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25. Mai 2010, 14:21

Schon vor Beginn der WM stehen in Südafrika die großen Gewinner und Verlierer fest. Während Obdachlose in Auffanglager gesteckt werden, schieben die FIFA, ausländische Konzerne und einheimische Politiker einander die Profite zu

Es mag kaum überraschen. Wie vor sportlichen Großereignissen üblich, wurde auch in Südafrika eine vielstimmige, mit gehörig Prominenz angereicherte Propagandamaschine angeworfen, um die enormen Kosten des Mega-Events zu rechtfertigen. Zur Entwicklung des Landes werde die WM beitragen, Arbeitsplätze schaffen und den Tourismus ankurbeln. Das Image des Landes und des gesamten Kontinents werde verbessert und die südafrikanische Gesellschaft, die »Rainbow Nation«, weiter zusammenwachsen. Nach derzeitigem Stand: eine Reihe leerer Versprechungen.

Auffanglager für Straßenkinder

Durch die Öffentlichkeit spuken währenddessen die alten Gespenster: Ausgerechnet die Ermordung des notorischen Rechtsextremisten Eugène Terre'Blanche Anfang April veranlasste die internationalen Medien dazu, aufs Neue die südafrikanische Gewaltkriminalität von sorgenvoll wackelnden Kommentatorenköpfen inspizieren zu lassen. Zugleich erscheint das »bessere Leben für das südafrikanische Volk«, wie es der damalige Präsident Thabo Mbeki im Jahr 2006 verkündete, für große Teile der Bevölkerung weiterhin als unerreichbares Ziel.

Für einige Bevölkerungsgruppen bedeutet die WM sogar eine spürbare Verschlechterung ihrer Lage. Seit Monaten berichten südafrikanische Medien, dass in den WM Austragungsorten Bettler, Drogensüchtige und Prostituierte immer stärker ins Visier der Polizei geraten. Bereits im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurden in mehreren Großstädten (Johannesburg, Durban, Kapstadt) Straßenkinder und andere Obdachlose aus den Stadtzentren entfernt und in Auffanglagern untergebracht.

Den ausländischen Fußballfans bleibt der Anblick der Deklassierten damit ebenso erspart wie deren angebliche kriminelle Neigungen. Auch die zahlreichen Straßenhändler werden von der Weltmeisterschaft nicht profitieren - ganz im Gegenteil. Sie sind aus den lukrativsten Bereichen rund um die Stadien und in den offiziellen Fanzonen ausgesperrt, wo - ähnlich wie bei der WM 2006 - Geschäftspartner der FIFA wie Budweiser, Coca-Cola und McDonald's exklusive Verkaufsrechte besitzen.

Eine weitere Gruppe, auf die sich die WM fatal auswirkt, sind die Bewohner von Elendsquartieren, sofern sie dem Ausbau von Sportstätten oder Verkehrsachsen im Weg sind - oder auch nur dem Bedürfnis der lokalen Machthaber, ihre Stadt zu »verschönern«. Schließlich geht es den südafrikanischen Eliten nicht zuletzt darum, der Welt ein Bild Südafrikas zu vermitteln, aus dem die Armut weitgehend getilgt ist.

So wurden etwa in Kapstadt informelle Siedlungen entlang der Verbindungsstraße zwischen Flughafen und Stadtzentrum abgerissen und durch neue Mietwohnungen ersetzt, in die allerdings nur ein Teil der ursprünglichen Bewohner zurückkehren durfte. Die übrigen Betroffenen müssen - so wie andere Zwangsumgesiedelte - vorerst mit am Stadtrand gelegenen »Temporary Relocation Areas« vorliebnehmen. In Blikkiesdorp, der Tin Town, leben sie jetzt in Wellblechhütten unter desolaten hygienischen Bedingungen, weit entfernt von ihren früheren Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und Schulen.

Die Brosamen der FIFA

Nach außen präsentiert sich das Veranstalterland der WM 2010 gänzlich anders - mit Unterstützung seiner Partner. Im nur wenige Kilometer von Blikkiesdorp entfernten Khayelitsha, dem größten Township von Kapstadt, heißt es seit Dezember 2009 »Football for Hope«. So nennt sich jenes Programm, das Jugendlichen in mehreren afrikanischen Städten nicht nur eine moderne Fußballinfrastruktur bietet, sondern auch Bildungsmaßnahmen unterstützt. Finanziert wird es zum größten Teil aus Mitteln der FIFA, die damit ihr soziales Verantwortungsbewusstsein zu zeigen versucht.

