SVA vs. Ärztekammer

Kein Kassenvertrag für Gewerbetreibende: Stöger verärgert

25. Mai 2010 17:31
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    Gesundheitsminister Stöger findet das Patt zwischen Gewerbetreibenden und Ärzten "nicht akzeptabel". Sein Appell: "Weiterverhandeln" bis Ende Mai.

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    SVA-Obmann Leitl, Ärztekammerpräsident Dorner: Handshake ohne Einigung.

Verhandlungen zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung gescheitert - Gesundheitsminister: "Weiterverhandeln bis zum Schluss"

Wien - Im Honorarkonflikt zwischen der Sozialversicherung der Gewerbetreibenden (SVA) und der Ärztekammer (ÖÄK) hat es Dienstag Nachmittag keine Lösung gegeben, die Verhandlungen sind gescheitert. Damit steht ab 1. Juni ein vertragsloser Zustand ins Haus, bestätigten beide Seiten vor Journalisten. Einen konkreten Zeithorizont für eine Lösung gibt es derzeit nicht, man wolle aber neue Wege für die Zusammenarbeit suchen, erklärten Ärztekammerpräsident Walter Dorner und SVA-Chef Christoph Leitl.

Lösung bis 1. Juni gescheitert

Die Verhandlungen seien auch daran gescheitert, dass es seitens der SVA keine Anpassung des Leistungsvertrages gebe, hieß es von der Ärztekammer. Seit 2004 habe es keine Anpassung der Honorare gegeben, erklärte Günther Wawrowsky, Vizepräsident der Ärztekammer. Die Ärzte hätten sich eine Anpassung sowie eine leichte Umstrukturierung gewünscht, die SVA habe aber weitermachen wollen wie bisher. Ein vorgelegtes Papier der SVA enthalte Vorschläge, die in kurzer Zeit ohnehin nicht machbar gewesen wären.

Dorner meinte, man werde sich die Vorschläge der SVA genau ansehen. Bis Ende September wolle man ein neues und modernes System erarbeiten, sodass eine Win-Win-Situation entstehe. Auch Leitl betonte, dass man in Zukunft nach einer völlig neuen Lösung suchen wolle, dabei solle das System mehr in Richtung Vorsorge gehen. Laut Wawrovsky könne man den Patienten allerdings derzeit keinen Zeithorizont nennen, bis wann es eine Lösung geben werde.

Pattstellung kommt Patienten teuer

Im Falle des vertragslosen Zustand müssen die betroffenen Patienten die Leistungen beim Arzt bar bezahlen und erhalten nur 80 Prozent des Tarifs zurück, den die Ärzte bisher den Kassen verrechnet haben. Der stellvertretende SVA-Obmann Martin Gleitsmann erklärte allerdings, man habe allen 8000 niedergelassenen Ärzten angeboten, ihre Leistungen auch in Zukunft über die E-Card zu verrechnen. Als Anreiz biete man eine vierprozentige Erhöhung der Honorare.

Dies stößt bei der Ärztekammer auf Unverständnis, da die SVA eine vierprozentige Erhöhung im Herbst noch abgelehnt habe. Die Ärztekammer empfiehlt den Ärzten nun, Honorarnoten zu stellen. Laut einer Empfehlung sollen diese Tarife um 20 Prozent höher ausfallen als derzeit.

Stöger verärgert: "Nicht akzeptabel"

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) zeigt sich über den vorzeitigen Abbruch der Honorarverhandlungen zwischen SVA und Ärztekammer verärgert. Er habe für einen vertragslosen Zustand "keinerlei Verständnis", ließ der Minister am Dienstag ausrichten, dies sei "nicht akzeptabel". Stöger fordert weitere Verhandlungen bis zuletzt.

Die Patienten hätten ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung, hier seien sowohl Ärzte als auch Sozialversicherung in der Pflicht. Eine funktionierende Sozialpartnerschaft müsse ihre Aufgaben wahrnehmen und zu einem Ergebnis zu kommen. Bis Ende Mai sei schließlich noch Zeit, hieß es im Gesundheitsministerium. Stöger will nun beide Verhandlungsparteien, also Ärztekammerpräsident Dorner und SVA-Chef Leitl, zur Berichterstattung kontaktieren.

