Lateinamerika wehrt sich gegen Macht der Banden

26. Mai 2010, 17:40
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    foto: ap/mora

    Ein Soldat in Kolumbien bewacht 20 Tonnen in Bündel verpacktes Marihuana, welches die Polizei bei Razzien sicherstellte.

Das Beispiel Jamaika zeigt: Der Drogenhandel in Lateinamerika und der Karibik hat sich globalisiert

Mexiko und andere Länder sind gezwungen, mit den Kartellen um die Macht im Staat zu kämpfen.

*****

Kingston/Bogotá/Wien - Mehr als 40 Menschen, zumeist jugendliche Söldner der Drogenbarone, ließen seit Sonntag in Jamaikas Hauptstadt Kingston ihr Leben. Viele davon kämpfen aus Überzeugung für ihren oberstenAnführer, Drogenzar Christopher "Dudus" Coke. Jamaikas Premier Bruce Golding hat nun versprochen, die Ordnung in Kingston wiederherzustellen. Doch bei vielen Anwohner stößt das auf wenig Sympathie.

Denn die Drogenmafia geriert sich in Kingston als Wohltäter, der in den armen Vororten der Karibikmetropole eine Art soziales Netz aufgebaut hat. Sie tritt damit in Konkurrenz zum Staat, der unter Druck des Internationalen Währungsfonds steht, seine Kreditraten zu bezahlen, und sparen muss. Der Regierung fehlen die Mittel, um den Banden Konkurrenz zu machen.

Die Anhänger von "Dudus" dürfen für Alltägliches - wie Arztbesuche und Mietschulden - auf finanzielle Unterstützung hoffen.Das Geschäftsnetzwerk der Mafia reicht von den südamerikanischen Kokainproduzenten bis direkt zu den Abnehmern der Drogen in den USA, wo Exil-Jamaikaner den Vertrieb übernehmen.

Das Modell des Drogenbosses als Sozialfürsorge und als politischer Akteur gibt es auch in anderen Staaten der Region. Bereits der legendäre kolumbianische Kartellführer Pablo Escobar finanzierte Sozialbauten am Sitz seiner Zentrale in Medellín, und saß 1982 sogar zeitweilig als Abgeordneter imKongress.

Kolumbien führt seit Jahrzehnten einen Bürgerkrieg gegen rechte Paramilitärs sowie die linke Farc-Guerilla, die sich durch Drogenhandel finanzieren. Trotz harten Durchgreifens der Regierung von Präsident Álvaro Uribe und der Unterstützung der US-Regierung, die Militärbasen im Land unterhält, war Kolumbien im Jahr 2009 laut Angabe des Uno-Drogenbüros noch immer der größte Kokainproduzent der Welt.

Die Farc hat zwar vieles an Zuspruch innerhalb der Bevölkerung verloren. Ihre finanzielle Stärke verleiht ihr jedoch politisches Gewicht. Noch immer hoffen die Rebellen darauf, nach Kolumbiens Präsidentenwahl am 30. Mai in Verhandlungen mit der neuen Regierung auch formelle Gewalt in der Form von Autonomierechten zu gewinnen. Auch gibt es immer wieder Berichte über angebliche Verbindungen der Farc zu Venezuelas linksgerichtetem Präsident Hugo Chávez.

Die meisten Opfer forderte bisher aber der Konflikt von Mexikos Regierung mit den Drogenbanden. Allein in diesem Jahr wurden über 4000 Menschen in Feuergefechten und durch Attentate getötet.

Verheerend sind auch die Auswirkungen auf den mexikanischen Rechtsstaat. Erst am Montag wurden 600 Polizisten in der Provinzstadt Monterrey wegen Verdachts auf Beteiligung am Drogenhandel vorübergehend interniert. "Die Banden bedrohen jegliche Autorität der Behörden in meinem Land", warnte Mexikos Präsident Felipe Calderón. (Alexander Fanta/DER STANDARD, Printausgabe, 27.5.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
1 2
dr. kokos
 
01
nix umverteilung, nix robin hood


drogenhandel ist in den amerikas einfach nur eine der leichtesten arten, an geld zu kommen. aber warum ist das so, das ist doch die frage!

durch eine falsche drogenpolitik, lautet die antwort. diese substanzen sind kaum gefährlicher als einige von denen, die erlaubt sind. man hätte sie niemals verbieten dürfen, dann wäre es nie so weit gekommen, dass eine derartige parallelwelt entsteht. heute ist der drogenhandel so bedeutend wie der welthandel mit erdöl (!) und es ist eigentlich schon lange zu spät, dagegen noch erfolgreich etwas tun zu können. trotz illegalität ist es ein funktionierender markt mit angebot und nachfrage.

wer am wenigsten für eine legalisierung ist, das sind übrigens die großen mafiabosse.

denkt darüber nach!

hotzenplotz1001
41
27.5.2010, 14:46
Umverteilung: Drogenhandel ist zu einem beträchtlichen Teil der Versuch der Armen, finanzielle Gerechtigkeit zu schaffen.

