Brautmode ohne Klischees

26. Mai 2010, 16:55
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In der Nußdorferstrasse in Wien bietet Bülent Ödek angepasste Brautkonfektion an und entspricht dabei gar nicht dem Klischee des türkischen Brautmodeverkäufers

"Wir wollen keine Masse - weder an Kunden, noch an Stangenware", legt Bülent Ödek das Konzept seines Geschäfts "Marryland" dar. Auch auf breit gefächerte Werbung und Teilnahme an den großen Hochzeitsmessen verzichtet er. "Wir wollen unsere Klientel und das Geschäft so halten, wie es momentan ist, also nicht explodieren, wobei nicht zu wachsen auch eine Herausforderung ist", erzählt Ödek über seine Zukunftspläne, die Expansion nicht vorsehen.

Keine Stangenware

"Wir arbeiten hier im Grunde genommen nach dem Baukastenprinzip mit eigener Schnittkollektion und 1,5 Tonnen an Schnittmustern an", erklärt Ödek den Unterschied seines Angebots zu anderen Brautmodegeschäften. Die Kundin kann sich anhand der insgesamt 60 Musterkleider, die als Basismodelle dienen, ihr Brautkleid individuell zusammenstellen und dabei unterschiedliche Ober- und Unterteile nach Belieben miteinander kombinieren. Die Preise fangen ab 700 Euro aufwärts an, die Stoffe kommen aus Paris und Italien. Auch in der Türkei gibt es einen Händler, wo die von Ödek gelieferten Stoffe, versehen mit einem speziellen Eigendesign, gewebt werden. Wichtig ist Ödek die persönliche Beratung der Kundinnen: "Die Kundin soll nicht das Gefühl haben, dass wir auf Druck verkaufen, das Thema Hochzeit nicht als reine Geschäftemacherei gesehen wird."

Österreichische Klientel

Sehr selten kommen Türken oder Kurden ins Geschäft, "denn die wollen immer nur den Preis drücken, aber nicht nur der Kunde, auch wir sollen was davon haben", beschreibt Ödek die Geschäftsbeziehungen zu seinen "Landsleuten". Sein Konzept spreche diese Klientel nicht an: "Bei unseren Leuten ist es meistens so, dass nur die davon profitieren wollen, aber einem nichts vergönnen und sagen: Dann geh ich dorthin, wo es billiger ist. Qualität unterm Strich ist dann nichts wert." Überwiegend sind es österreichische Kunden, die bei ihm einkaufen.

Dabei kommt es schon vor, dass einige vom Nachnamen irritiert sind: "Manche Kunden sind verwundert, dass "Türken so was Schönes haben." Warum denkt man, dass ein Türke kein schönes Brautgeschäft führen kann? Weil es immer dieses Klischee gibt, dass Gastarbeiterkinder nichts können. Ich bin Österreicher mit türkischen Wurzeln, bei jedem anderen Brautgeschäft werden Verkäuferinnen oder Inhaber ja auch nicht nach ihrer Herkunft befragt", so Ödek. Seine Gattin werde manchmal sogar gefragt, warum sie kein Kopftuch tragen müsse.

Aber solche Fragen kommen nicht sehr oft vor. Ödek konzentriert sich lieber auf sein Geschäft und die Kundenberatung. Hin und wieder ist er auch bei den Kundengesprächen, die seine Gattin und die Verkäuferinnen führen, dabei. "Manche Kundinnen haben im ersten Moment Berührungsängste, aber dann fühlen sie sich wie beim Friseur, also gut aufgehoben bei mir. Viele mögen es auch von einem Mann betreut zu werden", so Ödek.

  • Eines der Musterkleider, das man nach Belieben kombinieren kann
    foto: güler alkan

    Eines der Musterkleider, das man nach Belieben kombinieren kann

  • Bei Marryland werden auch Ball- und Abendkleider angeboten
    foto: güler alkan

    Bei Marryland werden auch Ball- und Abendkleider angeboten

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