Wahlen in Äthiopien

Mund auf, Geldhahn zu

26. Mai 2010, 18:19

Diesmal hatte die Demokratie gar nicht erst den Hauch einer Chance - von Marc Engelhardt

Vor fünf Jahren hätte beinahe die Demokratie in Äthiopien Einzug gehalten. Den Überraschungserfolg der Opposition konnte die Regierung von Äthiopiens Premier Meles Zenawi damals nur niederschlagen, indem Sicherheitskräfte fast 200 Oppositionsanhänger erschossen und hunderte weitere auf Lastwagen in Lager abtransportierten. Oppositionschefs wurden unter fadenscheinigen Gründen verhaftet und erst freigelassen, nachdem sie sich verpflichtet hatten, nie wieder politisch aktiv zu werden. Andere sind heute noch in Haft oder im Exil.

Diesmal hatte die Demokratie gar nicht erst den Hauch einer Chance. Dafür hat Zenawis Regierung in den vergangenen fünf Jahren gesorgt. Selbst den Anschein demokratischen Gebarens ließ der einstige Liebling des Westens inzwischen vermissen. NGOs wurden gegängelt, Journalisten verhaftet. Die letzten Oppositionsanhänger müssen fürchten, jederzeit als "Terroristen" verhaftet zu werden.

Die USA und die EU, die den Staat jährlich mit einer Milliarde Dollar finanzieren, sahen tatenlos zu, wie Zenawi seinen "Sieg" auf diese Weise systematisch vorbereitete. Niemand protestierte, niemand kürzte die Zuschüsse. Die dreiste Fälschung des Wahlergebnisses ist die logische Konsequenz aus dieser Tatenlosigkeit. Wenn in Äthiopien nicht bald Verhältnisse wie in Eritrea oder Nordkorea herrschen sollen, muss der Westen schleunigst den Mund auf- und das Portemonnaie zumachen. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2010)

wasndas
 
00
31.5.2010, 13:41

Ohne jetzt Zenawi schützen zu wollen...

Die EU und die USA sehen in Zenawi halt das kleinere Übel. Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat und ein Entwicklungsland in dem sich trotz der immer noch starken Armut in den letzten Jahren vieles enorm verbessert hat-mit Geldern der EU, USA usw.

squarespiral
02
27.5.2010, 09:27
Zutreffend

War Anfang des Jahres ein paar Wochen dort und habe mit vielen Leuten gesprochen. Schon damals haben mir viele gesagt, dass sich die herrschende Partei nicht wie beim letzten mal auf dem falschen Fuß erwischen lassen wird und das Ergebnis ziemlich genau vorhergesagt.
Viele haben mir erzählt, dass man schwer Jobs bekommt, wenn man nicht bei der Partei ist und praktisch nicht vorwärts kommt, wenn man das Glück hat Arbeit zu haben. Und einer war auch dabei der mir glaubhaft (habe ich überprüft via externe Quelle) von seiner 2 Monate dauernden Haft erzählt hat, weil er es gewagt hat öffentlich gegen eine Entscheidung der Regierungspartei öffentlich aufzutreten.
Die Wahl war alles andere als demokratisch.

kartini
01
26.5.2010, 21:26
Leider nur allzu wahr

Und auch Österreich macht zu den politischen Willkürakten nicht einmal eine böse Miene, sondert wirft Zenawi weiterhin Geld in den Rachen.

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