Patientenanwalt: "Zumutung"

Der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer bezeichnete die Situation nach den gescheiterten Verhandlungen als "Zumutung". Der Patient habe
keinen Einfluss auf die Verhandlungen, trage aber die Konsequenzen, kritisierte Brustbauer am Mittwoch.

(APA)

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M.Koller
27.05.2010 17:53
Beschwerde

Ich habe eine massive Beschwerde an die vier beteiligten Institutionen geschickt. Wer noch Interesse hat, hier die benutzten Mailadressen:

Generaldirektion@svagw.at
office@wko.at
post@aerztekammer.at
buergerservice@bmg.gv.at

Mich interessiert absolut nicht, wer angeblich schuld ist. Wenn deren Arbeit aber gescheitert ist, sollte m.E. eine Zwangsverwaltung eintreten: Ewige Fortschreibung der alten Gebühren, bis sich die Kinder einigen bzw. Entlassung der unfähigen Organe.

Für jeden Zwangsversicherten eine reine Zumutung.
Zum Glück haben die Selbständigen ja viel Freizeit...

raubi
27.05.2010 13:04
SVA - Ärztekammer

Ich gehe einmal davon aus, dass niemand gerne bei der SVA versichert ist.

ABER: Die Ärztekammer möchte von der SVA noch höhere Tarife als jetzt schon gezahlt werden. Warum sollen die Versicherten das auch noch unterstützten und sich vor den Karren der Ärztekammer spannen lassen?
Die Aufgabe der Krankenkasse ist es ökonomisch zu arbeiten und für ihre Versicherten Leistungen zu fairen Preisen auszuhandeln.

pacatianus
 
04.06.2010 14:18

Tarifunterschiede und Geldsorgen der SVA ganz einfach erklärt:Die SVA beteiligt sich nicht an den Kosten für den Wochenendbereitschaftsdienst, zahlt keine Beiträge im Rahmen der Vertragspartnerschaft,keine Beiträge für Ordinationsbedarf, Spritzen Nadeln Medikamente Porto,keine Kilometerabgeltung im Ort bei Visiten.Die von den Ärzten finanzierte Diskettenabrechnung hat den Arbeitsaufwand massiv veringert, Die SVA hat aber die Zahl ihrer Angestellten nicht reduziert und leistet sich eine exquisite Infrastruktur mit teuren Häusern und denkt nicht daran hier was zu ändern.Die Beitragszahler haben zum Teil sehr niedrige Beiträge Bezahlt, die den tatsächlichen Einkommen nicht entsprechen zb Schwarzarbeit zb Steuerhinterziehung. Noch mehr Frage?

M.Koller
27.05.2010 18:00
...bin gerne bei der SVA versichert!

Ich bin seit fast 15 Jahren bei der SVA versichert und wegen Behinderung unserer Tochter leider quasi Stammkunde: Ich kann die SVA aber wirklich loben!

Es geht immer wieder um hohe Kosten für Hilfsmittel, es wurde immer alles rasch, vernünftig und 'großzügig' behandelt - ist bei den GKK angeblich gar nicht so.

Ist halt wie bei jeder Versicherung: wer die Leistung nie benötigt, ist über die Kosten verärgert. Wir als Betroffene können aber eigtl. nur Gutes berichten! Die Beiträge sind außerdem geringer als DN+DG bei Angestellten, Hauptteil entfällt ja auf PV-Beiträge.

Richard Ernst
02.06.2010 01:44
SVA Beiträge sind nicht niedriger

Die KV-Beiträge bei der SVA sind nominell nicht niedriger als bei Angestellten: Aktuell sinds 7,65%, und das entspricht gerechterweise genau dem Prozentsatz bei den anderen Berufsgruppen, zb. Angestellte 3,825 Arbeitnehmer + 3,825 Arbeitgeber. (Gilt seit 2008, vorher wars für Selbständige am teuersten)

M.Koller
02.06.2010 08:58
Danke, Sie haben recht!

