Sicherheitsnetz für Fremdwährungskredite

25. Mai 2010, 14:50
1 Posting

Kunden mit Krediten in fremder Währung stehen vor einer quälenden Frage. In den Euro wechseln und Verluste realisieren oder hoffen, dass sich die Lage wieder entspannt

Rund 250.000 Fremdwährungskredite laufen noch in Österreich. Seit die FMA diese einst beliebte Finanzierung de facto abgedreht hat, stecken die Kreditnehmer in den gewählten Währungen fest. Ein Wechsel ist nur mehr in den Euro möglich. Bleibt die Frage, die sich viele aufgrund der Turbulenzen um den Euro stellen: Was tun?

Zwar haben die Banken von der FMA den Auftrag bekommen, den Kreditnehmern günstige Angebote zum Euro-Wechseln zu unterbreiten - ob die de facto aber wirklich so günstig sind, sei dahingestellt. Denn im besten Fall ist der Zinssatz für ein Jahr gratis; dann unterliegt man den Schwankungen am Zinsmarkt. Ein Umstieg in den Euro hieße auch, die Verluste, die zweifellos die meisten Kreditnehmer haben, zu realisieren. Aussitzen ist die andere Variante; die Situation soll, so meinen viele Analysten, noch im Laufe des Jahres besser für den Euro werden. Und sobald die Europa-Währung sich wieder erfangen hat, sollte man unbedingt an eine Absicherung eines guten - im besten Fall jenes zum Zeitpunkt des Einstiegs - Kursniveaus denken.

Strategie für die Absicherung

Wer also wegen allfälliger Verluste nicht in den Euro zurückwechseln und den Wechselkurs absichern will, kann das relativ kostengünstig mit Zertifikaten machen. Am einfachsten und schnellsten geht das mit sogenannten Mini-Short-Optionen - etwa von der Royal Bank of Scotland (RBS, früher ABN-Amro) in der jeweiligen Kreditwährung, die über das Internet gekauft werden können.

Ein Rechner erleichtert auf der Homepage die Auswahl des Hebels und Kapitaleinsatzes: Je höher der gewählte Hebel, desto weniger Kapitaleinsatz ist nötig. Wenn der Kurs der gewählten Kreditwährung zum Euro steigt (der Euro also fällt), verdient man die erlittenen Verluste mit der Short-Option dazu. Aber Vorsicht: Ein hoher Hebel ist auch deutlich gefährlicher als ein geringerer Hebel, weil er sich bei steigenden Euro-Kursen dann mit voller Wucht gegen einen richtet.

Alle Hebelzertifikate haben nämlich einen sogenannten "Knock-out" - wird bei "Shorts" also ein gewisser Wechselkurs überschritten, verfällt das Zertifikat und der Einsatz geht verloren. Verlieren kann man aber höchstens den Geldeinsatz für den Kauf der Mini-Short-Option; ein Nachschießen gibt es nicht. Als sogenannte "Waves" gibt es diese Zertifikate auch bei der Deutschen Bank.

Wer ein Umstiegsangebot auf den Euro annimmt und steigende Euro-Zinsen verhindern will, kann mit Short-Zertifikaten auf den deutschen Bund Future (zum Beispiel "Bund Future Mini Short") vorsorgen und sich die aktuell günstigen Niveaus sichern. Der Bund Future fällt nämlich, sobald die Zinsen steigen.

Sicherung der Franken-Zinsen

Wer an steigende Zinsen auf breiter Front in mehreren Ländern - inklusive der Schweiz (die wahrscheinlich ohnehin als Erste die Zinsen anheben wird) - glaubt, kann dieses Instrument auch zur Sicherung der Franken-Zinsen nutzen. Allerdings lässt sich das Resultat keinesfalls 1:1 umsetzen. Bei den Yen-Zinsen - hier würde der JGB Future "geshortet" - zahlt sich ein Einsatz kaum aus, weil die Zinsen noch eine ganze Weile am Boden bleiben sollten.

Mit dem Zertifikat wird dann jenes Geld verdient, das die gestiegenen Kreditzinsen wettmachen soll. Auch die Bund-Zertifikate laufen endlos; wichtig ist, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zur Knock-out-Schwelle einzuplanen, weil auch hier - wie bei allen Hebelzertifikaten - beim Durchbrechen derselben das gesamte eingesetzte Kapital verlorengeht. (Rainhard Kremer, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.5.2010)

Share if you care.