Solange die westlich Vormacht Arme ausbeutet, wird es deshalb Drogenhandel geben. Gleichheit beseitigt die Attraktivität des Drogenhandels.

Chakachaka
00
28.5.2010, 19:07
so ein blödsinn

das sowas in diesem forum geschrieben werden kann

Timagoras
 
10
27.5.2010, 16:40
"der Versuch der Armen, finanzielle Gerechtigkeit zu schaffen"


stimmt!
drogenbosse und -barone sind nichts anderes als arme unterdrückte menschen, die à la Robin Hood versuchen, "finanzielle Gerechtigkeit zu schaffen".

und wenn Sie von Gerichten oder Behörden der USA verfolgt werden, dann sind sie dazu noch antiimperialistische freiheitskämpfer, aufrechte revolutionäre und mutige helden.

genau!


hotzenplotz1001
00
27.5.2010, 16:53
Wie im legalen Bereich sind es nur wenige, die sich gesundstoßen. Drogenbosse gibt es verhältniswenig wenige.

Reiche sind in dem Geschäft die Ausnahmen, wie in jedem anderen Geschäft auch. Die meisten, die vom Drogenhandel leben, sind arm, so arm, dass sie das enorme Risiko auf sich nehmen müssen, weil sie in vielen Fällen sonst keine andere Chance zu überleben haben. Glauben Sie, dass die Menschen, die sich in Kingston für ihren Capo Coke erschießen ließen, reich waren? Glauben Sie hätten sich erschießen lassen, wenn sie andere Einkommensmöglichkeiten hätten. Glauben Sie, dass die Straßendealer hier oder in den Favelas von Rio Millionäre sind?

Timagoras
 
00
27.5.2010, 18:12
"Drogenbosse gibt es verhältniswenig wenige"


aber um genau so einen geht's hier.

also?

und Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber es gibt tatsächlich etliche durch drogenhandel reichgewordene (Riais-)millionäre in den favelas von Rio.

und wie gesagt: für mich sind das keine sozialrevolutionäre, die nur versuchen, "den Armen, finanzielle Gerechtigkeit zu verschaffen", sondern schlicht und einfach mafiabosse und schwerverbrecher.
ich tu mich halt ein bisserl schwerer mit derartiger verharmlosung, glorifizierung oder gar heldenverehrung - tut mir leid .....

hotzenplotz1001
00
27.5.2010, 22:23
Bilden Sie sich weiter: Lesen Sie Berndt Georg Thamm. Er veröffentlicht im Verlag Deutsche Polizeiliterartur.

Er hat einiges zu dem Thema verfasst.

hotzenplotz1001
00
27.5.2010, 21:35
Das klingt so platt, wie vieles nach dem Motto: Ich bin für das Gute und gegen das Böse. Ich tu mir schwer mit Menschen, die so viel moralisieren wie Sie.

Wer nicht erkennt, welche Mechanismen in der kriminellen Marktwirtschaft wirken, wird sich nur aufplustern können wie ein Pfau, aber keine substanziellen Lösungsansätze hervorbringen. Wirtschaft funktioniert anders, als sie glauben.

Timagoras
 
00
28.5.2010, 00:35
"Ich tu mir schwer mit Menschen, die so viel moralisieren wie Sie."


da haben Sie erstmals ins schwarze getroffen.
ich bin in der tat ein "moralist"
http://de.wikipedia.org/wiki/Fran... Moralisten

und dass Sie sich damit schwer tun, ist nun wirklich nicht mein, sondern Ihr problem ;o)


ps: danke für die aufforderung zur weiterbildung, aber ich behalte mir vor, diese weiterbildung eigenständig zu betreiben, und nicht leuten wie Ihrem Berndt Georg Thamm anheimzustellen, die von islamistischen weltverschörungen faseln, und sich für den einsatz der folter bei polizeilichen vernehmungen stark machen!


hotzenplotz1001
00
30.5.2010, 20:51
Its the economy, stupid!

Timagoras
 
00
31.5.2010, 02:04
"Its the economy, stupid!"


und was hat die economy mit Ihrem verschwörungstheoretiker zu tun, der sich für den einsatz der folter bei polizeilichen vernehmungen stark machte und den Sie mir anempfohlen haben?

hotzenplotz1001
00
31.5.2010, 09:12
Thamm wendet sich hier gegen grausame und unmenschliche Behandlung, wie sich auch die Anti-Folter-Konvention verbietet.

Es ist richtig, dass er sich davor für eine Diskussion über Folter ausgesprochen hat. Wenn Sie schreiben, dass er sich für Folter eingesetzt hätte, ist dies unrichtig.
All dies handelt jedoch nicht vom Drogenhandel und dessen wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung. Nur dagegen zu sein, reicht nicht. Wir müssen uns dem Thema mit Sachverstand und Intelligenz nähern. Ich denke, darauf können wir uns einigen.

