700 Bauwerke bekommen ein Pickerl verpasst

27. Mai 2010, 15:39
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Vorarlberg punktet mit Nachhaltigkeit und Selbstkritik

Dornbirn - "Auffallend pointiert" stellen sich die Vorarlberger Gemeinden während der Architekturtage dar, heißt es im Programm. Das ist wörtlich zu nehmen: Architektonisch interessante Gebäude werden mit einem großen gelben Punkt markiert zum sogenannten "Ansichtsexemplar".

Das Vorarlberger Architekturinstitut (vai) hatte die 96 Gemeinden aufgefordert, für die Architekturtage ihre architektonisch interessantesten Gebäude zu benennen. 700 Ansichtsexemplare sind es geworden. An baukulturellen Zeugnissen scheint es also nicht zu mangeln. 36 Gebäude davon sind zudem ganztägig geöffnet und innen zu besichtigen. Ein wesentliches Auswahlkriterium war die Ökologie und Nachhaltigkeit. Vier dieser Bauten sind für den Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit nominiert. Vier von zehn - eine stolze Quote.

Nachhaltigkeit zieht sich als roter Faden durch das Programm. "Die Architekturtage sollen nachwirken", sagt Marina Hämmerle, Leiterin des vai. Nicht nur durch eine Landkarte mit all ihren gelb markierten Ansichtsexemplaren, sondern auch durch neue Sensibilität für den (Lebens-)Raum.

Blickpunkt öffentlicher Raum 

Die Aufmerksamkeit gilt vor allem dem Zusammenspiel zwischen Raumplanung und Mobilität. Durch die Kooperation mit dem Verkehrsverbund, der für das Architekturtage-Publikum Bahn und Bus kostenlos zur Verfügung stellt, wird das Erfahren von Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung möglich.

Stadtnomaden, zwei Architekturkollektive aus Tirol und Spanien, werden mit mobilen Behausungen aktionistisch zur Diskussion über Eigentum und öffentlichen Raum anregen. Partizipationsprojekte mit Jugendlichen zeigen die Bedürfnisse nach Freiräumen für junge Menschen auf. All diese Themen greifen einen wunden Punkt der Vorarlberger Politik auf: Gemeint ist die Raumplanung und Förderpolitik der letzten Jahrzehnte, die den Einfamilienhauskult nährte und damit eine Zersiedelung verursachte, die im Bundesländervergleich einzigartig ist. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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