Merkels Stricherlliste

25. Mai 2010, 19:00
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Jetzt, wo Koch abtritt, wird Merkel zunächst erleichtert durchatmen. Doch in ihre Erleichterung wird sich auch ein wenig Unbehagen mischen

Wie sehr sie den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) schätzt, machte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel 2008 bei einem Parteitag klar. Da begrüßte sie ihn als "Roland Kotz" - ein Freud'scher Versprecher, an dem viele ihre reine Freude hatten.

Jetzt, wo Koch abtritt, wird Merkel zunächst erleichtert durchatmen und ein weiteres Stricherl auf ihrer nicht gerade kurzen Liste der am Wegesrand zurückgelassenen Rivalen machen. Zwar wagte es der konservative Hesse nie, offen gegen sie zu rebellieren. Doch jahrelang vermittelte er ihr durch "gute Ratschläge" das Gefühl: Ich kann deinen Job eigentlich besser. Auch politisch standen sich Koch und Merkel nicht sehr nahe. Viele von Kochs Forderungen (keine Gnade für ausländische Straftäter, kein Ausbau von Kindergärten) stießen die Modernisiererin Merkel ab.

Sie rächte sich subtil, indem sie Koch klarmachte: Selbst wenn der gesundheitlich angeschlagene Wolfgang Schäuble (CDU) das Amt des Finanzministers aufgeben muss - du wirst nicht sein Nachfolger. Nicht nur im Bund, auch in Hessen waren Kochs Perspektiven zuletzt nicht mehr die besten. Seit der Wahl 2009 brauchte er die FDPals Partner, der Nimbus des Alleinherrschers war dahin.

Doch in Merkels Erleichterung wird sich auch ein wenig Unbehagen mischen. Koch bediente jahrelang den konservativen Flügel der Partei. Den vernachlässigt Merkel selbst gerne. Bei Wahlen aber braucht sie ihn dringend. (Birgit Baumann, DER STANDRAD, Printausgabe 26.5.2010)

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