Finanzaufsicht gegen Alleingänge bei Regulierung

26. Mai 2010, 18:21
posten

Die österreichische Finanzaufsicht will Fremdwährungskredite eindämmen - Ein De-facto-Verbot in Österreich soll aber aus Rücksicht auf den Bankenwettbewerb nicht auf Osteuropa ausgedehnt werden

Wien - Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) hat erneut eindringlich vor den Risiken von Fremdwährungskrediten gewarnt. Die FMA legt allen Banken seit Ende 2008 nahe, Fremdwährungsdarlehen nur mehr in Ausnahmefällen zu vergeben. Wegen der langen Vertragslaufzeiten geht das Volumen der Devisendarlehen aber nur schleppend zurück.

So waren Ende 2009 in Österreich Fremdwährungskredite in Höhe von 52,3 Milliarden Euro ausständig. Das waren nur um 1,6 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2008. Aufgrund der Risiken hält die Aufsicht eine weitere deutliche Reduzierung für notwendig, so die FMA-Vorstände Kurt Pribil und Helmut Ettl am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz der FMA.

Während die Aufsicht in Österreich klare Empfehlungen gegen Devisendarlehen ausspricht, verlangt sie von den Banken im Ausland keine ähnliche Zurückhaltung. Anfang des Jahres hat die FMA den österreichischen Banken nahegelegt, im Osten künftig Konsumkredite (etwa für ein Auto oder einen Kühlschrank) nicht in Fremdwährungen zu vergeben. Allerdings soll dies laut FMA nur gelten, wenn in dem betreffenden Land auch die restlichen Banken keine Fremdwährungskredite an Konsumenten vergeben.

Den Experten der Osteuropabank EBRD geht die Initiative der FMA ohnehin nicht weit genug. Auf lange Sicht soll in Osteuropa einen Fremdwährungskredit nur mehr bekommen, wer sein Einkommen in fremder Währung bezieht, fordert die EBRD. Kritik an Österreich gab es aber auch aus Ungarn: Die Nationalbank in Budapest hätte sich gewünscht, dass die in Österreich geltenden strengeren Regelungen für Devisendarlehen auch auf Tochterbanken von Erste, Raiffeisen und Bank Austria ausgedehnt werden.

Die FMA will die weitere Begrenzung der Fremdwährungskredite vorantreiben, aber nur im internationalen Rahmen. Durch einen Alleingang Österreichs könnten den Banken Wettbewerbsnachteile drohen, sagte Ettl.

Für striktere Regeln aber gegen einen Alleingang plädiert die FMA auch bei der Eindämmung von Spekulationsgeschäften. Das vergangene Woche überraschend verhängte Verbot bestimmter ungedeckter Leerverkäufe in Deutschland "habe wichtige Diskussionen angestoßen, wir bevorzugen aber den europäischen Weg" , sagte FMA-Chef Pribil. Auf EU-Ebene gehe die Tendenz in Richtung Schaffung von mehr Transparenz. Ungedeckte Leerverkäufe, bei denen Aktien veräußert werden, die man nicht besitzt, sollen beispielsweise veröffentlichungspflichtig werden.

Die FMA machte auch deutlich, dass sie den Verkauf der Volksbank AG (ÖVAG) an einen internationalen Investor oder sonstigen Partner bevorzugt. Zuletzt hatte die stark defizitäre ÖVAG ja angedeutet, dass sie einen Alleingang für machbar hielte. (szi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.5.2010)

Share if you care.