Doch dabei handelt es sich um Brosamen, die von jenem reich gedeckten WM Tisch fallen, an dem die FIFA genüsslich tafelt. Von 2002 bis 2006 lag ihr Gesamtgewinn, der fast ausschließlich den Fußball-Weltmeisterschaften zu verdanken war, bei 816 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet mehr als 500 Millionen Euro). Auf der Einnahmenseite kann die FIFA bei der WM 2010 mit weiteren Zuwächsen rechnen - allein durch den Verkauf der Fernsehrechte werden über zwei Milliarden Euro eingenommen, mehr als bei den zwei vorangegangenen Weltmeisterschaften zusammen.

Die Gewinne der FIFA fallen nicht zuletzt deshalb so enorm aus, weil der größte Teil der WM-Infrastruktur (insbesondere die Sportstätten selbst) vom Veranstalterland finanziert werden muss. Diese Investitionen liegen mittlerweile um ein Vielfaches über der ursprünglich veranschlagten Summe. Waren für den Bau bzw. die Modernisierung der Stadien anlässlich der WM-Bewerbung 818 Millionen Rand budgetiert worden, so hat sich diese Summe mittlerweile auf über zehn Milliarden Rand (knapp eine Milliarde Euro) mehr als verzehnfacht. Dazu kommen Infrastrukturinvestitionen in ungefähr derselben Höhe. Zum Vergleich: Der im Budget Südafrikas von 2009/10 für Landreform und -restitution - eines der drängendsten Probleme des Landes - vorgesehene Betrag beläuft sich auf 5,4 Milliarden Rand.

»Fernsehzuschauer wollen Armut nicht sehen«

Die Kosten sind unter anderem deshalb so massiv gewachsen, weil nicht die bestehenden Stadien in Kapstadt und Durban - wie ursprünglich vorgesehen - adaptiert, sondern völlig neue Sportarenen gebaut wurden. In Kapstadt zeigte sich besonders deutlich, wie Politiker, FIFA und Privatunternehmen zusammenwirkten, um kostspielige öffentliche Investitionen durchzusetzen.
Bei der Bewerbung für die WM war noch von einer Modernisierung des hauptsächlich für Rugby benutzten, knapp über 50.000 Zuschauer fassenden Newlands-Stadions gesprochen worden. Kurz danach fasste die Provinzregierung den Plan, stattdessen das bestehende Fußballstadion in Athlone zu erweitern und WM-tauglich zu machen.

Doch es sollte anders kommen: Denn aufgrund der Ärmlichkeit dieses Stadtviertels lehnte eine FIFA-Delegation, die 2005 die möglichen Austragungsorte inspizierte, Athlone als WM-Schauplatz ab. »Eine Milliarde Fernsehzuschauer wollen diese Hütten und eine derartige Armut nicht sehen «, lautete angeblich die Begründung eines der Delegierten. Als Alternative drängte die FIFA auf einen Stadionneubau in Green Point, einem wohlhabenden Bezirk, zwischen Tafelberg und Meer gelegen und somit für die mediengerechte Inszenierung der Fußball-WM bestens geeignet. Das südafrikanische Organisationskomitee stimmte der FIFA-Initiative schließlich ebenso zu wie die Stadt- und Provinzregierung, denen die Austragung eines Semifinalspiels in Kapstadt und damit weltweite mediale Aufmerksamkeit versprochen wurde. Auch einflussreiche Wirtschaftstreibende aus der Bau- und Tourismusbranche setzten sich für Green Point ein.

Ungleichheiten verschärft

Der Bau des Green Point Stadium kostete schließlich mehr als drei Milliarden Rand (etwa 300 Millionen Euro). Es wird während der WM 68.000 Zuschauern Platz bieten - und nach der WM, selbst nach dem vorgesehenen Rückbau auf eine Kapazität von 55.000 Zuschauern, die Stadtverwaltung vor das gleiche Problem stellen, vor dem auch die meisten anderen Spielorte stehen werden: das Problem der Nachnutzung. Bereits jetzt rechnet man in Kapstadt damit, dass Stadionbetrieb und -erhaltung selbst bei guter Auslastung (etwa durch Konzerte, politische und religiöse Versammlungen) einen jährlichen Verlust von sechs Millionen Rand (ca. 600.000 Euro) einfahren werden.

