Tiefen und Höhen der Baukultur

27. Mai 2010, 15:43
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Die Architekturtage in der Steiermark entführen die Besucher in Tunnel und Türme. Vergnügliche Straßenbahnfahrten stehen ebenso auf dem Programm wie etwa ein Besuch auf der Grazer "Banale"

Graz - Architektur prägt. Sie ist oft unbewusst Teil des Alltags und kann diesen positiv, aber auch negativ beeinflussen. Aufgrund der Tradition avantgardistischer Bauten und der hohen Dichte von Architekturbüros ist dies in der Steiermark noch mehr der Fall als anderswo. Daher will man sich heuer - auch kritisch - mit Baukultur und ihren Sonnen- und Schattenseiten auseinandersetzen. Wie schon im Vorjahr soll dem Publikum die Möglichkeit geboten werden, Gebäude, die sonst nicht öffentlich zugänglich sind, näher kennenzulernen.

Erst Kanal, dann Kirchturm

Nicht nur bereits in Betrieb befindliche Bauten werden dabei unter die Lupe genommen, sondern auch Baustellen und stadtentwicklerische Konzepte. Startend vom Grazer Haus der Architektur (HDA) geleiten zwei geführte Touren in verborgene Tiefen sowie in luftige Höhen: Der Rundgang "Architektur der Infrastruktur" lädt am Freitag in tief unter der Erde liegende Schmutzwasserkanäle, Versorgungstunnel und Technikgeschoße.

Nur zwei Stunden später kann man sich mit Karin Tschavgova zu den höchsten Aussichtspunkten der Stadt begeben. Der Rundgang "Von hoch oben herab" umfasst ein Studentenheim, einen Chirurgieturm, einen Kirchturm, ein Silo sowie das Posthochhaus am Griesplatz. "Graz erfahren im Takt. Pro Halt ein Bauwerk" wiederum verspricht eine vergnügliche Fahrt mit der Straßenbahnlinie 1 vom westlichen zum östlichen Stadtrand.

Doch auch im restlichen Bundesland gibt es viel zu entdecken, wenngleich man dafür auch auf andere Verkehrsmittel umsteigen muss. Von der umgebauten Freiwilligen Feuerwehr in Bruck an der Mur (Meinhard Neugebauer) über diverse Belebungsversuche in der Provinz (mit Konzert von Binder & Krieglstein) bis hin zu jenen Ergebnissen, die Kindberger Schülern beim Nachdenken über ihren neuen Hauptplatz in den Sinn gekommen sind. Drei unterschiedliche Touren in Stadt und Land führen außerdem zu jenen Schauplätzen, die im preisgekrönten Jahrbuch Von Menschen und Häusern zu sehen sind.

Ein Comeback gibt es heuer an der TU Graz zu feiern: Nach zehn Jahren laden Studierende erstmals wieder zu der sogenannten "Banale". Die selbstorganisierte Schau, die in den Neunzigern legendär war, umfasst Kunst und Architektur. Teilnehmen darf jeder ohne Tabus und ohne Auswahlverfahren - sofern man natürlich früh genug kommt, um sich in den Gängen der altehrwürdigen TU einen Platz zu sichern.  (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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