BPs Deepwaterloo

25. Mai 2010, 16:58
10 Postings

British Petroleum, die gesunkene Bohrinsel und der Boykott auf Facebook

Ein Totenschädel, darunter steht "british poison". Ein dunkel gehaltenes BP-Logo, von dem eine schwarze schmierige Brühe herunterrinnt. Eine vollgeschmierte Erdkugel, ein ölverschmierter Vogel; "BP" als Abkürzung für "blind profit", "British Polluters", "burning platforms", "british poison", "big profits", "bankrolling pollution", biggest polluter" etc. ... - Wenn Greenpeace UK zum Wettbewerb "Rebrand BP" lädt, wird nicht das kleinste Öl-Näpfchen ausgelassen.

Der Anlass für den Wettbewerb ist wohl bekannt: Die Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" ist am 20. April im Golf von Mexiko explodiert und gesunken. Seitdem strömten und strömen aus einem Leck am Meeresgrund zehntausende Tonnen Öl ins Meer. Dies und die Hilflosigkeit des Konzerns aus dem Mineralölsektor (der in eher progressiven Kreisen ohnehin ein eher katastrophales Image hat) machen British Petroleum in diesen Tagen und Wochen zu einem der meistgehassten Unternehmen der Welt.

Und wo bricht sich dieser Hass hauptsächlich Bahn? Klar, im Netz.

Die Facebook-Seite "BoycottBP" hat schon über 90.000 Fans, es existiert auch eine zweite gleichen Namens mit rund 3.000 Unterstützern. Dann gibt es eine weitere die "Boycott BP until they clean up their mess in the Gulf!" heißt (knapp tausend), sowie eine österreichische Entsprechung, die sich "Wir tanken nicht mehr bei BP" nennt und von der ehemaligen ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ja, es ist die echte Andrea K., die mit dem Schweinsbraten) gegründet wurde (ebenfalls rund tausend Fans bis dato).

Und auch auf Twitter hat sich bereits ein Zyniker eingefunden, der unter dem Namen "BPGlobalPR" zur Causa Prima mehr oder weniger lustige Nachrichten wie diese verbreitet: "Stolz geben wir bekannt, dass BP heuer das New Orleans Blues Festival sponsern wird. Mit einem Special Tribute to Muddy Waters." (Den offiziellen Tweet von BP findet man übrigens hier.)

Fans von BP sind derzeit auf Facebook an wesentlich weniger Händen abzählbar, es sind nicht mal 2.000. Mit "Deepwater Horizon Response" hat BP aber jedenfalls eine eigene Seite für die Bekämpfung der Ölpest bzw. die Verlautbarung der Fortschritte im Kampf gegen das Öl im Meer in Facebook gestellt (knapp 25.000 Gruppenmitglieder).

Der Wettbewerb von Greenpeace UK läuft übrigens noch bis Ende Juni. Und es sieht leider nicht so aus, dass BP bis dahin das Problem auf dem Meeresgrund in den Griff kriegen wird. (derStandard.at, 25.5.2010)

  • Artikelbild
Share if you care.