Foxconn-Arbeiter sollen Selbstmord-Verzicht unterschreiben

26. Mai 2010 12:00

Elektronikhersteller Foxconn greift zu drastischen Methoden

 Nach einer Serie von Selbstmorden von Beschäftigten in China greift der weltweit größte Elektronikhersteller Foxconn zu drastischen Mitteln: Die Beschäftigten erhielten einem Pressebericht zufolge einen Brief, in dem sie sich schriftlich verpflichten müssen, sich nicht selbst zu töten. Gebäude des Unternehmens wurden mit Netzen verhängt, um Todesstürze zu verhindern. Seit Beginn des Jahres haben sich bei dem Hersteller des iPhone bereits zehn Arbeiter das Leben genommen. Arbeitsrechtsorganisationen machen den hohen Druck bei gleichzeitig schlechter Bezahlung verantwortlich. Foxconn produziert unter anderem für Apple, Hewlett Packard oder Dell.

"Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen"

Die "Southern Metropolis Daily" druckte am Mittwoch ein Foto des Briefes an die Angestellten. "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen", heißt es darin. Die Beschäftigten erlauben mit ihrer Unterschrift dem Unternehmen, sie "zum eigenen Schutz und dem anderer" in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein".

Foxconn-Gründer Terry Gou flog am Mittwoch in seinem Privatjet und begleitet von Journalisten in die Sonderwirtschaftszone Shenzhen, wo das Unternehmen allein 300.000 Menschen beschäftigt. Vom dortigen Werk hatten sich neun Arbeiter in den Tod gestürzt.

Die Stimmung im Werk sei "eng und erdrückend"

Die "South China Morning Post" zitierte am Mittwoch eine 21-jährige Foxconn-Arbeiterin, sie müsse an sechs Tagen pro Woche jeweils zwölf Stunden arbeiten. Die Stimmung im Werk sei "eng und erdrückend", die Angestellten dürften nicht miteinander sprechen. Eine andere Arbeiterin berichtete vom hohen Tempo: Sie müsse täglich Tausende von Computerplatinen für elektronische Geräte prüfen. Ihr monatlicher Lohn betrage 2.000 Yuan (240 Euro).

Apple erklärte am Mittwoch, es verfolge die Schritte von Foxconn, weitere Selbstmorde zu verhindern. Das Unternehmen fühle sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Bedingungen für die Arbeiter in der Produktion "sicher" seien und dass die Beschäftigten mit Respekt behandelt würden, erklärte eine Sprecherin gegenüber AFP. Eine Arbeitsrechtsorganisation hatte am Dienstag angekündigt, sie wolle zum Boykott des iPhone aufrufen. (APA)

 

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Psycho87
02.06.2010 17:48

Erinnert mich irgendwie an das Ehegelübde...

Captain Smoker
26.05.2010 22:47
"Selbstmord-Verzicht"

Also da hat man so richtig das Gefühl Menschen werden von diesem Konzern nur wie Dinge behandelt. Wie wäre es wenn er einfach die Arbeitsbedingungen verbessern würde? Mag ja sein, dass Gou auf ein paar Mios verzichten muß wenn die Arbeiter Sitzgelegenheiten bekommen, miteinander sprechen dürfen, weniger lang arbeiten müssen, Pausen machen dürfen, ... , aber das sollte doch normal sein.
Alle Firmen die dort fertigen lassen sollten nicht nur beobachten sondern eben genau bessere Arbeitsbedingungen fordern.

EquinoxOmega
26.05.2010 21:38
zynischer geht's nimma?

echt menschenverachtend

Rumo von Zamonien
26.05.2010 20:14

Das is jetzt aber aus einem Python-Sketch den ich nicht kenn, oder?

F F
26.05.2010 19:31
Selbstmordverzicht

Selbstmord wird mit dem Tod bestraft

momodeluxe
26.05.2010 16:54

wurde auch ein pönale festgelegt?

Mathias
 
26.05.2010 15:22
Die Beschäftigten erhielten einem Pressebericht zufolge einen Brief, in dem sie sich schriftlich verpflichten müssen, sich nicht selbst zu töten

Wieso nur muß ich bei solchen Sätzen immer wieder an den Sketch von Monty Python denken. Der, wo zwei im Büro sitzen, und plötzlich ein Manager am Fenster vorbei hinab fällt?

--: SID :--
26.05.2010 14:58
Gebt ihnen Sessel !