7,65% seit Einführung der Selbständigenvorsorge.
Finde es auch ok und gerechet, aber nur bei bisheriger Regelung mit Sachbezug uns 20% Selbstbehalt. Ich habe anläßlich des jetzigen Totalversagens bei der SVA per Mail+Fax meinen Anspruch auf Sachbezug und etwaigen Schadenersatz deponiert.

Die Dame an der Hotline hat mir klammheimlich in allen Punkten zugestimmt. Der Witz ist ja: 20% SB waren bisher beitragserhöhend, also ESt-senkend, also 10-12% netto. Nun soll man 20-40% privat netto zahlen, das wäre das VIERFACHE.

Ich habe meinen Anspruch auf Sachbezug schriftlich deponiert und hoffe, daß das möglichst viele machen.

Chocoholic
27.05.2010 21:08
Die Versicherung hat angeblich auch die meiste Kohle, deswegen wird jetzt ein Theater aufgefuehrt,

dass die darin Versicherten alle begeistert aufjubeln, wenn die Krankenkassen zusammen gelegt werden....

glücksprinzip
27.05.2010 11:57
Email von der Fachgruppe der WKW:

Einladung zum Gesundheitstag - "[...] wollen Sie zu einem gesunden Lebensstil motivieren!" - ich fühl mich verarscht!

Knut Hamsun
27.05.2010 09:27
Zwangsversichert

Jede normale Versicherung würde ich wegen Verschlechterung der Leitung kündigen, nur bei der SVA bin ich zwangsversichert. Deshalb können die anscheinend machen was sie wollen.

Plan B: Nicht krank werden und früh sterben.

Richard Ernst
02.06.2010 01:48
Plan B Kassenwechsel

Wer dazu die Möglichkeit hat, sollte als Selbständiger ein paar Aufträge per Dienstnehmervertrag abwickeln, wodurch eine Versicherung ohne Selbstbehalt bei der GKK gegeben ist. Hilft zumindest vielen kleinen Selbständigen.

Eisbaer14
29.05.2010 02:48
Verstehe ich nicht.

Die Leistung bleibt doch gleich. Die SVA zahlt dir das gleiche wie bisher.

RS69
29.05.2010 12:03

Tut Sie nicht: Ich wäre Geldleistungsberechtigt und habe aufgezahlt, um beim Arzt sachleistungsberechtigt zu sein.

Wenn ich GEldleistungsberechtigt bin, zahl ich für die Leistugnen mehr.

Josef Malik
26.05.2010 18:04

Kann man eigentlich irgendwo brauchbare Beratung bzgl. des Verlegens des Firmensitzes ins Ausland erhalten?

Ich habe zwar relativ wenig Zeit, mich neben der Arbeit auch noch um solche Dinge zu kümmern, aber irgendwann ist das Maß einfach voll. Wie komme ich dazu, diesem System monatlich tausende von Euros in den Rachen werfen zu müssen, nur um dann vom Finanzminister mit Plakataktionen verhöhnt und vom Kammerunwesen wie ein ausgelutschter Kaugummi ausgespuckt zu werden?

Firmenverlagerungen sollten nun koordiniert vorbereitet und durchgezogen werden. Wenn sich die Zahl der SVA-Beitragszahler um sagen wir 100.000 verringert, wäre das wohl ein Argument, welches nicht mehr einfach verschallen würde.

Schwalbe
27.05.2010 14:32
na also:

"Selbständige sind in der Regel in dem Land krankenversichert, in dem sie ihre Tätigkeit ausüben. Dies gilt auch, wenn sie ihren Wohnsitz im Heimatland beibehalten....."

http://www.eu-info.de/arbeiten-... 5865/6922/
http://www.eu-info.de/arbeiten-... ropa/5865/

Ingrid Goeschl1
26.05.2010 20:47

Man darf als bekannt voraussetzen, dass es eine Vielzahl von SteuerberaterInnen und RechtsanwältInnen gibt, die diesbezüglich beraten (ist ja ihr Job).

Man sollte annehmen, dass Sie - wenn Sie tatsächlich Unternehmer sind - das wissen.

Chocoholic
27.05.2010 07:11
Haben Sie schon einmal deren Rechnung erhalten?

Man sollte annehmen, dass gewisse Informationen auch ohne 100 Euro pro Stunde (oder noch mehr, wenns ja europaeisches Recht beinhaltet) zu zahlen hat.

