerstag, Geheimdienstberichte über
Fazlullahs Tod seien offiziell noch nicht bestätigt und würden
untersucht. In einem Interview hatte Fazlullah der BBC gesagt, er
habe sich nach Afghanistan abgesetzt.
Ein Sprecher der afghanischen Taliban sagte, an den Kämpfen im
Verwaltungsdistrikt Bargi Matal seien keine pakistanischen
Aufständischen beteiligt. Afghanische Taliban lieferten sich schwere
Gefechte mit Sicherheitskräften. Maulana Fazlullah hatte in einer
Fatwa zum "Heiligen Krieg" gegen die pakistanische Armee aufgerufen,
der er Kollaboration mit den USA vorwarf. Die NATO-geführte
ISAF-Truppe wollten sich zum möglichen Tod Fazlullahs nicht äußern.
Sollte sich erweisen, dass er ums Leben kam, wäre er der ranghöchste
Tote der pakistanischen Taliban seit August vergangenen Jahres.
Damals war der Chef der pakistanischen Taliban, Baitullah Mehsud, bei
einem amerikanischen Drohnenangriff umgekommen.
Pakistan hat bei dem Angriff auf den Islamisten-Führer laut
Angaben des Geheimdienstes ISI mit dem US-Geheimdienst CIA
kooperiert. Islamabad verurteilt US-Drohnenangriffe regelmäßig als
Verletzung seiner territorialen Souveränität. Im Fall von Mehsud
meldete der pakistanische Geheimdienst nach Angaben von Mitarbeitern
den Amerikanern, dass sich der gesuchte Talibanführer im Anwesen
seines Schwiegervaters aufhielt. Nach Erkenntnissen von westlichen
Diplomaten in Islamabad ist der mächtige Geheimdienst ISI, der in den
90er Jahren die Taliban-Machtergreifung in Afghanistan ermöglicht
hatte, stark von Islamisten unterwandert. Jede pakistanische
Regierung besitze gegenüber der ISI-Führung nur einen eingeschränkten
Manöverspielraum. Vom ISI war Baitullah Mehsud auch für den Mord an
der Oppositionsführerin und Ex-Premierministerin Benazir Bhutto
verantwortlich gemacht worden, den deren Anhängerschaft dagegen dem
damaligen Staatschef Pervez Musharraf angelastet hatte. (APA/dpa)