Der Wüstenfuchs säuft schon recht wenig

25. Mai 2010, 19:26
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Mit dem "Fennek" trat erstmals ein österreichisches Team beim Spritsparrennen Shell Eco-Marathon an

Für die Zuseher ist die Spannung auf den Tribünen des Brandenburger Lausitzrings unerträglich: Die Fahrerin des Wagens 211 rollt auf die Rennstrecke, beschleunigt gemächlich auf 30 km/h und überlegt sich jedes Überholmanöver lieber zweimal. Nach acht Runden und satten 51 Minuten ist die 211 im Ziel, und alle Anzeigetafeln bleiben leer. Welche Platzierung die Rennfahrerin herausgeholt hat, ist erst später feststellbar beim Shell Eco-Marathon, wo mit anderem Maß gemessen wird: 1773,26 Kilometer mit einem Liter Treibstoff kam das Rennteam der TU Graz, das Anfang Mai erstmals für Österreich an diesem Bewerb teilnahm. Damit belegte es den respektablen achten Platz unter den wasserstoffgetriebenen Fahrzeugen.

Analogien zu unwesentlich rasanteren Formel-1-Bewerben gibt es aber bei diesem Rennen, das 1939 erstmals ausgetragen wurde: Für die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Mobilmachern sind solche Fahrten unter Laborbedingen auf Asphalt zunehmend wichtiger. Rund 800 Millionen Euro gibt Shell bereits für die Forschung an energieeffizienten Technologien aus, obwohl - oder vielleicht gerade weil - das Unternehmen ein Szenario für das Jahr 2050 annimmt, bei dem Fahrzeuge noch zu 70 Prozent von fossilen Brennstoffen angetrieben werden. Michelin bezeichnet den Eco-Marathon mittlerweile als die wichtigste Entwicklungsplattform überhaupt für energieeffiziente, also abrolloptimierte Reifen.

Die eigentliche Entwicklungsarbeit an sparsamen Prototypen - oder sogar an bereits straßentauglichen Konzepten - erbringen bei diesem Rennen aber Studenten. Das Eco-Racing-Team der TU Graz ist unter 212 Mitbewerbern zudem eines der wenigen, das beim Bau des Prototyps gänzlich ohne Lehrende auskam: "Der Fennek ist ein Wüstenfuchs, der wenig Wasser braucht", erklärt der Teamleiter Fabian Köhler den Namen des Fahrzeugs. Deutlich mehr als das filigrane Vehikel, das seit Jahren an der Uni Nantes weiterentwickelt wird, säuft er dennoch: Die Franzosen haben heuer den langjährigen Schweizer Rekord mit der unglaublichen Leistung von 4896 Kilometern pro Liter Treibstoffäquivalent gebrochen.

Die Sorgfalt im Umgang mit wirklich allen Komponenten eines Fahrzeugs, das von Wasserstoff in einer Brennstoffzelle angetrieben wird, zeichnet Sieger aus. Das wurde den Grazern bewusst, als bei ihrem ersten Antreten eine Fahrradkette im Fennek riss. Und dass sie als billigstes Glied in einem Prototyp, der rund 200.000 Euro wert ist, auch das schwächste sein kann, ist ihnen jetzt klar. Selbst aufbringen mussten sie die enorme Summe nicht: Die Sponsorentätigkeit vieler Komponentenhersteller bestand auch darin, dass die Studenten Einzelteile in den Werken fertigen durften.

Was braucht es jetzt noch zum selbsterklärten Ziel, das effizienteste Fahrzeug der Welt bauen zu wollen? Eine eigene Wasserstofftankstelle hat die TU Graz schon, aber nach der Förderung durch das Programm Impuls Styria werden die Studenten nun finanziell nachtanken müssen. An die Gründung eines eigenen Start-ups haben sie als baldige Absolventen jedenfalls schon gedacht. (saum/DER STANDARD, Printausgabe, 26.05.2010)

 

  • Prototypen mit Brennstoffzelle wie der Grazer "Fennek" bilden die Königsklasse beim Shell Eco-Marathon. 54 Prozent der Teilnehmer sparen noch mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren Sprit.
    foto: reckimages/shell

    Prototypen mit Brennstoffzelle wie der Grazer "Fennek" bilden die Königsklasse beim Shell Eco-Marathon. 54 Prozent der Teilnehmer sparen noch mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren Sprit.

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