Ingrid Goeschl1
27.05.2010 11:15

Bieten Sie Ihre Arbeit auch kostenlos an oder sollen das nur andere für Sie tun?

ElChris
27.05.2010 07:39
Witzig

Wenn Sie ernsthaft glauben, dass seriöse Beratung zum Transfer des Firmensitzes ins Ausland für weniger Geld zu haben ist leben Sie Glücklicher in einem Traumland.


In Summe sollte das aber auch kein Thema sein - wenn eine Firma so wenig bringt, dass der Inhaber über ein paar 100 Euro jammern muss, dann zahlt sich ein Transfer ins Ausland so und so nicht aus.

Ingrid Goeschl1
27.05.2010 09:14

Ich denke auch, wenn man sich nicht einmal die Kosten der Beratung leisten kann sollte man vielleicht die kühnen Träume vom Großunternehmen im Ausland etwas auf den Boden der Realität zurückholen.

PS: Die Wirtschaftskammer bietet kostenlos sehr gute Rechtsberatungen an, die mit den so oft kritisierten Beiträgen finanziert werden.

Schwalbe
27.05.2010 14:27

posten Sie beruflich für die kammer?

Ingrid Goeschl1
28.05.2010 09:45

Nein, überhaupt nicht, ich bin eine Grüne und zweifellos keine Anhängerin des Wirtschaftsbundes, sicher aber eine Anhängerin der Sozialpartnerschaft.

Es stimmt jedenfalls, dass die Kammer für manche Dinge (Gewerbeordnung, Steuer etc.) sehr gute Beratungen kostenlos anbietet, ich mache selbst immer wieder Gebrauch davon.

Man muss immer so fair sein und die positiven Dinge anerkennen, auch wenn manches zu kritisieren ist.

Außerdem finde ich es ungut, in Billiglohn- bzw. Billigsteuerländer zu firmieren und gleichzeitig die österreichische Infrastruktur und Gegebenheiten, die die anderen SteuerzahlerInnen finanziert haben, zu nutzen.

stex
26.05.2010 16:11
Boykott

Ich werde die SVA-Beiträge zahlbar bis 31.05.2010 auf jeden Fall zurückhalten und der SVA, sowie der Wirtschaftskammer eine diesbezügliche Mitteilung zukommen lassen.

Ich finde diese Situation absurd.

Iron Ed
27.05.2010 21:31
Wird wohl nicht so optimal sein . . .

. . . weil einerseits Pflichtversicherung kraft GSVG besteht und auch ein Leistungsanspruch besteht. Nur die Abwicklung ist teurer, komplizierter . . .
Es sei denn, Ihr Arzt rechnet weiter mit e-card ab. Dies darf er, die SVA akzeptiert das auch und zahlt dem Arzt 4 % mehr als den Tarif!

Josef Malik
26.05.2010 18:22

Sie sollten da vorsichtig sein. Während nämlich die SVA ihre Leistung nun auf der einen Seite einstellt bzw. massiv verschlechtert, ist sie auf der anderen Seite trotzdem blitzschnell mit dem Konkursrecht zur Stelle, wenn Sie ihre Zwangsabgaben nicht termingerecht und vollständig abliefern.

Die beste Antwort auf diesen Affront wäre wohl eine konzertierte Abwanderungsaktion der Selbständigen ins Ausland. Eine andere Möglichkeit, wie man dieser blutsaugenden Bonzokratur die Gelder entziehen könnte, fällt mir angesichts der Gesetzeslage leider nicht ein.

Oder um es mit web2.0 zu sagen: Zur schon länger vorbereiteten Domain 'sva-vertragsfreie-zeit.at' wäre 'abwandern.at' eine passende Antwort.

wrh
26.05.2010 21:22

Nein, wegen ein paar Tagen Zahlungsverzögerung braucht man keine gravierenden Maßnahmen befürchten. Was das "Konkursrecht" (?) in diesem Zusammenhang hier zu suchen hat, verstehe ich schon gar nicht.

Aber damit, dass die SVA Verzugszinsen auf den Tag genau abrechnet, sollte man sich bewußt sein.

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