Teurer Kakao, billige Schnuller und Hysterie

27. Mai 2010, 16:58
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Der schwache Euro: Warum ihn Manner nicht mag, Staud’s mehr verdient und Babywaren­er­zeuger Mam nicht in aller Munde ist

Die Amerikaner konnten Schnullern in den vergangenen Monaten nicht so viel abgewinnen - zumindest nicht europäischen. Er mache ein Drittel seines Umsatzes in den USA und führe dort den gesamten Schnullermarkt an. Die Geschäfte hätten zuletzt jedoch ausgelassen, der über lange Zeit schwache Dollar habe seine Schnuller für Amerikaner zu teuer gemacht und ließ sie zur Billigware aus Fernost greifen, seufzt Peter Röhrig. Mit dem Fall des Euro kehre auf den Märkten endlich wieder Normalität ein.

Der Kunststofftechniker produziert seit mehr als 30 Jahren Babyartikel und zählt mit seiner Marke Mam zu den größten Schnullererzeugern der Welt. Das Know-how kommt aus Wien, der Latex aus Thailand, in Ungarn werden die überwiegend aus Europa stammenden Teile zusammengebaut und zu 98 Prozent in 35 Länder exportiert.

Die Debatte über den Euro lässt Röhrig den Kopf schütteln: Dieser sei lang völlig überbewertet gewesen und pendle sich nun dort ein, wo er eigentlich hingehöre. Alles andere habe Europa Umsätze und Arbeitsplätze gekostet und "zu immensen Problemen geführt" .

Mam selbst haben Währungseffekte im Vorjahr Gewinn gekostet. Die Umsätze stiegen dennoch um zehn Prozent. Bei den Babys werde eben auch in der Krise am wenigsten gespart, resümiert Röhrig.

Bis das Blatt sich wendet

Überhaupt nichts mehr zu verdienen sei im Export aufgrund eines zu starken Euro zuletzt gewesen, sagt auch Konfitürenhersteller Hans Staud. Zusätzliche Rabatte waren nötig, um am Tisch nobler Hotels zu bleiben. "Wir haben zu Selbstkosten exportiert, in der Hoffnung, dass sich das Blatt wendet. Das muss man als Kleiner erst einmal durchstehen." Gerettet ha-be ihn die hohe Qualität der Marmeladen - "und es tut uns jetzt so gut, dass der Euro auf ein vernünftiges Niveau zurückgekehrt ist" .

Der gesunkene Euro kennt nicht nur Gewinner. Manner mag ihn nicht - und das liegt vor allem an den Kakaobohnen. Sie notieren an der englischen Börse in Pfund, das sich am Dollar orientiert. Und da viele weitere Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, dreht das die Kosten erheblich nach oben, sagt Albin Hahn, Finanzchef des Süßwarenherstellers. Auf lange Sicht belaste das deutlich, aber er sei zuversichtlich in Hinblick auf eine baldige Gegenbewegung. Manner profitiere mit Schnitten im Export nämlich kaum, ist man damit ja auch überwiegend im Euroraum unterwegs.

Schnelle zusätzliche Erlöse seien im Export aber ohnehin nicht drinnen, sagt Josef Baumgartner, Inflationsexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts, allein schon wegen der meist langfristigen Lieferverträge. Diese verhindern andererseits unmittelbare Mehrkosten, die durch nun teurere Importe von Vorprodukten aus dem Dollarraum entstehen - von Elektronikteilen bis zu Lebensmitteln. Beides schlage zeitversetzt durch.

Für Österreichs kleine Betriebe sieht Walter Bornett die Nachteile des Euroverfalls überwiegen. Das Gewerbe habe gerade einmal eine Exportquote von acht Prozent, alles in allem seien nur zehn bis 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen im Export tätig, und nur wenige davon über Europa hinaus, sagt der Chef der KMU-Forschung Austria. Weit mehr schlugen auf sie die vom starken Dollar angeheizten Energiepreise durch. Der Energiekostenanteil sei im Gewerbe hoch und belaste die Bäcker ebenso wie Kfz-Branchen.

Stromintensiv ist auch das Geschäft mit Zwirn und Garn. In der Steiermark setzen 350 Mitarbeiter der Borckenstein AG damit gut 60 Millionen Euro um, 87 Prozent gehen in den Export. Da der Strom aber an deutschen Börsen in Euro gehandelt werde, spiele das Energiethema derzeit weniger herein, sagt Vorstand Werner Schuch.

Schub für Europas Fabriken

Viele seiner großen Kunden lieferten in den Dollarraum, "wir haben bei neuen Kontrakten künftig mehr Spielraum" . Überhaupt sorge der schwache Euro für beträchtliche Wettbewerbsvorteile: Mitbewerber aus Asien hätten mit ihren teuren Garnen in Märkten wie den USA etwa bald das Nachsehen.

Legero, Kinderschuhproduzent mit Sitz in Graz, 1000 Mitarbeitern und Werken in Ungarn und Rumänien, sieht in seiner Branche ähnliche Entwicklungen. Ein schwacher Euro stärke europäische Werke, sagt Prokurist Hans Posch. Was den Einkauf von Vormaterial aus Fernost betreffe, hielten sich die Folgen in Grenzen. "Hier sitzen alle Schuherzeuger im selben Boot."

Letztlich stecke hinter der Eurodebatte auch eine gehörige Portion Hysterie, sind sich die Unternehmer einig. "Bei der Einführung des Euro lag der Dollar noch über ihm - und ging es uns damals etwa schlecht?" , fragt Staud. Er erinnere sich gut an die Dollarabwertungen der 70er- Jahre, ergänzt Jochen Pildner-Steinburg, Chef des Maschinenbauers GAW und Präsident der steirischen Industriellenvereinigung. Viel Geld sei damals verloren worden, gejammert wur-de nicht, "und am Ende des Tages hat sich alles ausgeglichen" . (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2010)

  • Die Amerikaner konnten Schnullern in den vergangenen Monaten nicht so viel abgewinnen - zumindest nicht europäischen. Europa im Banne des Euro: Exporteure atmen auf und sehen ihn auf ein vernünftiges Niveau zurückkehren. Für viele kleine Betriebe, vor allem das Gewerbe, überwiegen die Nachteile.
    foto: mam

    Die Amerikaner konnten Schnullern in den vergangenen Monaten nicht so viel abgewinnen - zumindest nicht europäischen. Europa im Banne des Euro: Exporteure atmen auf und sehen ihn auf ein vernünftiges Niveau zurückkehren. Für viele kleine Betriebe, vor allem das Gewerbe, überwiegen die Nachteile.

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