Patienten zahlen ab Juni drauf

1. Juni 2010, 10:07

Was bedeutet ein "vertragsloser Zustand" für PatientInnen, die bei der SVA versichert sind? derStandard.at hat die wichtigsten Fragen beantwortet

Ab 1. Juni wird ein Teil von Österreichs PatientInnen zur Kasse gebeten werden, weil die Gespräche zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung gescheitert sind. derStandard.at fasst zusammen, was das für die Versicherten bedeutet.

Wer muss zahlen?

Leidtragende sind 410.000 Personen, die ausschließlich bei der Gewerbeversicherung (SVA) versichert sind und schon jetzt mit 20 Prozent Selbstbehalt belastet sind. Nicht betroffen sind freie Dienstnehmer, die bei anderen Kassen versichert sind. Die Betroffenen werden für die Behandlung bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten selbst bar bezahlen müssen. Erst nachträglich können die Rechnungen bei der SVA eingereicht werden. Rückerstattet werden höchstens 80 Prozent der Rechnungssumme. De facto werden die Versicherten aber noch weniger zurückbekommen, denn die Ärztekammer hat ihre Tarifempfehlungen für den vertragslosen Zustand bereits um 20 Prozent heraufgeschraubt.

Welche Ärzte sind betroffen?

Die Änderung betrifft Behandlungen bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten, nicht aber bei Zahnärzten, Physio-, Ergo- und Logotherapeuten, Instituten, Bandagisten und Apotheken. Auch Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen sind nicht betroffen. 

Gibt es eine soziale Abfederung? Was, wenn ich mir die Behandlung nicht leisten kann?

Sozial Bedürftige, etwa Personen mit Rezeptgebührenbefreiung, bekommen immerhin 100 Prozent des alten SVA-Tarifs zurück. Wer sich das Vorauszahlen beim Arzt nicht leisten kann, kann in ein Ambulatorium mit SVA-Vertrag ausweichen, sich von der Versicherung einen direkt verrechnenden Arzt nennen lassen oder aber einen Arztkostenvorschuss von 200 Euro pro Quartal beantragen. Wer auch noch bei einer anderen Kasse versichert ist, hat Glück gehabt, die Abrechnung erfolgt dann direkt über diesen Versicherungsträger. Allerdings sind die Ambulatorien eigentlich nur für Notfälle gedacht - Es könnte passieren, dass man trotz Überweisung von der Ambulanz abgewiesen wird, weil es sich nicht um einen Notfall handelt, als etwa dann, wenn man lediglich eine Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen will.

Gibt es Ärzte, die ihre Leistungen trotz vertragslosen Zustandes über die SVA abrechnen?

Die Ärzte können selbst entscheiden, ob sie weiterhin mit der SVA abrechnen möchten. Es ist keine vertragliche Festlegung dafür nötig. Die SVA empfiehlt deshalb, beim Arztbesuch nachzufragen, ob der jeweilige Arzt weiterhin mit der SVA zusammenarbeitet. Falls dem nicht so ist, wird auf Hotline 05 08 08 - 3000 verwiesen. Dort wird man informiert, wo man ärztliche Leistungen in der vertragsfreien Zeit beziehen kann, ohne selbst bezahlen zu müssen.

Eine öffentliche Liste mit Ärzten, die trotz vertraglosen Zustandes mit der SVA zusammenarbeiten, wurde entgegen ersten Ankündigen vorerst nicht veröffentlicht. Die SVA möchte die Daten vertraulich behandeln, denn die betroffenen Ärzte fürchten sich offenbar vor einem Ansturm.

Wenn ich keine Leistungen bekomme, kann ich dann einfach aus der Versicherung "aussteigen"?

Ein Ausstieg aus der Krankenversicherung ist für die Patienten nicht möglich. Sie müssen auf jeden Fall die vollen Versicherungsbeiträge weiter zahlen, auch wenn sie anteilsmäßig weniger als bisher zurückbekommen.

Wie lange wird der vertragslose Zustand andauern?

Das lässt sich schwer abschätzen. Die Ärztekammer rechnet jedenfalls mit einer sehr langen Dauer des vertragslosen Zustandes für die Versicherten der Sozialversicherung der Gewerbetreibenden. "Es würde mich wundern, wenn das noch in diesem Jahr vorbei wäre", sagte der stellvertretende Ärztekammer-Präsident Günther Wawrowsky am Mittwoch.

