Ein Wissensbad in Kälte und Wärme

27. Mai 2010, 15:51
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Architekturvermittlung neu: In Kärnten wird geschwitzt, gefrühstückt und gebetet

Klagenfurt - Können Türme in den Himmel wachsen? Ja, sie können. In der Tourismusgemeinde Keutschach soll der in den Sechzigern errichtete und schwer in die Jahre gekommene Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel gesprengt und durch eine atemberaubend kühne Konstruktion aus Holz und Stahl ersetzt werden.

Wie eine Spirale schraubt sich der Turm der Kärntner Architekten Markus Klaura und Dietmar Kaden in Zusammenarbeit mit dem Statiker Markus Lackner rund hundert Meter in die Höhe. Die gewundenen Holzstützen drehen sich mehrfach um sich selbst und geben den Blick auf die Innentreppe frei, die wie eine Doppelhelix angeordnet ist. Das multidimensionale Gebilde ist vieles in einem: Landschaftsskulptur, Kunstraum, Zweckbau und touristisches Leitprojekt für Keutschach und ganz Kärnten.

"Das Bundesland verträgt mehr, als man ihm zutraut", sagt Klaura. Auch Gerhard Kopeinig, ein Kollege aus der Branche, meint: "Wir müssen erklären, was Baukultur alles leisten kann. Dann wird man sehr bald auch den Mehrwert moderner Architektur begreifen."

So hat man sich in Kärnten anlässlich der Architekturtage 2010 auch ungewöhnliche Wege in der Architekturvermittlung einfallen lassen. Nach dem Motto "Kalt & Warm" wird in der Römerbad-Therme in Bad Kleinkirchheim zunächst einmal geschwitzt. Ein heißes Erlebnissymposium in der Sauna soll die Inspirationen zum Fließen bringen. Danach geht's ins Schlosshotel Velden zum "Baukultur-Frühstück", wo über die Zukunftsentwicklung von Städten und Regionen diskutiert wird.

Wer weder transpirieren noch der morgendlichen Nahrungsaufnahme frönen will, kann im Rahmen von geführten Touren diverse Genuss- und Glaubensräume erkunden. Auf dem Programm stehen Kirchen und Kapellen, aber etwa auch das Museum Liaunig.

Neben offenen Ateliers, Kinderveranstaltungen und Filmvorführungen im Klagenfurter Volkskino gibt es heuer erstmals auch Baustellen-Besichtigungen. Kopeinig: "Architektur ist das Öffentlichste, das wir in der Kunst haben, deshalb müssen wir darüber diskutieren. Und das müssen wir auch aushalten." Dann könnten Türme auch in den Himmel über Keutschach wachsen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

  • Kärntner Zukunftsspirale: Holzturm Pyramidenkogel.
    foto: architekten

    Kärntner Zukunftsspirale: Holzturm Pyramidenkogel.

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