Der Boom ist vorbei

25. Mai 2010, 17:45
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Wien - Das Ganze sei sehr unangenehm, sagt Michael Sturm. Da habe man zusätzliche Strukturen aufgebaut und Trainer angestellt, und nun müsse man das alles wieder runterfahren. Der Geschäftsführer des Bfi stellt sich in Österreich ab Sommer auf um bis zu einem Fünftel weniger Schulungen und Qualifizierungen für Arbeitslose ein. Mitbewerber des unter dem Dach der Arbeiterkammer und Gewerkschaft stehenden Bildungshauses rechnen teils mit bis zu einem Viertel weniger Aufträgen vom Arbeitsmarktservice: Der Boom der vergangenen zwei Jahre sei vorbei.

Das macht auch SP-Sozial- und Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer klar. Er will künftig bei den AMS-Kursen sparen, ließ er wissen. Das dafür reservierte jährliche Budget werde um knapp hundert Millionen Euro schrumpfen. Kürzungen seien vor allem bei Schulungen geplant. Dafür werde künftig mehr Geld in Eingliederungsbeihilfen fließen. Rund 70.000 Arbeitslose sitzen derzeit in den Schulungen des AMS. Hundstorfer will die Kurse evaluieren lassen und ihre Kosten überprüfen. Dass einer dreimal über die richtige Bewerbung belehrt werde, soll es, versicherte der Minister, nicht mehr geben. Nicht gespart werden soll bei der Ausbildung von Jugendlichen, ist BFI-Chef Sturm überzeugt.

Für Stephan Sticher sind die Einsparungen wenig überraschend. Dass der Staat das bisherige Arbeitsmarktbudget nicht mehr aufbringe, habe sich schon im Vorjahr abgezeichnet, sagt der Chef des von Graz aus international agierenden Bildungsinstituts BIT. Er selbst sei nur bedingt auf AMS-Aufträge angewiesen und profitiere von neuen Investitionen der Unternehmen in Weiterbildung; er verzeichne hier seit einem halben Jahr um ein Fünftel mehr Schulungen. Andere in der Branche, vor allem kleine private Ausbildungsinstitute, werde es aber hart treffen.

Dass die geringeren Investitionen in die Bildung - heuer stehen dem AMS noch 1,022 Milliarden Euro zur Verfügung, nach 1,005 Milliarden im Vorjahr - die Arbeitslosigkeit weiter nach oben treiben, glaubt Hundstorfer nicht. Die Eingliederungsbeihilfen seien effizient, der Arbeitsmarkt entwickle sich zudem besser als ursprünglich angenommen. Er sehe gewisse Signale einer Entspannung, wenngleich man von einer "echten" weit entfernt sei. Die in der Industrie verlorenen acht bis zehn Prozent der Arbeitsplätze kämen jedenfalls nicht mehr wieder. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 26.5.2010)

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