Facebook-Exitstrategien: So löscht man sein Konto

27. Mai 2010, 09:34
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Am 31. Mai findet der "Quit Facebook Day" statt - Soziales Netzwerk macht Nutzern die Löschung des Profils nicht leicht

Am 31. Mai ist "Quit Facebook Day", zumindest für Benutzer, die mit dem Hang des sozialen Netzwerks zur Indiskretion so verärgert sind, dass sie den Ausstieg erwägen.

Schwierig

Das wird, wie häufig bei Facebook-Aktionismus, vermutlich nicht einmal dazu ausreichen, die Zahl der Neuzugänge an diesem Tag zu übertreffen. Aber zumindest sollte man wissen, wie die Ausstiegsszenarien für ein Facebook-Konto ausschauen. Leicht wird es einem nicht gemacht, das herauszufinden.

Deaktivierung

Es gibt zwei verschiedene Arten, Facebook die Freundschaft aufzukündigen: Man kann sein Konto deaktivieren. Dann werden Profil und Informationen für andere unsichtbar, bleiben aber erhalten. Nur Nachrichten, die man verschickte, und Pinnwandeinträge bleiben sichtbar. Allerdings erscheint der Name schwarz statt blau und ist nicht mehr anklickbar - da das Profil dazu ja unsichtbar gemacht wurde.

Die Idee hinter dem Deaktivieren: Gehst du im Zorn (oder aus Langeweile oder was immer) und entscheidest dich, später zurückzukommen, ist alles wieder gut, wird alles wieder sichtbar. Facebook ist eben nicht nachtragend.

Löschung

Die andere, finale Form des Ausstiegs ist es, ein Facebook-Profil zu löschen. Dann werden auch alle Daten, die mit diesem Konto verbunden sind, tatsächlich gelöscht und sollten für immer von Facebook verschwinden. Allerdings gibt es auch hier eine 14-tägige Chill-out-Phase, in der ein gelöschtes Konto zunächst nur deaktiviert ist, bevor die Daten tatsächlich gelöscht werden. Überlegt man es sich in dieser Frist anders, braucht man sich nur wieder einzuloggen, um das Konto wieder zu aktivieren - ansonst: und tschüss.

Beeinflussung

Deaktivieren ist relativ leicht, Löschen hingegen gut versteckt. Zum Deaktivieren muss man rechts oben auf Konto und Einstellungen klicken, dann findet sich ein Menüpunkt "Deaktivieren". Jetzt muss noch die emotionale Hürde übersprungen werden, die Facebook aufbaut: Bist du sicher, deine Freunde können nicht mehr mit dir in Kontakt bleiben, treuherzige FreundInnen-Bilder mit dem Zusatz: Soundso wird dich vermissen! Da muss man durch.

Entschlossenheit

Löschen hingegen ist ganz arg, da mag Facebook keine Beihilfe leisten und gibt sein Geheimnis nur widerwillig preis. Über den Button "Konto" findet man den "Hilfebereich", dort gibt man "Konto löschen" ein. Es folgen Suchergebnisse, das erste erklärt zunächst "deaktivieren", und bietet dann verschämt einen Link "klicke hier", wenn man wirklich löschen will. Dann "darf" man eine Anfrage absenden, dass man auch wirklich, wirklich fest zur Scheidung entschlossen ist.

Praktisch

So, jetzt ist es heraußen. Ich finde, dass Facebook-User immer wissen sollten, wo die Notbremse ist, am besten ausschneiden und beim PC aufheben. Ansonsten finde ich soziale Netze weiterhin praktisch, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben oder sich selbst oder andere Anliegen zu promoten. Man muss ja nicht alles mitmachen. Und immer daran denken: Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie posten, kann auch gegen Sie verwendet werden. Das war schon immer so. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 27.Mai 2010)

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