Tierschützer als Tierquäler

26. Mai 2010, 21:59
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Tiere hätten bei Schweine- und Nerzbefreiungen gelitten

Wiener Neustadt - Die Befreiung aus unangenehmer Einsperrung habe den Befreiten nichts gebracht - im Gegenteil, sie hätten darunter gelitten: Zu diesem Schluss konnte kommen, wer am Mittwoch, dem 28. Verhandlungstag im Tierschützerprozess, den Aussagen eines Schweinemästerers und eines ehemaligen Nerzfarmbetreibers zuhörte.

Freisetzung von rund 400 Schweinen

Mehr noch: Die clandestine Freisetzung von rund 400 Schweinen aus dem Bad Fischauer Betrieb von Michael A. in der Nacht von 30. auf 31. März 2008 soll den Tatbestand der Tierquälerei nach Paragraf 222 StGB erfüllt haben. Zur Last wird sie dem Drittangeklagten Jürgen Faulmann gelegt, der jedoch nur einmal an dem außerhalb des Ortsgebiets befindlichen Stall vorbeigeradelt sein und durch eine offene Tür hineingeblickt haben will.

Tote und Verletzte

"Drei Ferkel von je rund 30 Kilo waren tot, etliche andere Tiere an Klauen und Beinen verletzt. Trotz der offenen Türen waren die meisten Schweine im Stall bei den Fütterungsapparaten geblieben. Dort haben sich 150-Kilo-Tiere im Gang vor dem Kammern mit den Haltungsbuchten in Dreierreihen gedrängt. Die Zwischenwände waren von den Eindringlingen entfernt worden." So beschrieb A. das Bild, das sich ihm am Morgen nach der Aktion bot.

Tierarztkosten

Drei Stunden hätten er und sein Bruder gebraucht, um die Tiere wieder wie gewohnt hinter Schloss und Riegel zu bringen. Insgesamt habe die Schweinebefreiung einen Schaden von 5000 Euro angerichtet, darunter "Tierarztkosten, weil eine Reihe Tiere nachher gehumpelt ist". Eine Aussage, die Angeklagter Faulmann so nicht stehen lassen wollte: Fotos würden beweisen, dass sich die in Massenhaltung zusammengepferchten Tiere schon vor der Aktion untereinander angebissen und zu Tode gedrängt hätten. Nicht die Befreiung, sondern Haltebedingungen wie diese seien daran schuld.

"Überfahren oder verhungert"

Enge Käfige und zu wenig Platz pro Tier gab es auch in der Heidenreichsteiner Nerzfarm von Günter P. Dreimal drangen dort nichtidentifizierte Tierschützer im Zuge der 1990er-Jahre ein und schnitten die Käfiggitter auf. Ein Großteil der entkommenen Tiere sei wohl "überfahren worden oder verhungert", sagte P. Die Nerzfarm musste er infolge der strengeren Tierschutzbestimmungen 1998 schließen. Jetzt führt er im nahen Tschechien ein derartiges Unternehmen.

Der Prozess gegen 13 Tierschützer wird Donnerstag fortgesetzt.(Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 27.5.2010)

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