Apple auf dem Prüfstand

27. Mai 2010, 09:21
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Apples Erfolg muss sich zunehmend Kontrollen unterziehen - Die US-Justiz überprüft jetzt iTunes, den on- und offline größten Musik-Store der Welt

Das US-Justizministerium hat Erhebungen über Apples iTunes Store eingeleitet. Überprüft wird, ob Apple Labels unter Druck gesetzt hat, seinem Konkurrenten Amazon keine exklusiven Vorabdeals bei Neuerscheinungen anzubieten und die teilweise billigeren Preise bei Amazon zu unterbinden, berichtet die New York Times. Basis für die Voruntersuchung der Kartellbehörde ist ein Bericht im Branchenblatt Billboard, wonach Amazon Exklusivvereinbarungen über die Promotion neuer Titel treffen wollte. Apple soll Anbieter aufgefordert haben, davon Abstand zu nehmen, widrigenfalls würde sie ihr Marketing nicht unterstützen.

Beobachtung

Apple wird aufgrund seiner dominanten Stellung bei Musik, aber auch in anderen Bereichen, zunehmend genauer auf die Finger geschaut. In Europa ermittelte die EU-Kommission hinsichtlich der unterschiedlichen Preise für Titel in unterschiedlichen Ländern; allerdings galten dabei die Labels als potenziell Beschuldigte. In den USA hält iTunes 69 Prozent Marktanteil bei Downloads, Amazon acht Prozent. Auch in den meisten anderen Märkten ist Apple Marktführer, international der größte Musikhändler der Welt.

Kritik

Auf dem Prüfstand der FTC (Federal Trade Commission) steht eine andere Kritik an Apple, nämlich Adobes Multimedia-Technologie Flash auf dem iPhone und dem iPad nicht zuzulassen. Allerdings hat Apple auf dem Smartphone-Markt keine nach Zahlen dominante Stellung, und das iPad ist derzeit zwar ein Markt für sich, aber ein Minderheitenprodukt.

iPads für Parlament

Künftig sollen übrigens alle 736 Abgeordneten des EU-Parlaments mit iPads ausgestattet werden, damit sie sich "besser vernetzen können" berichtet die Londoner Times. Fünf Mio. Euro sollen dafür zur Verfügung stehen. Die Abgeordneten haben erst vor kurzem HP-Notebooks bekommen.
Foxconn-Untersuchung

Im Konflikt

Bei einem anderen Konfliktfeld hat Apple Untersuchungen angekündigt: Es will eine Welle von Suiziden bei seinem taiwanischen Hersteller Foxconn aufklären. Diese werden von Arbeitsrechtsorganisationen auf schlechte Arbeitsbedingungen zurückgeführt. Der Fertiger, der in Werken in China 800.000 Mitarbeiter beschäftigt, lässt die Mitarbeiter jetzt Erklärungen unterfertigen, "dass sie sich niemals in einer extremen Form verletzen" werden, und Foxconn erlauben, sie allenfalls in die Psychiatrie einzuliefern. Foxconn ist der größte Elektronikfertiger der Welt und bedient fast alle Marken, auch Dell und HP. Auch HP verspricht Untersuchungen. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 27. Mai 2010)

  • Apples iTunes als größtes Musikgeschäft der Welt.
    foto: apple

    Apples iTunes als größtes Musikgeschäft der Welt.

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