Neun Fragen und Antworten zum E-Bike

Der "Konsument" hat getestet: Elektroräder sind keine technische Spielerei mehr - Kritik gibt es aber für Akkuleistung und Steuerung

"Die E-Bikes sind keine Spielerei mehr, sondern für den umweltfreundlichen Verkehr geeignet", sagt Franz Floss vom Verein für Konsumenteninformation. Im neuen Testmagazin "Konsument" wurden Elektrofahrräder intensiv getestet, sagt Floss: "Insgesamt sind wir 3000 Kilometer gefahren, das entspricht dreimal der Strecke Wien-Paris." Heuer werden laut Prognosen 20.000 Stück verkauft. Aber wie alltagstauglich sind die E-Bikes. derStandard.at hat neun häufige Fragen beantwortet.

  • Gewicht: Wie schwer ist ein E-Bike und lässt es sich auch ohne Motor so fahren wie ein herkömmliches Fahrrad?

Ein E-Bike wiegt durchschnittlich 25 bis 29 Kilogramm und lässt sich ohne Unterstützung des Motors schwer lenken. "Wenn der Saft ausgeht, spürt man jedes Kilo", sagt Franz Wallner, Sport-Projektleiter bei "Konsument". Der Tipp des Experten: Das Elektrofahrrad vor dem Kauf testen: Es sollte auch ohne Motor relativ normal zu fahren sein. Im Test gab es nur zwei "gute" Bewertungen für diesen Punkt.

  • Sicherheit: Wie schnell können E-Bikes fahren?

Die Räder können eine Geschwindigkeit von 25 km/h erreichen. Beim Überschreiten muss sich der Motor automatisch abschalten. Kritiker sehen in der hohen Fahrgeschwindigkeit ein Sicherheitsrisiko.

  • Kosten: Wieviel kostet ein E-Bike und wie hoch ist die Förderung?

Die Anschaffung wird mit Beträgen von bis zu 400 Euro unterstützt. Die Räder liegen etwa in der Preisklasse von 1.400 bis 2.400 Euro. "Konsument" empfiehlt, nicht zu sparsam zu sein: "Gute Räder gibt es ab etwas 2.000 Euro."

Laut Prognosen sollen 2015 bereits 75.000 E-Bikes pro Jahr verkauft werden. Floss glaubt nicht, dass es sich um eine Modeerscheinung handelt, sondern dass sich der Trend fortsetzen wird. "Es ist damit zu rechnen, dass es in einigen Jahren zu einer Preisreduktion kommt", sagt er.

  • Akkus: Wie lange hält der Akku und wie lange muss man ihn aufladen?

Wie lange der Akku hält, hängt von Gelände, Witterung, Gewicht des Fahrers  und Fahrverhalten (Stichwort "schaltfaul") ab. Zudem gibt es unterschiedliche Unterstützungsstufen, bei den meisten Rädern sind diese "leicht", "mittel" und "hoch". Bei normaler Unterstützung schaffen die Räder rund 50 Kilometer. "Alles in allem hat uns der Test positiv überrascht - insbesondere bei der Reichweite mit der Akkuladung", sagt Floss. Bei minimaler Unterstützung durch den Elektromotor kann der Fahrer durchschnittlich 68 Kilometer zurücklegen. Leistungsunterschiede sind jedoch erheblich und reichen von 37 Kilometer bei der Marke Gepida bis zu 99 Kilometer bei dem Konsument-Testsieger KTM.

Bei der Ladedauer war das Ergebnis ähnlich: Man muss mit drei bis sieben Stunden rechnen.

  • Ersatzakkus: Bei längeren Radtouren auf Nummer Sicher gehen: Wie sinnvoll sind Ersatzakkus?

Die Anschaffung eines Ersatzakkus ist nicht gerade billig: Es muss mit Kosten von 500 bis 800 Euro gerechnet werden. "Zudem muss man zusätzliche zwei bis vier Kilo durch die Gegend kutschieren", sagt Wallner.

  • Umwelt: Sind Elektroräder wirklich gut für die Umwelt?

Zwar gibt es keine Emissionen, aber durch Akkus und Elektronik fällt zusätzlicher Müll an. Franz Floss beantwortet die Frage dennoch mit "Ja", relativiert aber: "Kurze Autostrecken kann man mit gutem Gewissen mit dem E-Bike ersetzen." 60 Prozent der Autofahrten seien kürzer als 37 Kilometer und hier bietet sich die Alternative Elektrorad an.

  • Antriebsmotor: Die Qual der Wahl: Welche Antriebsart ist die beste?

Es stehen der Hinterrad- oder Vorderradantrieb und der Tretlagermotor zur Verfügung. Für Wallner ist der Mittelmotor optimal: Denn dabei handelt es sich meist um die kompakteste Bauform, Motor und Akku befinden sich zentral am Tretlager. Das bringe einen gut gelagerten Schwerpunkt des Fahrrades mit sich. Die Kosten können jedoch etwas höher sein.

Das Fahrverhalten mit Frontantrieb kann gewöhnungsbedürftig sein, sagt Wallner: "Bei glattem und sandigem Untergrund neigt das Rad zum Wegrutschen."

Der Heckantrieb arbeitet laut Konsument-Testergebnis nahezu lautlos und greift auch beim Anfahren auf glattem und sandigem Untergrund gut. Das Fahrrad kann jedoch hecklastig werden, wenn der Akku am Gepäckträger montiert ist und ein zusätzliches Gewicht (Kindersitz, Gepäck) hinzukommt.

  • Bedienkonsole: Wie verlässlich ist die elektronische Steuerung?

Sie dient zur Anzeige der aktiven Unterstützungsstufe, zeigt die Geschwindigkeit und die zurückgelegten Kilometer. Großteils war das Konsument-Testergebnis zufriedenstellend. Der Akkustand sollte ebenfalls exakt abgelesen werden, hier sind jedoch bei einigen Rädern Verbesserungen möglich.

  • Fitness: Eignet sich das E-Bike für Sportler?

"Für einen klassischen Radfahrer ist ein Elektrorad eigentlich nicht das Richtige. Das sportliche Element fällt weg", sagt Wallner. Der Vorteil: Jeder Berg und Gegenwind werden mühelos gemeistert. Dadurch können auch Menschen mit schlechter Kondition oder körperlichen Mängeln Erlebnisse haben, die ihnen sonst verwehrt bleiben würden. Auch Umweltminister Niki Berlakovich
ließ sich von einem Elektrorad den Großglockner hinaufradeln. (jus, derStandard.at, 27. Mai 2010)

Genaue Testergebnisse in der aktuellen Juni-Ausgabe des "Konsumenten" und unter www.konsument.at

Share if you care