Google-Datenaffäre: Regierung plant schärfere Sanktionen

27. Mai 2010 21:16
  • Artikelbild

    Google hat vor einigen Wochen zugegeben, dass seine Fahrzeuge beim Fotografieren von Gebäuden und Strassen für den Internetdienst Street View in Österreich und anderen Ländern Daten aus unverschlüsselten Wlan-Netzen eingesammelt haben - laut Google geschah dies versehentlich. Dabei wurden auch Fragmente von anderen Daten gespeichert worden, etwa Internetadressen und E-Mails.

Street-View in Österreich gestoppt - Grund: "unabsichtliche" Datensammlung aus Wlan-Netzen

Medienstaatssekretär Josef Ostermayer will illegales Datensammeln, wie es der Onlinekonzern Google mit Street-View getan hat, generell unter Strafe stellen. Derzeit schlägt das Strafrecht nur dann zu, wenn Daten mit Vorsatz abgesaugt und verwertet, etwa verkauft, werden. "Damit Unternehmen gar nicht in Versuchung kommen" will Ostermayer Sanktionen auch für Fälle einführen, in denen "Daten beispielsweise noch nicht verwertet wurden". Der SP-Politiker plädiert im STANDARD-Gespräch dafür, die EU-Datenschutzrichtlinie zu ändern: "Kommt keine EU-Regelung, planen wir ein nationales Gesetz."

Google Street-View in Österreich gestoppt

Google-Sprecher Kay Oberbeck war am Telefon überrascht. Darüber, dass die österreichische Datenschutzkommission für die Google-Street-View-Autos vorläufig eine Stopptafel aufstellt, war er bis zum Anruf des Standard offenbar nicht im Bilde. Der Bescheid der Datenschutzkommission erfolgte am Dienstag per E-Mail an einen Zustellungsbevollmächtigten des US-Unternehmens in Deutschland. Mehr als vier Stunden brauchte es, bis Oberbeck schließlich eine Stellungnahme fertig hatte, die per E-Mail versandt wurde.

Die Datenschutzkommission begründet die Zwangspause mit der angeblich unbeabsichtigten Sammlung von möglicherweise auch personenbezogenen Daten aus privaten Funknetzen (Wi-Fi-Netze), die während der Aufnahmen für den Straßenkartendienst getätigt wurden. Mitte Mai hatte der Internetkonzern zugeben müssen, dass bei den Aufnahmen für Street View nicht nur die Existenz von privaten Wi-Fi-Netzen protokolliert wurden, sondern "irrtümlich" auch übertragene Daten mitgelesen wurden.

Frist bis zum 7. Juni

"Google hat zwar seinerzeit von der Kommission die Genehmigung für die Ermittlung von Bilddaten erhalten, nicht aber für andere Daten" , erläutert Waltraut Kotschy, Vorsitzende der Datenschutzgremiums, dem Standard. Da es nicht klar sei, wie weit die bloße Street-View-Anwendung (Fotos) technisch von weiteren Datenermittlungen, wie etwa von Wi-Fi-Netzen getrennt sei, sei die Weiterführung mittels eines sogenannten Mandatsbescheids daher untersagt worden. Dieser gelte auch für die Weiterverarbeitung bereits ermittelter Daten.

Google hat nun bis zum 7. Juni Zeit, der österreichischen Datenschutzkommission eine "lange Reihe von Fragen zu beantworten" , sagt Kotschy. Sie geht davon aus, dass die Prüfung des Sachverhalts "angesichts technisch schwieriger Zusammenhänge" mehrere Wochen in Anspruch nimmt.

Das Vorgehen der Datenschutzkommission ist Wasser auf die Anti-Google-Mühle der Gesellschaft für Datenschutz (Arge Daten). Deren Vereinsobmann Hans Zeger hat den Internetkonzern ebenfalls wegen Verletzung der Meldepflicht angezeigt. Weiters fordert er, die Mittel, mit denen Street-View-Daten erhoben werden, also die Autos mit den prägnanten Kameras, vorerst zu beschlagnahmen, wozu er das magistratische Bezirksamt befugt sieht. So hätte die Behörde einen Überblick über den tatsächlichen Standort der Fahrzeuge, sagte er im Ö1-Mittagsjournal. Seit Anfang Mai bietet Arge Daten einen Online-Musterbrief, mit dem sich Bürger vor "überfallsartigen" Aufnahmen durch Google präventiv schützen sollen.