Timagoras
 
00
"Wir müssen uns dem Thema mit Sachverstand und Intelligenz nähern. Ich denke, darauf können wir uns einigen."


wenn Sie mir gestatten, dass ich bei meiner "weiterbildung" auf die von Ihnen empfohlenen anti-islamischen (oder sonstiger aniti-...) verschwörungstheoretiker und polizeifolterbefürworter verzichte, dann können wir uns vielleicht (zumindest diesbezüglich) einigen ;o)

hotzenplotz1001
00
31.5.2010, 08:49
Sie müssen etwas missverstanden haben oder behaupten absichtlich etwa Falsches. Lesen Sie genauer nach.

insertnamehere
 
11
27.5.2010, 15:43
Daher auch das geflügelte Wort "Arm wie ein Drogenhändler".

dajonny
13
27.5.2010, 15:04

Mhhmmm - den Drogenbaronen geht es um finanzielle Gerechtigkeit, jaja, schon klar...

hotzenplotz1001
00
27.5.2010, 17:44
Versuchen Sie weniger polemisch zu sein.

Sehen Sie der Realität ins Auge:
http://www.imdb.com/video/wab... 493631513/

Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, gut oder böse.
Drogenboss Coke ist sicher kein ehrlicher Wohltäter. Aber er kann sich als Verbrecher offenbar immer noch mehr Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Armut verschaffen als die eigene jamaikanische Regierung. Wie schlecht muss es da den Menschen gehen? Setzen Sie sich einmal im Straflandesgericht in die Prozesse, bei denen Fälle nach dem Suchtmittelgesetz verhandelt werden. - Sie werden erkennen: Reiche Dealer sind sehr selten. Diese vielen Prozesse gegen Kleindealer stehen nicht in der Zeitung, weil sie den Reportern unwichtig erscheinen. Aber die machen die Masse aus.

Hustler
00
27.5.2010, 13:24
Filmtipp: How Weed Won the West (2010)

Über Medical Marijuana in den USA.

Roter Baron
11
27.5.2010, 12:48
die haben aber ihr zeug schön verpackt

liegematten für GIs als
bööhöhöses haschisch zu verkaufen
ist echt lustig.


roter baron

max 1231
 
211
27.5.2010, 09:43
Es zeigt wieder exemplarisch die unfähigkeit westlicher politiker probleme zu lösen nach dem motto aufschieben usw. kennen wir ja. der witz ist das etwa

80% des sogenannten drogenkonsums sich auf hasch in verschieden formen beschränkt, wobei das kraut wie ein jeder weiss unschädlich ist verglichen mal mit alkohol, also warum wird es nicht legalisiert ? hier kommen wieder die amis rein (wie üblich wenns unsinn gibt) es waren die amis die es durchgesetzt hatten hanf zu kriminalisieren um dupont den weg für die kunstfasern zu ebnen, hanffasern hatten die dominanz bis dahin. es gibt offensichtlich nach wie vor politische blockaden verschiedener wirtschaftkreise bei den amis gegen hanf, jedoch ohne den ami anfang kann das nur schwer durchgesetzt werden, der obama könnte sich hier ein denkmal schaffen und zugleich das banditenproblem in mexiko lösen, die finanzieren sich primär aus hasch....

ravenna
10
27.5.2010, 16:47
"wie ein jeder weiß"

Also nach dem, was man z.B. auch hier im Standard oder anderen gängigen Medien so lesen darf, kann man den Konsum von Haschisch auf keinen Fall so pauschal als "unschädlich, wie ein jeder weiß" bezeichnen.

Die Kommentare zur Ungefährlichkeit stammen üblicherweise von Konsumenten und Möchtegern-Konsumenten, während die Warnungen (nochmals Warnungen, keine pauschale Ablehnung von Haschisch) von Medizinern stammen. Wer ist da für einen Unbeteiligten glaubhafter?

Die Bewertung ist auf jeden Fall nicht eindeutig und Ihr "wie ein jeder weiß" damit ganz klar falsch.

max 1231
 
00
27.5.2010, 19:39
ok dann saufen sie sich doch mit bier, wein und schnaps zu

wenn sie dann ihre kaputte leber haben werden sie jammern. der bann vom hasch ist kein rationales sondern ein politisch / wirtschaftliches problem mit dem die amis versuchen wirtschaftliche interessen durchzusetzen und sonst gar nichts !

ravenna
00
27.5.2010, 22:19

Sie denken zuviel und es kommt dabei nichts Gescheites raus. Der Alkoholiker/Säufer sind wohl eher Sie.

Die "wirtschaftlichen Interessen" der USA an einem Haschisch-Verbot sind ja auch irgendwo zwischen lächerlich und traurig einzuordnen.

delysid
00
27.5.2010, 17:29

Möchtegern Konsumenten?

hotzenplotz1001
00
27.5.2010, 17:08
Das Schädlichste am Haschisch ist der Tabak, den man im Joint mitraucht.

Das Suchtpotential von Cannabis ist so hoch wie das von Kaffee oder Tee. Lesen Sie mehr Fachliteratur und weniger die Krone.

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