Kreuzfahrer

Pilgerreisen in den "Wilden Westen" des Mittelalters

26. Mai 2010, 10:58
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    Für die Pilger waren die Reisen ins Heilige Land riskant und langwierig.

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    Das Testament des Albert Ponç aus Barcelona vom 20. Juni 1130, der zum Heiligen Grab nach Jerusalem aufbricht. Albert verfügte über eine Vielzahl von Häusern und auch über Gefangene, deren Lösegeld er der Kathedrale von Barcelona vermachte.

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    Eine Mittelalterliche Karte Jerusalems: Die kreisrunde Form der Anlage geht auf apokalyptischen Beschreibungen einer runden Stadt mit zwölf Toren zurück, die am Ende der Zeit hinab kommen werde. Die Lage der Kirchen, oben in der Mitte die Grabeskirche, etwas außerhalb das Kloster im Tale Josaphat, wird realitätsnäher dargestellt.

Testamente geben Aufschluss über Motivation mittelalterlicher Pilger und Kreuzfahrer

Die Reise nach Jerusalem war im 11. und 12. Jahrhundert eine langwierige und gefährliche Unternehmung. Die Schiffspassage über das Mittelmeer dauerte viele Wochen, möglich war sie nur von Frühjahr bis Herbst. Trotzdem machten sich viele auf den Weg ins Gelobte Land. Was sie antrieb und was sie dort vorzufinden erwarteten, verraten erhaltene Testamente von Kreuzfahrern und Pilgern.

Nikolas Jaspert, Direktor des Zentrums für Mittelmeerstudien der Ruhr-Universität, fand zahlreiche Zeugnisse damaliger Glücksritter. Fündig wurde Jaspert vor allem in den Archiven Kataloniens, da dort eine auf römischer Tradition fußende starke Schriftkultur vorherrschte. Hier liegen teils unerforschte Testamente, die Pilger aufsetzen ließen, für den Fall, dass sie von der gefährlichen Reise nicht zurückkehren würden.

"Die soziale Bandbreite der Pilger war recht groß", sagt Jaspert. Hinweise auf die Person des potentiellen Erblassers geben zu vererbende Gegenstände. Geht es um eine Truhe mit Schuhen, könnte es sich um einen Schuster handeln, Bücher deuten auf höhere Bildung hin. Altersangaben gibt es meist nicht.

Vergebung der Süden

Viele nennen jedoch ihre Gründe für den Aufbruch ins Gelobte Land: "Weil es aufgrund unserer Beschaffenheit keinem Menschen möglich ist, den Tod zu vermeiden, gehe ich, Albert Ponç, um das Heilige Grab zu Jerusalem zur Vergebung meiner Sünden zu besuchen und anzubeten", schrieb am 20. Juni 1130 zum Beispiel ein vermögender Barceloneser Hausbesitzer.

Der Ablass war für die meisten der Hauptgrund für die Reise. Auch eine starke Christusverehrung zu dieser Zeit spielte eine Rolle. "Vielleicht liegt das am starken Wachstum der Städte und des Reichtums zu dieser Zeit", meint Jaspert. "Das bedingte durchaus auch ein schlechtes Gewissen - immerhin heißt es 'Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in den Himmel kommt'. Dadurch tritt der 'arme Christus' in den Mittelpunkt des Interesses."

Erobernde Pilger trafen auf Unerwartetes

Da es bis zum Ende des 12. Jahrhunderts für "Pilger" und "Kreuzfahrer" nur einen einzigen Begriff gab, sind die genauen Absichten der Reisenden ungewiss. Auch Kreuzfahrer mit dem Willen zur Eroberung bezeichneten sich oft selbst als Pilger. Was die Reisenden in Jerusalem erwarteten, entsprach wahrscheinlich nicht unbedingt der Realität.

Die Vorstellung, die die Menschen im mittelalterlichen Europa von Jerusalem hatten, speiste sich aus drei Quellen: Biblische Beschreibungen des Gelobten Landes gingen Hand in Hand mit Ableitungen der Offenbarung des Johannes und Berichten von Zeitgenossen über die echte Stadt Jerusalem und führten zu wenig realistischen Ideen über die örtlichen Gegebenheiten, zum Beispiel von einer kreisrunden Stadt mit zwölf Toren.

