Josef Pröll besucht Israel

26. Mai 2010, 18:12
88 Postings

Vizekanzler Pröll zeigt sich tief beeindruckt von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem – und er empfiehlt insbesondere Politikern der FPÖ einen Besuch dieses Museums

Jerusalem - "Wenn ich in Jerusalem bin, dann bin ich aufgewühlt", sagt Ariel Muzicant. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien steht auf der Terrasse des King David Hotel in Jerusalem, blickt auf die Stadt und ist aufgewühlt. Muzicant begleitet Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (VP) bei seinem Israel-Besuch, so wie er bereits Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Michael Spindelegger (VP) begleitet hat. In vier Wochen wird er Bundeskanzler Werner Faymann (SP) begleiten, dann wird er wieder in Jerusalem stehen und aufgewühlt sein. "Diese Stadt ist eine sehr emotionale Angelegenheit", sagt Muzicant.

"Eigentlich", sagt Muzicant, "sind das hier bereits 'Gebiete'", und er zeigt auf einen Baukran. "Eigentlich dürfte hier nicht gebaut werden." Und die Shopping-Mall, die erst vor einem Jahr errichtet wurde, liegt auch in den "Gebieten". "Eigentlich", sagt Muzicant, "müsste das den Palästinensern zurückgegeben werden." Muzicant: "Ich will hier keine Politik machen, aber das ist absurd."

Josef Pröll ist drei Tage in Israel unterwegs. Mittwochfrüh traf er Staatspräsident Shimon Peres, am Abend zuvor seinen israelischen Amtskollegen Finanzminister Yuval Steinitz - den er nicht von den Vorteilen des Euro überzeugen konnte. Die Frage der Krisenbewältigung und die Instabilität der Finanzmärkte zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche.

Die Israelis erwarten heuer ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent, was Pröll nicht so ganz glauben will. Was das österreichische Budget vom israelischen unterscheidet: Sind die Kostentreiber in Österreich Pensionen und Gesundheit, ist es in Israel die Sicherheit, die innere und die äußere. "Eine ganz, ganz klare Prioritätensetzung", befindet Pröll.

Um elf Uhr heulen die Sirenen, es ist eine landesweite Zivilschutzübung. Das Szenario: ein Raketenangriff, ein Hagel aus dem Gazastreifen und dem Libanon. "Die Leute gehen von einem Kriegszustand im Sommer aus", sagt Ariel Muzicant.

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die österreichische Delegation in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und setzt sich mit der "Dehumanisierung" auseinander. Immer wieder unterbricht Muzicant die Mitarbeiterin von Yad Vashem, die durch die Ausstellung leitet, macht auf österreichische Aspekte aufmerksam, zeigt auf Bilder, auf Dokumente aus Wien. In der "Halle der Erinnerung" gedenkt Vizekanzler Pröll der Opfer des Holocaust, legt einen Kranz nieder.

Verworrene Geschichtsbilder

"Ich bin extrem mitgenommen von den Eindrücken", sagt er dann, "noch nie habe ich bei einem Besuch einer Gedenkstätte derart tiefe Empfindungen gehabt." Er sei auch schon in Auschwitz gewesen, aber Yad Vashem habe sich richtig tief eingegraben. Pröll: "Politiker sollten stärker angehalten werden, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen." Da fallen ihm Barbara Rosenkranz, Martin Graf und andere FPÖ-Politiker ein. "Ein Besuch hier täte solchen Personen zur Klärung ihrer verworrenen Geschichtsbilder gut."

Josef Pröll gedachte auch des Geburtstags von Theodor Herzl, dem Begründer des politischen Zionismus. Auch an dessen Grab, gelegen am höchsten Punkt in der Umgebung von Israel, legte Pröll einen Kranz nieder.

Am Abend Kontrastprogramm: Botschafter Michael Rendi lädt zu einem "Red-White-Clubbing" in die Residenz. 500 junge Israelis sollen kommen, mit österreichischen Wurzeln, mit Interesse an Österreich oder einfach nur aus Interesse am Party-Feiern und der Musik. Aus Österreich wurde eine DJane eingeflogen, Electric Indigo legt auf, und das poppige Motto des Abends lautet: "150. Geburtstag von Theodor Herzl". (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2010)

  • Pröll bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
    foto: photonews.at/georges schneider

    Pröll bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Share if you care.