Ein Tag im pannonischen Eierparadies

27. Mai 2010, 15:34
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Das Burgenland lädt zu einer zehnstündigen Tour zwischen Eisenstadt und Seewinkel

Trausdorf an der Wulka - Mit großen Bauwerken kann das bevölkerungsärmste Bundesland wahrlich nicht aufwarten. Es sind die kleinen und feinen Preziosen, die quer übers Land verstreut sind. Mehr als irgendwo sonst, scheint es, lebt die regionale Architektur vom Spiel mit der Natur. Kaum ein Einfamilienhaus, ein Weingut, ein Museum, das nicht auf dramatische Weise die Landschaft in den Innenraum holt.

Die sogenannte "Architektour" liefert den Beweis: Der ganztägige Ausflug von Eisenstadt bis in den Seewinkel führt zu Einfamilienhäusern von Adolf Krischanitz und PPAG sowie zu neuen Obst- und Weingütern von Architects Collective. Kupferbleche, aufgespritzte PU-Fassaden und chamäleonartige Aluminiumplatten mit changierendem Effekt - "bekannt von den angeberisch lackierten Autos, die im Vorbeifahren die Farbe ändern", wie PPAG dies ausdrückt - beweisen, dass die Zukunft längst schon die pannonische Tiefebene erreicht hat.

Eines der Highlights ist gewiss das Eiermuseum in Winden am See. Ja, auch das gibt es. "Die Kugel ist die absolute Form. Wenn man die Kugel jedoch zusammendrückt, dann entsteht ein Ei", sagt der Sammler und Eierfanatiker Wander Bertoni. 4000 Exponate vom handbemalten Osterovulum bis zum eingeritzten Unikat vom Ende der Welt werden in einem von gaupenraub geplanten Eierpavillon ausgestellt.

Architektur als großes Kino

Stationäres Programm wird ebenfalls geboten. Im Flugplatz-Turm in Trausdorf an der Wulka werden am Freitag, den 28. Mai, zwei Dokumentarfilme gezeigt: Bird's nest ist ein Film über das Pekinger Vogelnest-Stadion der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. My architect. A son's journey ist ein episches, berührend erzähltes Porträt über den US-amerikanischen Architekten Louis Kahn, einen der einflussreichsten und bedeutendsten Planer des 20. Jahrhunderts.

Eine Ausstellungseröffnung im Architektur Raum Burgenland mit anschließendem Fest beendet die Architekturtage und entführt die Besucher abermals raus an die frische Luft. Diesmal nicht in die wilde Natur, sondern auf sorgfältig gestaltete Freiräume und Dorfplätze. (woj, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2010)

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