Wiener Wettcafés - Viele Jugendschutz-Verstöße

26. Mai 2010, 13:41
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Spielsucht ist das größte Suchtproblem unter Jugendlichen

Wien - Das Verbraucherschutzmagazins "Konsument" testeten in Wien Wettlokale auf die Einhaltung von Jugendschutzmaßnahmen. Das Ergebnis: Offenbar scheinen sich viele Betreiber nicht um die Bestimmungen zu scheren.  In 80 Prozent der getesteten Lokale durften Jugendliche unkontrolliert Wetten platzieren. Obwohl, sich Minderjährige laut Jugendschutzgesetz  in Wettlokalen nicht einmal aufhalten, geschweige denn dort spielen dürfen. Der Entwurf zum neuen Glücksspielgesetz sieht vor, dass sich die Spieler beim Betreten des Lokals ausweisen müssen.

15 Wettcafes getestet

Zwei 17-jährige Testpersonen begaben sich für die Konsumentenschützer in 15 Wiener Wettcafes, um dort auf den Ausgang von Fußballspielen zu setzen. In zwölf der Lokale "konnten die Jugendlichen problemlos ihre Wetten abschließen", berichtet die Zeitschrift "Konsument" in der Juni-Ausgabe. In keinem der Lokale wurde eine Ausweiskontrolle vorgenommen. Nur in drei Wettbüros verhielten sich die Betreiber laut den Testern gesetzeskonform: Sie verwiesen die Jugendlichen des Lokals, nachdem diese keine Ausweise vorweisen wollten.

Auch Jugendliche machen sich strafbar

Strafbar machen sich dabei aber nicht nur die Betreiber, die für die Kontrolle der Einhaltung des Gesetzes zuständig sind, sondern auch die minderjährigen Spieler. Sollten sie tatsächlich gewinnen, können die Jugendlichen übrigens auch nicht sicher sein, dass sie den Gewinn ausbezahlt bekommen: Als einer der Tester seinen Wettschein einlösen wollte, schaltete der Betreiber plötzlich auf korrekt. Nachdem an der Kassa nach Alter und Ausweis gefragt wurde hat das Wettbüro die Auszahlung schließlich verweigert, mit dem Hinweis, dass der Spieler nicht volljährig sei.

Spielsucht das größte Suchtproblem unter Jugendlichen

 "Die Problematik hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Wir kennen Zwölfjährige, die schon Wetten abschließen", berichtete Michaela Sint, Jugendtreff-Leiterin und Sozialarbeiterin beim Verein Rettet das Kind. Rein quantitativ betrachtet, sei "die Spielsucht sicherlich das größte Suchtproblem unter Jugendlichen". "Etwa 40 Prozent der zum Zeitpunkt der Erstberatung bereits erwachsenen Betroffenen schildern, dass sie als Jugendliche unter 18 Jahren gespielt hatten", sagte Izabela Horodecki, Leiterin der Spielsuchthilfe Wien.

Online-Wetten völlig ohne Kontrolle

"Völlig ohne Kontrolle" verlaufe das Geschäft bei den Online-Wetter, kritisierte der "Konsument". "Bei den von uns überprüften Anbietern ist eine Umgehung des Jugendschutzes problemlos möglich. Wer ein gefälschtes Profil anlegt, Daten zum Onlinebanking besitzt und sein Spielkonto per Banküberweisung dotiert, ist dabei." (APA)

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