Gibt es für PatientInnen einen Ausweg aus dem Dilemma?

Die SVA macht jenen Ärzten, die sich nicht an die Vorgaben ihrer Kammer halten, ein Angebot, das die Situation der betroffenen PatientInnen verbessern würde. Wenn die Ärzte für die SVA-Versicherten die E-Card weiter annehmen, könnten sie damit ganz normal weiter abrechnen, als "Belohnung" gibt es eine Tariferhöhung um vier Prozent. Die PatientInnen sollten ihre Ärzte auf dieses "attraktive Angebot" hinweisen, so der stellvertretende SVA-Obmann.

Ich habe Fragen zu dem Thema, an wen kann ich mich wenden?

Die SVA hat unter 050808-3000 eine Telefonhotline eingerichtet, Informationen gibt es auch unter http://www.sicherzumarzt.at/. Die Ärztekammer vertritt ihre Positionen unter http://www.sva-vertragsfreie-zeit.at/. Außerdem gibt es eine Facebook-Gruppe von Betroffenen. (red, derStandard.at, 1.6.2010)

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Verdad
00

Zitat: "Es würde mich wundern, wenn das noch in diesem Jahr vorbei wäre", sagte der stellvertretende Ärztekammer-Präsident Günther Wawrowsky ...

So eine Aussage stellt klar, dass die Ärztekammer überhaupt kein Interesse auf eine Einigung hat.

Die Ärztekammer ist ja in erster Linie Handlanger der pharmazeutischen Industrie (und Unterstützer der Panik-Machen-Aktionen, siehe Vogelgrippe und Zeckenimpfung) und statt die Ärzte zu vertreten, hat sie mehr Interesse, dieselben zu kontrollieren. Diese Institution ist in dieser Form mehr als fragewürdig. Und für obige Aussage kann Herr Wawrowsky nur mehr eines tun, zurücktreten !

Marder
00
Hm...

Ich habe mir obigen Text durchgelesen, verstehe aber nicht ganz die Tragweite. Kann mir jemand bei folgendem Beispiel helfen?

Nehmen wir an ich bin selbstständig, (pflicht?)-versichert bei der SVA und breche mir einen Arm. Die Behandlung kostet 400.-

Was habe ich zu zahlen, wenn ich ...

a. Ins Krankenhaus gehe?
b. Mich von einem Allgemeinmediziner versorgen lassen würde?

Tabernakelwanze
01
Ich empfehle allen SVA-Versicherten den Ärzten

nur das aktuelle SVA-Hororar lt. Liste zu bezahlen und es auf eine Klage durch den Arzt ankommen lassen!
Die Chancen auf einen gewonnenen Prozess sind bei mehr als 80%, denn was die Ärzte hier aufführen ist gewerblicher Wucher unge verstößt gegen die Moral!

Colonel Grande
00
Den Herrn Leitl mag zwar die Gier beuteln aber...

Ich bemitleidenswertes Wesen bin mit einer Familie voller Ärzte geschlagen und kann zu der ganzen Disskussion nur eines sagen:
Spitalsärzte, Notfallärzte etc sollten wirklich mehr verdienen.
Alle niedergelassenen Ärzte verdienen im durchschnitt mehr als genug. Diejenigen welche das nicht tun haben ihre Praxis meist in Gegenden mit 4 oder 5 anderen Praxen gleicher Art und dann hält sich mein Mitleid als seit Jahren selbsständiger Unternehmer mehr als in Grenzen.

UNI Columbo
01
Selbständige = Die Lasteseln der Nation

Endlich stellt sich die SVA auf die Hinterbeine!!! Währenddessen sich andere Krankenkassen sämtliche Tarife aufbrummen lassen und ihre Mitglieder dafür büßen müssen, (GKK Wien zahlt doppelt soviel pro Arztstunde wie die GKK OÖ) kämpft die SVA gegen die Mißstände und gegen eine Zwei-Klassen Medizin! Als selbständig denkender Mensch freue ich mich jegliche Hilfe, die mich bei Kostensenkungen unterstützt!

Dingsbums1
00
Finde es gut, dass die SVA bockt!

-30% beim Ärztehonorar zeitlich begrenzt als Solidaritätsbeitrag für die Wirtschaftskrisen-gebeutelten Selbständigen fände ich ausgesprochen angemessen!

