Trotz Krise - Geld für iPads sitzt locker

26. Mai 2010, 11:07
67 Postings

Wie die ersten Monate zeigen, sind Millionen Menschen bereit, zwischen 499 und 799 Euro zu zahlen, um das Apple-Tablet in der Hand zu halten

Selten hat ein Stück Technik so viele Hoffnungen auf sich vereint wie Apples Tablet-Computer iPad. Die Print-Verleger erhoffen sich eine Plattform für elektronische Zeitungsausgaben, mit denen sich möglicherweise eine neue Zukunft in Zeiten sinkender Auflagen aufbauen lässt. Die Buch-Branche, die Angst hat, wie die Kollegen der Musikindustrie vom Internet zerrieben zu werden, will das iPad als Lesegerät etablieren.

Neue Märkte

Die Film- und Fernsehproduzenten bauen auf einen neuen Absatzweg für ihre Kinostreifen und Serien. Und manche Technikexperten sehen in dem Gerät, das mit den Fingern über einen berührungsempfindlichen Bildschirm mit bedient wird, gar den Wegweiser für die Zukunft der Computertechnik.

Das Wirtschaftsmagazin "Economist" fing die Stimmung ein, als es Apple-Chef Steve Jobs im Messias-Gewand mit einem iPad in der Hand auf sein Cover brachte. Von diesem Freitag an kann man sich in Deutschland selbst überzeugen, was an dem Hype um das "magische und revolutionäre Gerät" (Apple) dran ist.

Der internationale Start hat sich um rund einen Monat verschoben - weil die Nachfrage in den USA so hoch war, sagt Apple. Immerhin wurden in den vier Wochen seit der Markteinführung Anfang April eine Million iPads verkauft.

Zu schwer, zu schwachbrüstig, zu kurze Akkulaufzeit

Mit dem iPad wagt sich Apple auf ein Feld, auf dem schon einige gescheitert sind. So hatte Microsoft-Gründer Bill Gates vor knapp zehn Jahren versucht, mit einem Tablet-Computer zu punkten. Doch die tragbaren Touchscreen-PC blieben ein Nischenprodukt etwa für Lagerarbeiter, die neue Lieferungen abhaken. Auch kleinere Versionen wurden vor einigen Jahren zum Ladenhüter: Zu schwer, zu schwachbrüstig, zu kurze Akkulaufzeit.

Macht Apple mit seinem "Riesen-iPhone" alles besser? Konzernchef Jobs ließ schon vor der Vorstellung des Geräts im Jänner durchsickern, das iPad sei das Wichtigste, woran er jemals gearbeitet habe. Herausgekommen ist ein typisches Apple-Produkt: Elegantes Design, einfache Bedienung, hoher Preis. Zwischen 499 und 799 Euro kostet der Eintritt in die iPad-Welt. Für um die 300 Euro bekommt man jedoch schon ein Mini-Notebook mit Tastatur und allen vom PC bekannten Anschlüssen.

Doch wie die ersten zwei Monate zeigen, sind überall auf der Welt Millionen Menschen bereit, mehr zu bezahlen, um das iPad in der Hand zu halten. Neben der erprobten Marketingmacht von Apple dürfte das vor allem einen Grund haben: Das iPad mutet wie das perfekte Gerät für den digitalen Medienkonsum an. Es wiegt rund 700 Gramm, der von Apple entworfene Prozessor ist rasend schnell und die Batterie hält lange genug, dass der Nutzer nicht ständig nach einer Steckdose Ausschau halten muss.

Vom iPad-Virus infiziert

Vor allem die Medienbranche ist vom iPad-Virus infiziert. Die Verlage arbeiten unter Hochdruck an Programmen, mit denen sie Texte, Bilder und Videos miteinander verwoben elegant präsentieren können. In Deutschland wollen unter anderem der "Spiegel" und die "Welt" auf dem iPad dabei sein. Die Buchbranche freut sich auf Apples Online-Shop iBook, weil sie in ihm für digitale Bücher zum Teil höhere Preise durchsetzen konnte als beim Konkurrenten Amazon. Allerdings fehlen zum Marktstart des iPad noch die aktuellen Buchtitel aus Deutschland.

Doch in die Euphorie mischen sich auch Zweifel. Wie geht es weiter, wenn der erste Hype nachlässt? Was passiert, wenn die Menschen doch nicht für die aufbereiteten Inhalte der Medienbranche bezahlen wollen? Wie gut werden die Wettbewerber sein? Denn viele konkurrierende Tablets stehen schon in den Startlöchern. Kaum ein Branchenbeobachter zweifelt daran, dass in absehbarer Zeit auch der Internet-Riese Google mit seiner Marktmacht in den Markt vorpreschen wird. Die deutsche Firma Neofonie, die mit ihrem "WeTab" vor allem einheimische Verleger gewinnen will, wirkt dagegen wie ein Zwerg.

Absatz von 9 bis 12 Millionen iPads

Die Branchen-Analysten von Morgan Stanley rechnen für 2011 mit einem Absatz von 9 bis 12 Millionen iPads. Insgesamt dürften dann weltweit mehr als 200 Millionen mobile Computer verkauft werden. Es wäre zwar immer noch ein recht niedriger Marktanteil, aber immerhin eine ausreichende Nutzerbasis für ein profitables Geschäft. Und Apple kann sich einen langen Atem leisten: Der US-Konzern sitzt auf einem Geldberg von mehr als 30 Mrd. Dollar (24,5 Mrd. Euro).

Teurer

Apple verkauft seinen Tablet-Computer iPad in Deutschland aber deutlich teurer als in den USA. Das kleinste Modell, das iPad WiFi mit 16 Gigabyte Hauptspeicher, kommt am 28. Mai für 499 Euro (inkl. Mehrwertsteuer) in Deutschland auf den Markt. In den USA kostet das selbe Modell 499 Dollar (408 Euro, ohne Mehrwertsteuer).

Der Nettopreis ohne Mehrwertsteuer in Deutschland liegt bei 431 Euro - und damit 40 Euro über dem Preisniveau auf der anderen Seite des Atlantiks. In Deutschland steckt allerdings auch noch eine Urheberrechtsabgabe in Höhe von rund 15 Euro in dem Verkaufspreis. Das iPad-Modell mit 32 Gigabyte kostet 614 Euro, 64GB-Modell 714 Euro. Die Varianten mit UMTS-Mobilfunk kosten jeweils 100 Euro mehr.

Nach Österreich kommt das iPad "im Juli".  (APA)

Link

Apple

  • Artikelbild
Share if you care.