Lungenfachärzte fordern Rauchverbot

26. Mai 2010, 13:28
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Reduktion der Zahl der Tabakabhängigen sollte Ziel sein

Wien - Anlässlich des Welt-Nichtraucher-Tages 2010 (31. Mai) hat sich die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG) Mitstreiter in der Politik gesucht: Gemeinsam mit Grüne-Bundessprecherin Eva Glawischnig forderten sie bei einer Pressekonferenz in Wien sowohl Raucherverbote in der Gastronomie als auch die Reduktion der Zahl der Nikotinabhängigen und die Prävention als vorrangige Ziele der Gesundheitspolitik.

Eine IFES-Umfrage hätte vor kurzem zwar zutage gebracht, dass sich nur 19 Prozent der Österreicher für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie aussprächen, doch andere Daten seien untergegangen, meinte Horst Olschewski, Chef der Pulmologischen Abteilung an der Grazer Universitätsklinik: "Unter den Personen zwischen 20 und 50 Jahren sind 60 Prozent regelmäßige Raucher oder Gelegenheitsraucher. Das sind 2,5 Mio. Österreicher. Das ist tatsächlich Weltrekord."

Nachholbedarf

Wenn 24 Prozent der Burschen und an die 30 Prozent der Mädchen mit 15 in Österreich rauchen würden, müsse man das auch im internatonalen Vergleich sehen. Der Experte: "In den USA hat man eine Raucherrate von knapp zehn Prozent in dieser Altersklasse. Es gibt einen enormen Nachholbedarf. Wir brauchen ein Umdenken in der Politik." Österreich müsse erst wieder den Anschluss an andere Staaten gewinnen.

Eva Glawischnig kündigte ein "hartnäckiges Vorgehen" der Grünen in Sachen Nichtraucherschutz an. Besonders kritisierte sie, dass in Österreichs Schulen per Beschluss von Schulgemeinschaftsausschüssen auch 14- oder 15-Jährige rauchen könnten.

"Prävention ist Chefsache"

Mehr und kostenlose Betreuung von Nikotinabhängigen forderte schließlich ÖPG-Vizepräsidentin Sylvia Hartl: "Prävention ist Chefsache. Wenn wir keinen nationalen Plan haben, wie wir die Zahl der Tabakabhängigen reduzieren, werden die Mittel der Non-Profit-Organisationen wirkungslos bleiben. Wir brauchen kostenfreie oder niedrigschwellige Behandlungsangebote (für Nikotinabhängige, Anm.), an die systematisch überwiesen wird. Die Geldmittel, die für die Therapie zur Verfügung gestellt werden, müssen von der Tabaksteuer kommen. England und die Niederlande haben bereits eine freie Therapie der Tabakabhängigkeit für alle." Käme man in Österreich auf einen Raucheranteil an der Bevölkerung von 20 oder 25 Prozent, wäre das eine Halbierung.

Frühdiagnosen selten

"41 Prozent der 15- bis 20-Jährigen sind Raucher, acht Prozent Gelegenheitsraucher. Wenn wir wissen, dass 50 Prozent von ihnen nicht mehr vom Rauchen wegkommen, muss es das Ziel sein, dass die Kinder nicht mehr zum Rauchen beginnen. Würden alle Lokale rauchfrei sein, hätten wir Erwachsene eine Vorbildwirkung. Jetzt hingegen ist das Rauchen 'normal'", sagte Otto Burghuber, Past President der Vereinigung der Pneumologen Österreichs. Noch immer sei die Frühdiagnose der neben dem Lungenkarzinom hauptsächlichsten Raucher-Krankheit, der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Mangelware: "Faktum ist, dass die Spirometrie (einfache Lungenfunktionsprüfung, Anm.) in Österreich noch nicht flächendeckend ist. Nur jeder zweite COPD-Patient ist diagnostiziert." (APA)

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    Unter den Personen zwischen 20 und 50 Jahren sind 60 Prozent regelmäßige Raucher oder Gelegenheitsraucher.

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