Für den lokalen Profifußball ist das Stadion völlig überdimensioniert: Im Schnitt besuchen 1.000 bis 2.000 Zuschauer die Spiele der beiden Erstligaklubs Santos und Ajax Kapstadt, selbst das bisher letzte Meisterschaftsderby im November 2009 sahen nicht mehr als 7.000 Fans. Andere Austragungsorte wie Nelspruit, dessen neu gebautes Stadion mehr als 40.000 Zuschauer fasst, verfügen gar nicht über eine Erstligamannschaft...

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Posting 1 bis 25 von 67
1 2
mayean
00
27.5.2010, 17:11

Immer ist alles noch furchtbarer als man es sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen würde...

Bart Spencer
10
27.5.2010, 07:55
Wer reist in ein Land,

wo 1 Monat lang Drogensüchtige, Obdachlose etc. im Fernsehen zu waren? Hier im Standardforum wahrscheinlich doch nicht so wenige, aber die Organisatoren gehen einfach davon aus, dass es sich besser auf den Tourismus auswirkt, wenn man oben angeführte Personen nicht dauernd im TV sieht. Und wenns der Wirtschaft gut geht, gehts uns allen gut...

@Konzerne, Profit usw.: ich kann mir vorstellen, dass sich die Fans auch außerhalb der Fanzonen bewegen und das dann auch dem südafrikanischen Hotdog-Verkäufer zu Gute kommt.

absolonion
00
27.5.2010, 16:24

Wirklich? Dass es noch Leute gibt, die diesen hohlen Wirtschaftsspruch zitieren...

the_nesta
01
27.5.2010, 10:23

Gehts der Wirtschaft gut gehts der Elite, Politikern und uns vergleichsweise reichen Schweinen im Westen gut.

Hachtl
00
26.5.2010, 18:54

Für das was die FIFA hier macht sollten sie sich schämen.

Cordylus Cataphractus Violaceus
00
26.5.2010, 16:13

Bei diesem ganzen FIFA-Mist stellt sich mir immer die Frage: Was könnte man dagegen tun? (als gewöhnlicher Konsument)

Ich werd mir sicher keinen Fanartikel-Schrott kaufen oder irgendein Angebot wegen WM-Zuckerl annehmen, aber sehen will ich's halt trotzdem...

Elektron
10
27.5.2010, 00:08
VERBOT von Sportwetten

Sportwetten verbieten und den dazugehörenden Bereich der Finanz- und Wirtschaftskriminalität aufzeigen ist möglicherweise eine zielführende Methode diesem Gigantismus und der tatsächlich unsportlichen Welt den Mamon abzugraben.

Journalistische Negativberichterstattung ist freilich auch ein Mittel ein Stück zum Positven beizutragen. Persönlich freue ich mich darüber. Es bring beim Lesen das Nachdenken in trab.

Fussball lebt vom Idealissmus und der Begeisterung der Spieler und den Zuschauern. Gelddinge der Sportwetten und der Großwirtschaft bauen ein Lügengebilde um so einen schönen Mannschaftssport.

Ich hoffe auf sportliche Fairness und Freude

Euer Elektron

Flo S.
11
26.5.2010, 13:45
Leider entwickelt sich die Welt in eine Scheinwelt...

...wo nur mehr "kurzfristig max. Ausbeute" an forderster Front steht. Auf welchen Rücken dieses System ausgetragen wird ist den Bonzen egal, Hauptsache sie sind unter sich, lassen den ganzen Tag "Puppen" nach ihren Willen tanzen (welche sich zu späterer Stunde ändern) und lachen sich eines ins Fäustchen, da sie wieder einige Millios mehr am Konto haben. Nachdem alles Vorbei ist ein bischen "blabla" für die Öffentlichkeit und dann gehts zum nächsten "Feiergelage"...die regionalen Resourcen werden erschöpft, Schulden werden gemacht und die Konsequenzen sind noch jahrzente lang spürbar...jedoch nicht für die Herren, sondern für das arbeitende Volk...es ist die gleiche Vorgehensweise wie bei Großkonzerne und AG´s...Stupid!

Dans Hichand
01
26.5.2010, 13:29

Boykott aller Events der UEFA/FIFA!
Weg mit dem Fußballdreck!

