Expertengruppe soll Kostenexplosion bei ITER klären

26. Mai 2010, 19:28
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Einigung über Kostenaufstockung gescheitert

Brüssel - Wegen der 300-prozentigen Kostensteigerung beim geplanten Kernfusionsreaktor ITER in Südfrankreich haben die EU-Forschungsminister eine Expertengruppe eingesetzt. Sie soll einen "nachhaltigen Finanzierungsplan" für das Projekt erstellen, sagte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl nach Beratungen mit ihren EU-Kollegen am Mittwoch in Brüssel. Eine Einigung über eine weitere Kostenaufstockung der EU sei gescheitert.

Ein Ausstieg aus dem ITER-Projekt kommt für die EU laut Karl nicht infrage. "Es gab Konsens zu dem Projekt." Der Fusionsreaktor sei für die Grundlagenforschung und für die künftige Energieversorgung wichtig. Die Ministerin hält es aber für "wahrscheinlich", dass der internationale ITER-Rat nicht mehr wie geplant am 17. Juni stattfindet. Karl bezweifelte, dass die Europäer auf Grundlage der Expertengruppe so rasch zu einem gemeinsamen Vorschlag kommen würden.

Zahlen und Ziele

Die Gesamtkosten für ITER belaufen sich nach Angaben von EU-Diplomaten mittlerweile auf geschätzte 15 bis 16 Milliarden Euro. Die Europäer leisten mit 7,2 Milliarden den größten Anteil, ursprünglich waren für Europa nur 2,5 Milliarden veranschlagt. Allein bis 2013 fehlen 1,4 Milliarden Euro, die aus dem EU-Haushalt umgeschichtet werden müssten. Karl ließ offen, woher das Geld kommen sollte und verwies auf die Expertengruppe. Nach Angaben von EU-Diplomaten drängten Frankreich, Italien und die Niederlande auf einen Sonderministerrat der EU-Forschungsminister vor dem internationalen ITER-Treffen am 17. Juni.

Anlässlich des EU-Wettbewerbsrates hat Karl auch ein neues Ziel für die Steigerung der österreichischen Forschungsausgaben formuliert: Bis 2020 soll der Anteil der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 3,76 Prozent gesteigert werden - genau ein Prozentpunkt mehr als derzeit. Dieses Ziel sei "sehr ambitioniert", Österreich liege damit deutlich über dem EU-Ziel von drei Prozent bis 2020. Es sei aber aus heutiger Sicht möglich, notwendig dafür sei "eine gemeinsame Kraftanstrengung und ein Mix aus öffentlichen und privaten Mittel". Das ursprünglich Ziel, die Forschungsquote bis 2010 auf drei Prozent zu heben, hat Österreich mit den für das laufende Jahr geschätzten 2,76 Prozent verfehlt. (APA)

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