Ich vermute, daß eine Verbesserung der sozialen Bedingungen doch ein "wenig" mehr bringen würde.

Mr. Bubbles
26.05.2010 14:51

und die strafe bei zuwiderhandeln?

_valina
26.05.2010 15:38
wird die leiche des arbeiters

in die ecke gestellt und darf auch nicht mehr zum gemeinsamen mittagessen!
desweiteren droht lohnentzug und sessel gibts sicherlich auch nicht mehr! ...für diesen aufrührer!

TheJester
26.05.2010 15:29

klar doch...mit dem tode...oh mann wenn das nicht so traurig wäre, dann wärs ein witz an skurillität kaum zu überbietbar...

*kopfschüttel* ich hätt gern eine liste von herstellern bei denen ich mich auf eine faire herstellungsumgebung verlassen kannt...gibts sowas?

lament
26.05.2010 14:31

k.a. ob es schon erwähnt wurde,
aber die selbstmordrate bei foxconn liegt unter dem landesdurchschnitt.

Hagbard.Celine
26.05.2010 15:26
vermutlich

will man nur darauf aufmerksam machen, dass die arbeiter luxusartikel für die welt herstellen.

vielleicht haben zumindest die arbeiter in dieser firma die chance auf bessere bedingungen.

Mohr im Hemd
26.05.2010 13:53
Na dann...

... kann man ja wieder bedenkenlos bei Apple, HP & Co. einkaufen. Das Leben kann so einfach sein !

solandre
 
26.05.2010 13:49

erinnert mich sofort an "wer sich selbst tötet, kommt nicht in den himmel". 'hat die kirche auch nur eingeführt um geknechteten und geknebelten die letzte freiheit zu nehmen und sie weiter als arbeitskraft ausbeuten zu können.

die ganzen zustände und die berichtete abstumpfung in den ausbeuterfabriken hat auch was 1984-artiges.

arme menschen. diese ausweglosigkeit muss wahnsinnig machen.

aber hoch lebe die staatlich kontrollierte sklavenarbeit zum wohl des chinesischen volkes!

Bicycle repairman
26.05.2010 13:30
Selbstmord-Verzicht klingt so negativ,



- Lebensbejaungsklausel -


ist dasselbe aber klingt doch viel positiver!

momodeluxe
26.05.2010 16:53

oder lebensermunterungsübereinkunft

Drakul, der den 'Graf' entfernt hat
26.05.2010 13:23

Die Idee kam aber nicht von den Psychiatern der Chefs.

Michail Bakunin
 
26.05.2010 13:20

...vor einem Monat: Workers Memorial Day am 28. April

Alle 15 Sekunden stirbt ein Mensch durch einen Arbeitsunfall (über zwei Millionen im Jahr); über 250 Millionen Menschen erleiden Verletzungen bei der Arbeit; über 150 Millionen entwickeln Berufskrankheiten, fast eine halbe Million wird tödlich vergiftet; die Fälle von Burnout, psychischen Krankheiten und Suiziden aufgrund von Lohnarbeit schießen in die Höhe. Mit 6.000 Toten täglich weltweit sterben mehr Menschen durch Arbeit als durch Kriege.

http://www.direkteaktion.org/194/allta... ist-krieg/
http://www.direkteaktion.org/196/toedl... tsunfaelle

der Zacharias
26.05.2010 13:09
Nicht lachen über das Selbstmordverbot - Konfuzianismus macht das möglich.

Die Mentalität der Unterordnung unter die staatliche oder organisatorische Autorität erhöht in der Tat die Hemmschwelle für einen Suizid, wenn man sich entsprechend verpflichtet.

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
26.05.2010 12:50

Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen"
sowas sollten wohl eher radikale islamisten unterschreiben...

Der Teufel
26.05.2010 12:46
Zum eigenen Schutz in die Klapse

Das mit dem Selbstmordverzicht ist ja ganz witzig.

Dem Arbeitgeber aber das Recht für eine Zwangseinweisung einzuräumen ist doch ein bisschen übertrieben.

Das räumt dem Arbeitgeber praktisch das Recht ein unliebsame Mitarbeiter niederzuspritzen.

somethingbeautiful
26.05.2010 12:35

die sanktionen falls es jemand doch macht würden mich interessieren ...

julchen74
26.05.2010 12:37

parteiausschluss

Ramadamadingdong
26.05.2010 12:29

groteske Auswüchse einer Gesellschaft im Manchester-Kapitalismus.

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