Begrüßt wurde das Vorgehen der Datenschutzkommission auch von den Grünen. Sie fordern eine Überprüfung der Street-View-Autos, wie sie dem hamburgischen Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar offenbar nun gewährt wird. Dieser soll Zugriff auf eine Originalfestplatte aus einem der Fahrzeuge erhalten, damit sich der Datenschützer ein Bild von den darauf gespeicherten Wi-Fi-Daten machen kann. Vorab, so Google, müssten allerdings noch "datenschutzrechtliche Bedenken" geklärt werden. Bei Auskunftsverweigerung kann die deutsche Behörde ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro verhängen. Falls Firmen "vorsätzlich oder fahrlässig" unbefugt personenbezogene Daten erheben oder verarbeiten, droht ihnen laut Bundesdatenschutzgesetz gar eine Buße in Höhe von 300.000 Euro.

Eher bescheiden nimmt sich da das Strafmaß in Österreich aus. Hier gibt es lediglich die Möglichkeit, bei einer Verletzung der Meldepflicht ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro zu verhängen. Für Kotschy ist dieser Fall daher auch Anlass, das Ausmaß der Strafmöglichkeiten in Österreich zu diskutieren.

Street-View-Kritiker bezweifeln, dass Google die Wi-Fi-Daten in insgesamt 34 Ländern seit 2007 unabsichtlich mitgeschnitten hat. Laut Google-Sprecher Oberbeck hat der Konzern die Kamera-Fahrten seit 14. Mai weltweit unterbrochen. "Wir arbeiten zusammen mit den relevanten öffentlichen Stellen, um ihre Fragen zu beantworten", heißt es in seiner Stellungnahme.

Der Straßendienst von Google hat in Europa zu weit auseinandergehenden Reaktionen geführt. Während er etwa in Griechenland verboten ist, ist er in Großbritannien und Dänemark schon online. In Deutschland sagte der Internetkonzern unter Druck von Datenschützern und Konsumentenministerin Ilse Aiginger weitgehende Einspruchsmöglichkeiten für die Bürger zu. (Gerald John/Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 28. Mai 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 481
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
eklaTANT
17.06.2010 11:24
Firefox GeoLocation

Für alle Berufsbetroffenen im Forum: Dank GeoLocation kann ich nun alle WLANs in meiner Umgebung an Google melden, ganz ohne StreetView und ohne Einverständnis meiner Nachbarn.

"...If you consent, Firefox gathers information about nearby wireless access points and your computer’s IP address. Then Firefox sends this information to the default geolocation service provider, Google Location Services, to get an estimate of your location. That location estimate is then shared with the requesting website..."

http://mzl.la/15Vxu0

Was jetzt, Firefox verbieten, IP Adressen abschaffen? Wo ist hier der Aufschrei der Möchtegerndatenschützern?

-Lucien-
29.05.2010 20:10

100 % pro Google!

*.*
29.05.2010 18:02

>>> breaking news <<<

die datensammler von falk sind wieder unterwegs.
passen sie genau auf, es könnte jemand vorbeikommen, den straßennamen + nummer ihres hauses aufzeichnen und diese daten ohne ihre einwilligung an andere verkaufen!

sie haben nur eine möglichkeit dagegen zu intervenieren:
nutzen sie keine pläne mehr, auch von navis ist dringenst abzuraten.

Sudokusan
28.05.2010 21:19
Wenn jemand sein WLAN der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt

ist das seine Sache. Und wenn nicht dann kann auch der Google nix mitlesen (hoffe ich).

erwin 222
02.06.2010 06:51
Ja, aber wenn man "nur" fotografiert, zeichnet man nicht "irrtümlich" WLAN-Daten auf, gell?

Mit einer Kamera allein geht das nämlich nicht!

Sudokusan
07.06.2010 01:27
Natürlich geht es darum eine Datenbank zu haben

die dann ueber Google zur verfügung steht wo man freie WLANs finden kann. Da ist nichts schlechtes dabei, denn wie oben geschrieben kann jeder sein WLAN herleihen wenn er will. Wenn nicht is auch gut.

eklaTANT
28.05.2010 19:21

Die DSK sollte sich besser um echte Datensammler ala KSV, Deltavista, Hirnschall und Konsorten kümmern und unangemeldete Systemprüfungen durchführen. Und der Herr Ostermayer soll sich gegen den Verkauf von Meldedaten starkmachen.

