Quelle wird 2011 wiederbelebt

27. Mai 2010, 14:32
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Beim Besitzer der Markenrechte, Otto, laufen bereits die Vorbe­reitungen, Details werden im Spätherbst bekanntgegeben

Wien  - Im vergangenen Jahr ist das Traditionsunternehmen Quelle in die Pleite geschlittert, Tausende Mitarbeiter in Österreich und Deutschland haben ihren Job verloren. Der Hamburger Versandriese Otto hat im November die Markenrechte und das Russland-Geschäft gekauft, nun will Otto von der Bekanntheit der Marke auch in Österreich profitieren und wird Quelle ab 1. Jänner 2011 wieder zum Leben erwecken, kündigte Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto/Universal Versand in Österreich (Unito Versand & Dienstleistungen GmbH), an. Für Otto/Universal in Österreich bedeutet das Quelle-Aus eine "Jahrhundertchance", immerhin ist mit Quelle der heimische Marktführer im Versandhandel weggefallen.

Die Vorbereitungen für die Wiederbelebung von Quelle liefen schon auf Hochtouren, im Moment werde daran gearbeitet, Vertriebskanäle, Sortimentspolitik, Zielgruppen und Positionierung exakt zu definieren. Aus Vertriebssparten wie den Quelle-Shops wolle man sich komplett zurückziehen, die "Quelle Neu" soll vor allem im Internet präsent sein - denn dort liege das Potenzial. Mit der Marke Otto werden bereits 70 Prozent des Umsatzes im Internet erwirtschaftet, bei Universal seien es 50 Prozent. Den klassischen Katalog werde es trotzdem noch "sehr lange" geben, versicherte Gutschi. Auch ein eigener Quelle-Katalog sei künftig denkbar, das Geschäft soll nicht ausschließlich im Internet abgewickelt werden.

Offene Frage

Bei Otto und Universal sind die Zielgruppen genau definiert: Universal spreche Kunden ab 40 Jahren an, verkauft werden hauptsächlich Hardwaren; Otto sei mit seinem Fokus auf Mode, Marken und Lifestyle die Marke für jüngere Kunden. Welche Zielgruppe Quelle in Zukunft ansprechen soll und in welcher Form und mit welchem Angebot die Marke in Österreich positioniert werden soll, werde erst im Spätherbst bekanntgegeben. Die Marke müsse aber so positioniert werden, dass es mit Otto und Universal eine überschaubare Anzahl von Überschneidungskunden gibt.

Abgesehen von der "Revitalisierung" von Quelle sei man bei Unito derzeit auf Expansionskurs: Am 1. Juli 2010 erfolge der Markteintritt in der Schweiz mit der operativen Übernahme des Versandhandelsgeschäfts der Marken Quelle und Ackermann. Die Schweiz stelle somit den zweiten Markt dar, in dem die Otto Group nach der Übernahme des Quelle-Geschäfts in Russland die Marke Quelle wieder aufleben lasse.

Kräftiges Wachstumsplus

Seit der Quelle-Pleite geht es mit den Versandhandelsmarken Universal und Otto, beides Marken der Otto Group, steil bergauf. Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr hat Otto/Universal Versand in Österreich 185 Mio. Euro umgesetzt. Für das laufende Geschäftsjahr 2010/2011 rechnet Unito-Chef Harald Gutschi mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll der Umsatz auf 300 Mio. Euro ansteigen.

Trotz des turbulenten Vorjahres blieben die Anteile des Versandhandels am heimischen Einzelhandelsmarkt konstant. "70 Prozent der ehemaligen Quelle-Umsätze bleiben im Versandhandel", so Gutschi. In Österreich werden rund 5 Prozent des gesamten Handelsvolumens im Versandhandel erwirtschaftet. In absoluten Zahlen entspricht das einem Umsatzvolumen von 2 Mrd. Euro. Dieser Anteil soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln.

Für den Versandhandel sieht Gutschi stärkeres Marktpotenzial als für den stationären Handel. Letzterer habe "Überkapazität", laufen die Mietverträge der Einkaufszentren in einigen Jahren aus, würden sie geschlossen, glaubt der Unito-Chef. Der stationäre Handel könne zwar auch ins Internet gehen, kannibalisiere sich dort aber selbst, so seine Erfahrung. Im Versandhandel wächst der E-Commerce-Markt kontinuierlich, 32 Prozent der Österreicher bestellen laut Gutschi bereits online.

Aktuell gibt es hierzulande 3.500 Versandhändler, vor einigen Jahren waren es noch ein paar hundert. Ab 2011 werden die drei großen Versandhandelsmarken Otto, Universal und Quelle in einer Hand sein. "Die Übernahme der Markenrechte und die Fortführung der Marke Quelle haben positive volkswirtschaftliche Auswirkungen auf den angrenzenden Dienstleistungsbereich des heimischen Versandhandels", meinte Gutschi. So seien 2.000 Arbeitsplätze erhalten geblieben. Otto/Universal und einige Mitbewerber hätten ehemalige Quelle-Mitarbeiter übernommen. Von den rund 1.000 Beschäftigten, die von der Schließung des Quelle-Werks in Linz betroffen waren, dürften bereits viele wieder in neuen Dienstverhältnissen sein. (APA)

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    Die Vorbereitungen für die Wiederbelebung von Quelle laufen schon auf Hochtouren.

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