Online-Videos kein Sargnagel für Fernsehen

26. Mai 2010, 15:09
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Kabelbetreiber setzen auf HD und eigene Plattformen

Allen Unkenrufen zum Trotz wird sich klassisches Fernsehen auch in Zukunft gegen Online-Videoplattformen behaupten können. Zu diesem Schluss kam Mike Fries, CEO des Breitbandbetreibers Liberty Global, auf dem derzeit in Amsterdam stattfindenden World Congress of Information Technologies (WCIT2010). Vor allem Kabelbetreiber hätten es selber in der Hand, beim Sprung ins TV-Zeitalter 3.0 alles richtig zu machen.

Fernsehen erlebt Renaissance

"Wir erleben gerade die Renaissance des TV. Die Leute kaufen riesige Bildschirme und konsumieren begeistert HD und 3D-Programme", so Fries. Mit der Tochterfirma UPC  verfügt Liberty Global über 6,6 Mio. Kabel-TV-Kunden in Ländern wie Österreich, Holland und der Schweiz. Diesen will man bis Frühjahr kommenden Jahres eine neue Multimedia-Plattform anbieten, die als zentrale Schaltstelle für klassische TV-Inhalte, aber auch Online-Videos, Video-on-demand, soziale Netzwerke, Applikationen und Musik-Streaming dienen soll. Als Partner konnten Samsung und Intel gewonnen werden.

"Was wir gerade in jüngster Zeit bemerken, ist, dass die Bild- und Übertragungsqualität für Konsumenten immer wichtiger wird. Das Internet-Protokoll ist und war nicht für multiple Übertragungen von HD-Content ausgelegt. Zudem tun sich die Online-Videoplattformen schwer, mit den Entwicklungen und ständig wachsenden Anforderungen mitzuhalten", erklärt Fries.

Fehlendes Geschäftsmodell

Die Popularität von Online-Videos ist unbestritten groß. So wurden alleine im Dezember 2009 in den USA 33 Mrd. Videos online abgerufen. Doch bei der Ummünzung dieser Popularität in ein erfolgreiches Geschäftsmodell tut sich selbst YouTube bis heute schwer. "Ein Hauptproblem bleibt, dass Online-User nur eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne haben. Während Online-Videos einige Minuten fesseln, verbringen TV-Seher sieben Mal so viel Zeit vor dem Fernseher. Dazu kommt, dass gerade in Europa die Lizenzierungsfrage aufgrund der geographischen Fragmentierung enorm kompliziert ist", so der Liberty-Global-CEO.

Als Hürde zum TV-Zeitalter 3.0 gilt auch die heterogene Gerätelandschaft, mit der es User in immer stärkerem Ausmaß zu tun haben. Der Fernseher werde auch weiterhin eine zentrale Rolle im Medienkonsum spielen. Gleichzeitig würden sich Konsumenten auch danach sehnen, TV- und Medieninhalte plattformübergreifend auf ihren Smartphones, Tablets oder am eigenen Computer zu konsumieren. UPC plant laut Fries daher eine Lösung, die diese Anforderungen berücksichtigt. "Kunden sollen mehr Kontrolle darüber bekommen, auf welchem Gerät und zu welchem Zeitpunkt sie Medieninhalte abrufen können", so Fries. (pte)

 

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