Selbsthass und Schönheit

25. Mai 2010, 16:36
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Die US-Band gastiert auf ihrer aktuellen Europatour in Wien und Graz - Im Gepäck hat sie ihr neues Album "Dear God, IHate Myself"

Wien - Viele Sonnentage sind seit ihrem letzten Österreich-Auftritt beim Kremser Donaufestival noch nicht ins Land gezogen. Dort haben Xiu Xiu gemeinsam mit Deerhoof das Album Unknown Pleasures von Joy Division interpretiert. Nachdem Xiu Xiu aber ohnehin eine stimmungsmäßig eher bewölkte Band ist, die auch vor Gewitter samt Blitz und Theaterdonner nicht zurückschreckt, streift die Formation aus Kalifornien auf ihrer laufenden Europatour nun auch Wien und Graz. Aktueller Anlass ist das neue Album mit dem wenig lebensfrohen Arbeitstitel Dear God, I Hate Myself.

Entgegen der damit angedeuteten defätistischen Richtung spielt die Band um Mastermind Jamie Stewart allerdings weniger zerrütteten als viel mehr hübschen Pop. Wobei - Schönheit, die ist relativ.

Vertrackte Motive

Denn die bei der Ästhetik des 1980er-Jahre-Postpunk Anleihen nehmende Band spielt nach wie vor gerne mit vertrackten Motiven, betrachtet sich selbst beim Stolpern über fiepsende Melodien oder zerlegt diese mit Genuss.

Stewarts Stimme presst sich mit existenzialistisch bedroht wirkendem Vibrato durch viele seiner Stücke, während der Synthesizer sich oft nicht entscheiden kann, ober er Freund oder Feind der Komposition sein möchte. Der verhandelte Weltschmerz, die Seelenpein wird dieserart filetiert und offengelegt.

Dass führt gerade live immer wieder zu aktionistischen Darbietungen des Exzentrikers, der in der Vergangenheit mit Größen wie Michael Gira von den Noise-Berserkern Swans gearbeitet hat. Oder auch mit dem schrägen Folkie Devendra Banhart. Um nur einige zu nennen, mit denen die umtriebige Formation sich in den Jahren seit ihres 2002-Debüts Knife Play künstlerisch ausgetauscht hat.

Dear God, I Hate Myself schließt ästhetisch an frühere Werke an, verschleiert mit Störgeräuschen die schöngeistige Ausrichtung der meisten Stücke. Manchmal augenzwinkernd, manchmal bierernst, immer überraschend. Live eine Bank. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 26.05.2010)

 

26. 5., Wuk, Währinger Straße 59. 20.00
27. 5., 8020 Graz, Postgarage, Dreihackengasse 45. 20.00

  • Exzentriker zwischen Defätismus und rarer Schönheit: Xiu Xiu.
    foto: kill rock stars

    Exzentriker zwischen Defätismus und rarer Schönheit: Xiu Xiu.

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