Bewerbung à la "Mickey Mouse" für Olympia

25. Mai 2010, 21:50
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Erstmals ist im Untersuchungsausschuss zu Olympia Selbstkritik zu hören: Salzburg habe für die Spiele 2014 eine "völlig falsche Bewerbung abgegeben"

Salzburg - Späte Bestätigung der Kritiker der Bewerbung Salzburgs für die Austragung der Winterspiele 2014: Man habe die Dimensionen der Bewerbung völlig unterschätzt, sagte Ernst Brandstätter am Dienstag vor dem Olympia-Untersuchungsausschuss des Landtages. Als Geschäftsführer der Bergbahnen Flachau - in der Pongauer Gemeinde sollten die alpinen Bewerbe ausgetragen werden - war Brandstätter einst einer der Motoren für die nach 2006 und 2010 insgesamt dritte Kandidatur Salzburgs.

Allein was die finanziellen Größenordnungen angehe, sei man im Vergleich mit Südkorea oder Russland eine "Mickey-Mouse-Bewerbung" gewesen, so Brandstätter rückblickend. Und: Man habe eine "völlig falsche Bewerbung" abgegeben. Man sei an die Sache wie an eine Landesmeisterschaft der Eisstockschützen herangegangen. Ökonomisch etwa wäre das - letztlich erfolgreiche - russische Sotschi für die Bauwirtschaft viel interessanter gewesen.

Der Touristiker geht zwar davon aus, dass die Olympiakandidatur zumindest die Wintersportregion Flachau einen hohen Werbewert hatte, ist aber gleichzeitig auch aus Imagegründen "sehr betroffen" , dass die Flachauer rund um die Bewerbung plötzlich "in Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften" gebracht würden.

Seine eigene Rolle im Aufsichtsrat der Bewerbungsgesellschaft beschreibt Brandstätter mit dem Wort "Vertrauen" . Man habe den Führungspersönlichkeiten des Österreichischen Olympischen Komitees geglaubt, sei aber wohl "zu naiv" gewesen. Nach Darstellung Brandstätters ist - aus heutiger Sicht - im Rechnungskreis I der Gesellschaft (öffentliche Gelder) zu wenig kontrolliert worden und der Rechnungskreis II (Sponsoren) hätte den Aufsichtsrat quasi nicht zu interessieren gehabt. Vom Rechnungskreis III (Olmpia Förderverein beim Österreichischen Olympischen Komitee) habe er erst ganz zum Schluss erfahren.

Geheimer Berater

Ein Sittenbild der Zustände bei der Salzburger Bewerbung lieferte am Dienstag Andreja Wieser. Sie war in der Olympiagesellschaft für die internationalen Kontakte zuständig. Wieser berichtete dem staunenden Untersuchungsausschuss, dass man die Mitarbeit des Strategieberaters Erwin Roth vor Bürgermeister Heinz Schaden (SP) geheim zu halten hatte.

Dabei soll Roth einer der zentralen Strategen der Kandidatur gewesen sein. Immerhin dürfte er monatlich 90.000 Euro für seine Beratertätigkeit kassiert haben. Aber weder Schaden noch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) durften davon wissen, so jedenfalls die Version Wiesers. Bei zahlreichen Präsentationen auf der ganzen Welt, wo alle zentralen Akteure auftraten, "musste Roth das Zimmer verlassen, wenn Schaden da war" . Eine Erklärung für diese Kasperliade konnte Wieser freilich nicht bieten.

Der geheim gehaltene Berater Roth wird damit neben Schaden einmal mehr zur Schlüsselfigur der Olympiaaffäre. Unter anderem geht es auch um den Verbleib von 300.000 Euro. Diese Summe soll die Salzburger GmbH dem ÖOC-Förderverein als "Darlehen" geborgt haben. Über den Verbleib der Summe herrscht weiterhin aber Rätselraten. (Thomas Neuhold, Markus Peherstorfer/DER STANDARD, Printausgabe, 26. Mai 2010)

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    Für das Internationale Olympische Komitee wurde das Bewerbungslogo 2007 auf eine Wasserfontäne projiziert - Gegen die finanzstarke russische Konkurrenz hat der billige Effekt nichts geholfen

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