ScroogeMcDuck
00
26.5.2010, 12:47

Wie stellen die sich das dann in Brasilien 2014 vor? Die Stadien in Rio und Sao Paolo befinden sich nicht gerade in Nobelvierteln, ich vermute in den anderen Städten wirds nicht gravierend besser sein

Mr charlie
00
26.5.2010, 11:58

Italien bekommt keine em bzw keine wm , weil die sicherheit nicht ausreichend ist aber südafrika ist ja bekanntlich das sicherste land der erde ! Mit 5o morden am tag in kapstadt zbsp.....

jerrycantrell
20
26.5.2010, 09:11

der größte witz sind dieses jahr die spielzeiten in der gruppenphase. eine wm für studenten und arbeitslose. kaum durchdachte zeitliche ansetzungen, um halbwegs das gwünscht zielpublikum vor die schirme zu locken. (bei mannnschaften von allen kontinenten/zeitzonen)

organsiationskommitee + fifa, shame on you!

sylvia29
00
26.5.2010, 09:49
rätsle immer noch,

was die lange pause zwischen zweitem und dritten spiel soll. hat irgendwer ahnung?

jerrycantrell
20
26.5.2010, 16:05

wahrscheinlich wollen die feinen herren von der fifa auch genug zeit haben um das prostituiertenangebot in südafrika näher kennen zu lernen

NORACSA
10
26.5.2010, 19:26

so kann man das funktionärsproblem auch lösen...

sylvia29
00
27.5.2010, 09:29
höhö.

so gesehen eh eine gute idee.

achiever
00
26.5.2010, 08:08

warum solls den Südafrikanern anders als den Österreichern gehen?
Ein gewisser Herr Margreiter spricht in Innsbruck, wo ja die EM auch ein totaler Flopp war (finanziell gesehen) ständig von der Wertschöpfung, die dieses Event hatte!

Ich bin mir da nicht mehr so sicher, denn was unterscheidet die einzelnen Fanzonen? Ist doch nur UEFA/FIFA Einheitsbrei, egal ob in Wien, Klagenfurt, Berlin oder JBurg ...
Schade eigentlich

Silvio Lackner
11
26.5.2010, 09:05
Ich begreif nicht, wie Politiker so schlecht verhandeln können. Das sind VOLLDEPPEN:

die lassen sich mit dem "Umwegrentabilität"-Argument total VERARSCHEN!

Ich meine - die berappen ALLE Infrastukturkosten und die FIFA casht für ALLE Lizenzen, vom Bier bis zum Fernsehen.

Bei der EURO 08 in Wien durfte ich nicht einmal die halb ausgetrunkene Plastik - Mineralwasserflasche mit in die Fanmeile nehmen (musste ich vorm Eingang in die bereitgestellte Abfalltonne werfen): offiziell wegen Sicherheitsbedenken. Aber meine Enkel dürfen immer noch die Zinsen fürs Klagenfurter Stadion blechen!!!

In Wahrheit: weil drinnen das lizenzierte Mineralwasser 4,80 Euro kostete.

Ar*********r! Nie mehr geh ich zu so einer Veranstaltung.

BOYKOTT den WM-Veranstaltungen, sie sind schädigend für die ansässige Bevölkerung, ein Nepp!

jeffk
01
27.5.2010, 17:19

ich schaffte es jedes mal einen 6pack in die fanzone mitzunehmen;-)

deiml
03
26.5.2010, 00:15

uefa und fifa wünsch ich nur eins: dass sich irgendwann mal kein land mehr findet dass eine em oder wm veranstalten will.

angebot und nachfrage.

Dr.mumunator
43
25.5.2010, 23:24

Austragungsorten Bettler, Drogensüchtige und Prostituierte immer stärker ins Visier der Polizei geraten.

und was is da schlecht dran??

philidor85
12
26.5.2010, 12:05

bettler sollten ins visier von sozialarbeitern geraten

drogensüchtige in entzugskliniken

prostituierte sind keine kriminellen sondern frauen mit einem sehr harten job die dafür anerkennung verdienen und ich bin sicher, dass einige unter den ehrenwerten fans, denen man diesen anblick nicht zumuten kann, durchaus daran interessiert sind den umsatz eben jener damen zu steigern

valtheWU
42
26.5.2010, 10:48
goschn halten

Dr.mumunator
22
26.5.2010, 11:22
Ja, das hättet ihr Linksextremen gern

spülts oba net!

ravenna
00
27.5.2010, 17:40

Es lebe die Demokratie!

Aber nur, so lange die Wahlergebnisse links ausfallen....

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