"Wilder Westen des Mittelalters"

Ob die Pilger aus Jerusalem zurückkehrten, bleibt in aller Regel im Dunkeln. "Vielleicht sind einige Pilger zurückgekommen und haben noch zwanzig Jahre lang gelebt. Andere sind wahrscheinlich auf der Reise umgekommen. Manche werden in Jerusalem geblieben sein", vermutet Jaspert. Immerhin fanden die Reisenden im 12. Jahrhundert eine Stadt vor, in der die Christen Herrscher und in der Siedler willkommen waren. Die Freiheiten waren, auch für Frauen, größer als im Heimatland; sicher natürlich auch die Gefahren. "In vielem dürften diese Siedlungen des Kreuzfahrerkönigreichs Jerusalem den Grenzposten des 'Wilden Westens' geähnelt haben", meint Jaspert. (red)


Link
Ruhr-Universität Boch: Was die Kreuzfahrer erwarteten

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11 Postings
füllhornkäfer
00
27.5.2010, 16:25
Das Jerusalem in der Apokalypse ist quadratisch

Ganz eindeutig sogar. Aber anscheinend ist die gedankliche Verbindung von "idealer Stadt" und "rund" so wirkungsvoll, dass sie sich auch in diesem Fall durchsetzte. Das gleiche Phänomen übrigens auch beim Turm von Babel: Herodots Beschreibung lässt keinen Zweifel daran, dass er quadratischen Grundriss hatte, und trotzdem wurde daraus ein runder Turm. Die Rundform war wohl irgendwie more sexy.

Heimwerkerkönig
 
00
26.5.2010, 21:15
Muss eine unglaublich spannende Zeit....

... gewesen sein.

Das ist ungefähr so, als ob man heute in ein Flugzeug steigt, und die Chance, dass man am Ziel ankommt, mehr als nur ungewiss ist.
Da wird dann selbst der Flug von Innsbruck nach Wien, zum kaum kalkulierbaren Risiko.

Demnach gehörte damals schon eine gehörige Portion Mut dazu, als sich diese Pilger und Kreuzfahrer auf ihrer Reise begaben.

fredlhuber
00
26.5.2010, 12:16
„die Person des potentiellen Erblassers“

WTF?!

Heimwerkerkönig
 
00
26.5.2010, 21:07
Hört sich an,...

... wie von einem Juristen verfasst....

Nick Tameer
00
27.5.2010, 21:42

Hm, vielleicht weil "Erblasser" ein juristischer Ausdruck?
Wirklich juristisch wäre übrigens "Testator".

füllhornkäfer
00
27.5.2010, 16:14

Ist aber kein unspannender Zweig, die Rechtsgeschichte! Gibt mehr über das Alltagsleben von anno dazumal preis, als man vermuten würde. Und es gibt auch immer mehr Juristen, die es dann auch zur Geschichte zieht.

Cuca Racha
 
00
25.5.2010, 21:56
* MEHR ZUM THEMA

passt diesmal perfekt :-)

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Nick Tameer
00
26.5.2010, 10:17

Da könnten die mittelalterlichen venezianischen Reiseveranstalter (Überfahrt ins Heilige Land zum Supersparpreis von nur 100 Schillingen! Sitzplatz auf dem Oberdeck, ca. 6-10 Wochen Reisedauer vorbehältlich schlechter Wetterverhältnisse, Proviant ist mitzubringen, Errichtung eines Testaments vor Reiseantritt wird dringend empfohlen) nicht mithalten.

Wurzelloser Kosmopolit
03
26.5.2010, 15:40
Auch beim Preis konnten sie nicht mithalten, die Reise war in der Tat nicht ganz billig.


Die Passage kostete ab Venedig/Genua 600-700 Pfennig pro Kopf, das sind ca. 3000-4000 €, und das auch nur wenn es eine grosse Gruppe war.
Komfort null, aber Verpflegung bis auf den Wein inklusive.
Das Königreich Jerusalum und anderen christlichen Fürstentümer waren beliebte Auswanderungsländer.
Eine elegante und günstige Methode die Zweit- und Drittgeborenen los zu werden, ohne sie erschlagen zu müssen.

rätätä, rätätä ...
00
25.5.2010, 22:15
* Aktuelles Wetter in Jerusalem

machtnixx
01
26.5.2010, 11:31
hurra,

wir haben die inhaltsbezogene Werbung entdeckt!

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