Weinberg-Schwerpunkt bei den Bregenzer Festspielen

27. Mai 2010, 14:12
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Szenische Uraufführung von "Die Passagierin"

Wien - Neben dem Publikumshit "Aida" auf der Seebühne widmen sich die Bregenzer Festspiele heuer (21. Juli bis zum 22. August) mit dem Komponisten Mieczyslaw Weinberg vor allem dem Vergessenen und der Kunst "In der Fremde". Intendant David Pountney warb am Donnerstag in Wien für eine "Pilgerfahrt" ins ferne Bregenz.

Hochproduktiv

"Natürlich ist es ein Risiko, 20 Werke eines völlig Unbekannten Komponisten aufs Programm zu setzen", so Pountney, der die szenische Uraufführung von Weinbergs Oper "Die Passagierin" über die Wiederbegegnung einer KZ-Aufseherin mit einer Lagergefangenen auf einem Schiff auch inszenieren wird.

Auch in der zweiten Weinberg-Oper der Festspiele, "Das Porträt", hat sich der Komponist, selbst polnischer Jude, der nach der Flucht in Moskau lebte, mit einem brennenden Thema seiner Zeit und Biografie auseinandergesetzt: Wie viele Kompromisse kann ein Künstler für sein Überleben eingehen, ohne seine Kunst zu verlieren?

Neben einer eigens in Auftrag gegebenen Weinberg-Biografie, die im Juni erscheint, wird das Bregenzer Publikum den vergessenen Viel-Komponierer auch im Musikprogramm näher kennenlernen. Zwei seiner 27 Symphonien, sein Requiem, sowie mehrere kammermusikalische Werke kommen unter anderem in den Händen seines persönlichen Freundes zur Aufführung: Vladimir Fedoseyev wird die ihm selbst gewidmete 17. Symphonie, sowie die große sechste Symphonie und das Requiem dirigieren - unter anderem mit den Wiener Sängerknaben.

Karine Babajanyan als Aida

Auf der Seebühne walten die Kulissen-Giganten. "Sie spielen eigentlich die Hauptrolle", klagte "Aida"-Darstellerin Karine Babajanyan scherzhaft. "Die eigene Ausstrahlung auf der Bühne muss hundertmal mehr sein als anderswo." Für ihr Rollendebüt als Aida fühlt sich die armenische Sopranistin, die in Bregenz bereits als Tosca zu sehen war, "jetzt erst so richtig reif".

Für die Festspiele ist die Seebühne, bei der "im Durchschnitt höhere Kartenpreise erzielt werden als in der Staatsoper", wie Präsident Günter Rhomberg anmerkte, "auf der Einnahmenseite sehr wichtig". Trotz allgemeiner Krisenstimmung sind die Buchungen mehr als stabil - und so sieht Rhomberg derzeit keine Gewitterwolken über dem Bodensee. (APA)

 

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