Wir müssen alle unseren Beitrag leisten, um den Bankbonzen weiter ihre Millionen und Milliarden zu finanzieren. Auch die Ärzte!

flint stone
00
zahlt doppelt so viel?

das ist mir neu......
Das Problem der WGKK mit den Ärzten ist eher, dass es um 30% mehr Fachärzte als in OÖ gibt. Das Plus der oberösterreichischen Kasse findet sich halt im "Landesbudget" wieder, weil viele kranke Versicherte in die Spitalsambulatorien gehen. Ob das ökonomisch ist, sei dahingestellt.

mikromalist
 
03
Institutionen zu klagen ist sinnlos,

das ist schlechte Ökonomie, weil es unendliche Arbeitszeit verschlingt und wenig Aussicht hat.
Unsere Obrigkeit ist da ziemlich verschworen.

Aber die Werkleistung der konkreten Ärzte und ihre Adäquatheit einzuklagen, vor allem bei Fehlern sofort Mängelrügen einbringen und Zahlung einbehalten.
Ich sehe keine Grund meine bisherige, freundliche Toleranz aufrecht zu erhalten.
Was hier passierte ist nackte Erpressung.
Die einseitige Aufkündigung einer natürlichen Partnerschaft zw. Ärzten und Patienten.

Med Austria
50
Diese Berichterstattung ist nicht korrekt und irreführend.

Es ist NICHT wahr, dass die Ärztekammer eine Honorar-Empfehlung ausgesprochen hätte, die um '20 Prozent heraufgeschraubt' ist. Die empfohlenen Honorare liegen vielmehr unter den für Wahlärzte empfohlenen - also für jene Fälle, wenn man als Versicherter zu einem Arzt geht, der keinen Vertrag mit der Versicherung hat. Diesem Fall entspricht ja schlussendlich die derzeitige Situation. Im übrigen stünde es ja Gruppen von Versicherten, etwa Vereinen oder Mitarbeitern einer Firma, frei, mit Ärzten günstigere Tarife oder Gruppenrabatte auszuhandeln. Weiters können Selbstständige ja den beitrag stark verspätet zahlen und so die SVA unter Druck setzen (Liquidität -> 0)
Mehr Info auf MedAustria:
http://tinyurl.com/348nvtm

WoS2u
00

Das ist Aufforderung zum Vertragsbruch. Sind sie sich der Konsequenzen bewusst?
Ach so, sie sind Arzt und haben die nötige Kriegskasse.
Aber bitte Alias in „Mad Austria“ umbenennen – Danke.

Gerhard1967
00
Schon wieder dieser "komische" link

"Sie sind dabei, sich bei der Website "www.medaustria.at" mit dem Benutzernamen "Delphine" anzumelden, aber die Website benötigt keine Authentifizierung. Dies könnte ein Versuch sein, Sie zu täuschen.

Soll die Website "www.medaustria.at" wirklich aufgerufen werden?"

Liebe Grüße

jMor
 
01

ohne diese anmeldung könnens den artikel net lesen ... da lässt sie wer mit seinem zugang den artikel lesen, das ist alles.

Martina Schubert
00
Wie viele Selbständige können sich die Arzthonorare leisten?

Laut Einkommensbericht 2008 verdienen 50 % der überwiegend selbständig Tätigen mit Gewerbebetrieb im Jahr 2005 unter der Armutsgrenze. Das Einkommen der Ärzte ist 7 - 11 Mal so hoch. Die Sozialverscherungsbeiträge tragen einiges bei zur überdurchschnittlichen Armutsgefährdung von Selbständigen. Genauere Zahlen unter
"Wieviele Selbständige können sich die Arzthonorare leisten?" >>> http://www.fofos.at/show_wiss... ch_366.php

quaxiderfrosch
00

Glaube keiner Statistik, die...
Zum einen erfasst die Statistik jene, die überwiegend Einkünfte aus Gewerbebetrieb haben - was noch relativ wenig über die Gesamteinkommenssituation aussagt.
Zum anderen sind es die erklärten Einkünfte dieser Personen, und die müssen ja nicht zwangsläufig mit den tatsächlichen übereinstimmen...

Oz 1980
08
Gehts noch?

Wenn die Versicherung keine Leistung erbringt, dann sehe ich nicht ein, warum ich denen auch nur einen einzigen Cent zahlen soll? Hat da schon jemand überlegt, Klage einzubringen?
Die Verantwortlichen gehörten hinter Schloss und Riegel!
Außerdem gehören die Sozialversicherungen in Österreich alle zu einer einzigen zusammengelegt. Gleiches Recht für alle, außerdem spart man damit wohl riesige Summen in der Verwaltung. Aber das ist in diesem Proporzgesteuerten Land halt nicht möglich, da könntan ja ein paar Schäfchen der Parteien ihren Quotenplatz verlieren.

flint stone
00
geht's noch??

