Die Kommunikation der guten Brisanz

27. Mai 2010, 15:41
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Die Architekturtage 2010 wollen das Image des modernen Salzburg heben

Salzburg - Vor zwei Jahren hat Panorama Tours, ein Reiseveranstalter, der eigentlich auf Führungen durch das barocke Salzburg spezialisiert ist, begonnen, Touren zu Vorzeigeprojekten moderner Architektur an der Salzach anzubieten. Der Publikumszuspruch ist inzwischen verebbt. Das liege, erklärt Roman Höllbacher von der Initiative Architektur, vor allem an der schlechten Kommunikation in Sachen Architektur: "Gutes wird oft nicht kommuniziert."

In der Öffentlichkeit, so Höllbacher, dominierten vor allem Projekte, die "schlecht gelaufen" seien. Prominentestes Beispiel: Das zum Haus für Mozart umgebaute Kleine Festspielhaus. Dazu kämen jede Menge "sinnlose Diskussionen" um Wettbewerbe, die nie zu einem Ergebnis führten. Die Neugestaltung des Makartplatzes sei exemplarisch: Die Pläne des Wettbewerbssiegers Boris Podrecca wurden nie umgesetzt.

Dabei gebe es jede Menge Erfolge, meint Höllbacher. Etwa das Stadtteilzentrum "Neue Mitte Lehen" am Standort des ehemaligen Fußballstadions, wo neben Stadtbibliothek und gewerblicher Nutzung auch Wohnungen entstanden sind. Ganz aktuell: der Umbau des Lehener Stadtwerke-Areals.

Literatur und Religion 

Bei den Architekturtagen 2010 werden neben der Wiederbelebung der geführten Touren ins moderne Salzburg aber auch ganz andere Themen in den Mittelpunkt gerückt. Brisanz verspricht die Auseinandersetzung mit den Glaubensräumen und deren Präsenz in der Stadt. Damit wolle man keine Minarett-Diskussion inszenieren, versichert Höllbacher. "Viel wichtiger ist es, die Vertreter verschiedenster Religionsgemeinschaften in einen Diskurs zu locken."

In der Ausstellung "Architektur wie sie im Buche steht" im Künstlerhaus wiederum stehen literarische Räume im Mittelpunkt, die in Romanen zahlreicher prominenter Schriftsteller vorkommen. Studenten der TU München haben den Versuch unternommen, diese Räume zu rekonstruieren. Auch Thomas Bernhard nimmt Gestalt an. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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