Wen jucken schon paar offene WLANs? Ich bin mir sicher wenn Google ein paar Euronen dem Vater Staat rüberschiebt, gibts auch dafür eine Lösung. Man hat doch eh nichts zu verbergen oder? ;)

Auguste Bußmann
28.05.2010 16:28
= staatliches datenraub-monopol

der staat beraubt mich systematisch meiner daten (verkauf von meldedaten, handyortung, spenden gelder werden registriert, …)

- und bei google machen sie einen auf harten macker


Ant
28.05.2010 15:55
Die schönen Google-Autos...

... mit ihren Kameras stehen vor dem Palais Schwarzenberg herum (also hinterm Russendenkmal) - wer sie beschlagnahmen, sie anschaun oder sonst was mit ihnen machen will, weiß nun, wo er das tun kann.

Anyuser
 
28.05.2010 19:15
Fremdes Eigentum und Respekt davor gibt es für sie also nicht mehr?

Sehr gut, Big Brother wartet schon auf sie!

ad vocem
28.05.2010 15:44
Was geht Google überhaupt ...

... die Existenz und Position privater WiFi-Netze an - seien sie nun (dummerweise, zugegeben!) offen oder verschlüsselt?

Der nächste kommt daher und stierlt in unseren Mülltonnen herum, die stehen ja oft auch grundsätzlich zugänglich in der Einfahrt herum.

Und trotzdem ist es verboten ...

Anyuser
 
28.05.2010 19:17
Schon darüber nachgedacht was „senden“ bedeutet?

Wenn sie schon ihre Nachbarschaft "beschallen", dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn jemand zuhört.

ad vocem
28.05.2010 19:24
Zuhören dürfen sie ja!

Das impliziert aber zB nicht, dass sie auch AUFNEHMEN dürfen, was ich in meiner Wohnung so von mir gebe.

Geschweige denn, dass sie zB meine Telefongespräche abhören und mitschneiden dürfen, selbst wenn sie technisch dazu in der Lage wären ...

*.*
29.05.2010 17:50

wenn sie das fenster offen haben, lauthals brüllen, und ich auf der straße ein diktaphon einschalte, will ich mal sehen wie sie mich dafür verklagen. eher bekommen sie ein mandat wegen öffentlicher ruhestörung ;)

also bitte, bisserl mitdenken.

so und was sie die existenz der wlans angeht:
positionsbestimmung für mobile geräte auch innerhalb von gebäuden (wo gps nicht geht)

und das macht nicht nur google, da gibts auch österreichische firmen. bei denen regt sich nur keiner auf weils niemand kennt (genauso wie streetview, gestochen scharfe luftaufnahmen, usw... zb norc.at)

was kann jemand mit ihrer ssid (netwerk name) anfagen ausser sie für triangulation zu verwenden?
-genau nix. genauso wie keiner was mit ihrer hausnummer anfangen kann.

der Xote
29.05.2010 10:35
Die roten Stricherl finde ich jetzt interessant!

Wer ist denn bitte der Meinung, man dürfe Telefongespräche (zb via Handy) abhören?

Anyuser
 
29.05.2010 17:10

Nicht um sonst sind Telefongespräche die über GSM, UMTS etc. abgewickelt werden verschlüsselt. (Ja, ich weiß der Schlüssel ist geknackt worden. Dennoch verschlüsselt sind die Daten und somit kann man nicht mehr von einfach in die Welt hinaus posaunen reden.)

Wichtiger Wichtel
28.05.2010 14:14
Da ja viele meinen, die Aufzeichnung

sei kein Versehen gewesen: Was soll denn Google mit den aufgezeichneten Datenpaketen anfangen? -

Google hat über gmail (wie jeder mail-Provider) Zugriff auf emails und Adressbücher, über google Docs Zugriff auf Dokumente, über google Calender auf Termine, über google checkout auf Kreditkartendaten und Einkäufe, und kann das ganze sofern mein eingeloggt ist oder über statische IP surft auch mit auf maps, youtube und google getätigten Suchanfragen verknüpfen.

Diese WLAN-Schnipsel sind für google wertlos.

der Xote
29.05.2010 10:36
Eine kleine Gebrauchsanweisung für ihr zukünftiges Leben

nicken,
nicken,
lächeln,
nicken,
...

ad vocem
28.05.2010 19:50
Wenn sie zB Google Desktop-Suche ...