Die Versicherung erbringt nach wie vor die Leistungen. Zu hinterfragen ist hier wohl eher der Standpunkt der Ärztekammer: Die Tarife der SVA lagen um etwa 50% über denen der GKK's. Es ist wohl legitim für den Versicherungsträger den Tarif verhandeln zu wollen und nicht automatisch - wie es die Kammer immer gern hätte - um einen Prozentsatz erhöht. Das einzige Argument für höhere Tarife, als die bei den GKK's verrechneten, dass bei den Sonderversicherungsträgern viele Einzelposten abzurechnen sind (-> wegen Selbstbehalt), während die GKK's größtenteils pauschal abrechnen.
Und die riesigen Summen in der Verwaltung finden sie schneller im Land oder Bund. 3% Verwaltungsgebühr ist wohl vertretbar. (Land 15-20%, Bund etwas weniger)

Avalancha
22
Sinnerfassendes Lesen?!

Die VErsicherung zahlt genau das gleiche wie bisher auch - nur eben nachträglich mittels Rückerstattung. Und der Arzt kann verlangen "was er will" - der nette "Arztbonus" trägt dann eben der Patient selbst.

powerpack
00

ob die nachträgliche rückerstattung allerdings wirklich der leistung die eine sozialversicherung vollbringen sollte abdeckt ist mehr als fraglich!

Oz 1980
00

Dennoch ist das Problem, dass die Versicherung der Pflicht, die sie eigentlich zu erfüllen hat, nicht nachkommt. Wenn ich meine Handyrechnung nur zu 90% zahle, hat der Betreiber auch das Recht, meinen Vertrag zu kündigen, also wieso habe ich dasselbe Recht nicht, wenn meine Versicherung ihren Pflichten nicht nachkommt?

Bromosel
12

Ich verstehe auch nicht, warum ich für die gleiche Leistung mehr zahlen soll. Ich bin auf die Ärzte angefressen, verstehe aber nicht, warum ich zahlen soll, aber dann keine Leistung bekomme.
Ich möchte gerne aus der SVA austreten und bei der GKK eintreten, der Staat zwingt mich aber zu einer Pflichtmitgliedschaft, sorgt dann aber nicht dafür, dass ich für mein Geld auch was bekomme.
Als Blöder bleib ich über.

Fäkta
09
Der Wawrosky und Konsorten gehören eingesperrt.

Was die da aufführen, ist verantwortungsloses Raubrittertum.

Alexander Patjomkin
016
30.5.2010, 21:48
Die Ärzte habe auch bisher von SVA das 2-4 fache

dessen in Rechnung gestellt, was sie von der GKK bekommen. Es ist eine grenzenlose Frechheit der
Ärztekammer noch 20% darauf zu verlangen.
Die Ausbildung dieser Ärzte wurde und ist aus Steuergeldern finanziert. Gier ist offensichtlich
infektiös. Man muss darüber nachdenken, wie man diese Lehrlinge der Bankmanager (was Gier betrifft)
zum Reason bringen kann.

hot doc
153
31.5.2010, 09:56

einem "gierigen" wiener kassenpraktiker bleiben so 2-3000,- pro monat, für 40-60 stunden arbeit (nein, mit den öffungszeiten am schild ist es noch lange nicht getan). das mag ihnen viel vorkommen, für einen selbständigen ist es nicht die welt.
wenn sie schon ideologisch gefärbte neiddebatten veranstalten wollen, dann seien sie sich im klaren, wovon sie reden. sonst wandern sie halt nach nordkorea aus, dort gibts ihn noch, den kommunismus.

annea
00

Hahahahaaaa, ich bin selbständig, mein Mann auch. wir haben 12 Angestellte und uns bleiben unterm Strich im Monat ca 2500 - zusammen - von denen wir dann noch die SVA-Beiträge und Steuern abliefern "dürfen"

hot doc
00

also, alles kann man mir auch nicht auftischen. bei 12 angestellten verdienen sie zusammen (!) brutto unter 2500,-? lassen sie sich in ihrer firma anstellen, zahlt sich mehr aus *g*

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