Marine trainiert U-Boot-Abwehr

27. Mai 2010, 18:18
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Seemanöver vor der Westküste - Nordkorea kündigt Sicherheitspakt mit Süden auf

Seoul - Die südkoreanische Marine hat ein Seemanöver abgehalten und damit im Konflikt mit Nordkorea militärische Stärke demonstriert. Die Übungen zur U-Boot-Abwehr fanden am Donnerstag allerdings weitab von der innerkoreanischen Seegrenze vor der Westküste statt, wo das südkoreanische Kriegsschiff "Cheonan" vor zwei Monaten gesunken war. Südkorea macht Nordkorea für den Schiffsuntergang verantwortlich, bei dem 46 Marinesoldaten getötet worden waren.

Wasserbomben und Artillerie

An dem eintägigen Seemanöver vor der rund 150 Kilometer südwestlich von Seoul gelegenen Küstenstadt Taenan beteiligten sich zehn Kriegsschiffe, darunter ein 3000-Tonnen-Zerstörer, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Es sollten Wasserbomben und Marinegeschütze getestet werden.

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben sich seit der Veröffentlichung eines Untersuchungsberichtes zum Schiffsuntergang vor einer Woche deutlich zugespitzt. Den Ermittlern zufolge sank die "Cheonan" infolge eines nordkoreanischen Torpedo-Angriffs.

Südkorea beschloss daraufhin Strafmaßnahmen gegen Nordkorea, darunter einen Handelsstopp und die Wiederaufnahme der "psychologischen Kriegsführung" in Form von Propagandasendungen. Die USA unterstützen Seouls Absicht, auch den Weltsicherheitsrat einzuschalten.

Nordkorea kündigt Sicherheitspakt mit Süden auf

In den bilateralen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea seien zehn Jahre an Aufbauarbeit in den Boden gestampft worden, ließ der Stabschef der nordkoreanischen Armee verlauten. Dementsprechend kündigte Nordkorea am Donnerstag sein bilaterales Abkommen zur Koordination der Militärmanöver auf, das ungewollte Zwischenfälle verhindern soll. Der Konflikt begann vor einigen Wochen mit dem Sinken eines südkoreanischen Kriegsschiffes. Ermittler vermuten, dass ein nordkoreanischer Torpedo das Schiff zerstörte.

Der Norden droht nun erneut damit, Südkoreanern keinen Zutritt zum gemeinsamen Industriekomplex in der nordkoreanischen Sonderwirtschaftszone Kaesong zu gewähren. Auch zeigte sich das Regime in Pjöngjang verärgert über Propagandabotschaften, mit denen Südkorea per Lautsprecherdurchsage im Grenzgebiet versucht, nordkoreanische Soldaten zum Desertieren zu bewegen.

Indessen zieht der Konflikt weltpolitisch Kreise. Am Mittwoch reiste die US-Außenministerin Hillary Clinton zu Gesprächen nach Seoul, um die Regierung zu einem weniger konfrontativen Kurs gegenüber dem Nachbarstaat zu bewegen. Zuvor hatten die USA in informellen Gesprächen auf die chinesische Führung eingewirkt, um diese dazu zu bringen, Druck auf das Regime in Nordkorea auszuüben.China gilt als einer der wenigen internationalen Verbündeten Nordkoreas und hat laut Einschätzung von vielen Beobachtern erheblichen Einfluss auf die Staatsführung unter Diktator Kim Jong-il.

Moskau mischt mit

In einem für Beobachter überraschenden Schritt kündigte Russland am Donnerstag an, mehrere Flotten zu Marineübungen vor der Küste Nordkoreas auszuschicken. Die Militärführung dementierte jedoch einen Zusammenhang mit dem Konflikt der beiden Staaten."Die Übung ist seit langem geplant" , sagte eine Marinesprecherin in Moskau. Der Kreml fordert eine genauere Untersuchung des mittlerweile gehobenen südkoreanischen Zerstörers, der als Auslöser für den Konflikt gilt. Nächste Woche soll ein russischer Experte nach Südkorea fliegen, um die Überreste des Schiffes zu untersuchen.

Auch die USA wollen "in der nahen Zukunft" - gemeinsam mit der südkoreanischen Marine - Übungen vor der koreanischen Küste abhalten. (Reuters, AFP/DER STANDARD, Printausgabe, 28.5.2010)

  • Wasserbombe detoniert hinter der südkoreanischen Korvette "Jinhae"
    foto: epa/yonhap

    Wasserbombe detoniert hinter der südkoreanischen Korvette "Jinhae"

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