.. installiert haben, dann sind sie eh selber schuld, genauso wie wenn sie kostenlose Mailprovider haben. Womit werden die wohl ihr Geld verdienen, hmm?

Aber wozu Google zB MAC-Adresse, SSID, Signalstärke, Verschlüsselungsmethode, Übertragungsprotokoll und Funkkanal von einem privaten verschlüsselten WLAN-Router scannt, der mit Google ganz genau gar nix zu tun hat, das sollten sie erstmal erklären!

Wichtiger Wichtel
29.05.2010 14:44

Die Daten die Sie da aufzählen sind genau die, die auch ihr Notebook ermittelt, wenn es nach einem WLAN sucht.
Und was Google damit anfängt: erstens: freie WLANs kartographieren, zweitens: Assisted GPS für Geräte ohne GSM - http://de.wikipedia.org/wiki/Assi... ing_System

ad vocem
29.05.2010 15:08
Und wozu ...

... sollte man "freie WLANs kartographieren"?

So dumm es auch ist, (eigene) private WLANs nicht zu verschlüsseln, so ist es lt. aktueller Rechtsmeinung doch verboten, dass selbige von Dritten genutzt werden - zumindest wurde das von deutschen Gerichten basierend auf §§ 89 und 148 TKG ("Abhören einer Funkanlage") wiederholt bestätigt!

Wozu also kartographieren?

Und: PRIVATE Funknetze zur Standortbestimmung verwenden zu wollen (falls das so gemeint sein sollte) erscheint mir auch nicht wirklich plausibel!
Sie kaufen einen neuen Router, sie ziehen um und nehmen den Router mit, sie haben den Router ausgeschaltet, ...

Liefert alles nicht wirklich eindeutige Ergebnisse!

*.*
29.05.2010 18:17

ps:

ihr wlan ist sicherlich nicht das einzige in ihrer gegend.
also wenn ich mal so nachsehe, in meiner liste sind in etwa 10 andauernd (manche schalten den router mit dem pc wohl ab).

wenn eines davon plötzlich nicht mehr da ist.... relativ geringe abweichung.

es geht nicht um ein einzelnes netz. sondern um die summe an informationen aus allen verfügbaren.

und die mitgeschnittenen datenfragmente aus einer durchfahrt durch ihre straße (10sec?) interessieren (bis auf die mac-adresse) überhauptnicht, damit kann man nix anfangen.
das ist als ob sie 5 wörter eines buches wissen. der inhalt des buches bleibt ihnen verschlossen.

Wichtiger Wichtel
29.05.2010 18:15

Deutsche Gerichtsurteile für Österreich irrelevant.

Lesen Sie den Artikel, bei Assisted GPS gehts darum die eigentliche GPS-Standortbestimmung zu beschleunigen, nicht darum sie zu ersetzen.

*.*
29.05.2010 18:09

tja was genau macht google mit diesen daten?

wenn sie ein mobiles gerät besitzen das seinen standort per gps feststellen kann, haben sie evtl bemerkt, dass dies innerhalb von gebäuden nicht funktioniert (weil das signal vom sateliten nicht durch die wände kommt).

tja wie könnte man noch die position bestimmen?
hmm man könnte schaun welche netzwerke (wlans) so in der umgebung sind, wie stark die verbindung zu diesen netzwerken ist und aus diesen informationen die position ungefähr errechnen (nicht so genau wie gps aber geht doch ganz gut, und vor allem auch drinnen).
welche daten braucht man dafür?
*netzwerkname -kann sich ändern, deswegen lieber:
*mac adresse des routers
* signalstärke an unterschiedlichen orten

Allmächtiger Satan
28.05.2010 14:06

Wenn jetzt alle wegen persönlichem Datenschutz aufschreien, weil Google für ohnehin jedermann sichtbare Netzwerke notiert hat, dann hätte ich auch gerne, dass ich aus dem Melderegister gestrichen und mein Meldezettel vernichtet wird. Mein WLAN sagt über mich weniger aus als meine Meldeadresse und meine Privatsphäre beginnt nicht hinter meiner Haustüre, sondern damit, dass es auch niemanden angeht, wo ich lebe, wenn ich das nicht will.

Hier auf Google draufzuschlagen ist nichtmal halbgare Doppelmoral.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 481
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.