iPhone, Playstation und Co.

Selbstmorde: Chinas Arbeiter unter Druck und ohne Hoffnung

25. Mai 2010, 13:53
  • Artikelbild

Harte Arbeits- und Lebensbedingungen am Prüfstand - Schaden für Weltmarken von Apple bis Sony

Hinter den Computern und technischen Spielzeugen der reichen Welt wie iPhone oder Playstation stecken Schicksale chinesischer Wanderarbeiter. Die Serie von Selbstmorden beim weltweit größten Elektronik-Hersteller Foxconn in China wirft ein Schlaglicht auf ihre harschen Arbeitsbedingungen, persönliche Isolation weit weg von ihren Familien und letztendlich auch auf ihre Hoffnungslosigkeit.

Foxconn

Der Freitod seiner Mitarbeiter stellt auch das Produktionsmodell des taiwanesischen Herstellers infrage, der Arbeit und Wohnen in Fabrikstädten vereint. Außerdem schädigt die Kontroverse die Reputation von Weltmarken wie Apple, Dell, Hewlett-Packard oder Sony, die alle bei Foxconn fertigen lassen.

Nirgendwo wird soviel produziert und exportiert wie in China. Mehr als 100 Millionen Wanderarbeiter versorgen die "Werkbank der Welt" mit immer neuen Arbeitskräften. Nach den Selbstmorden heben neun chinesische Sozialwissenschaftler in einem offenen Brief besonders das Schicksal der jungen Arbeiter hervor, die keine Beschäftigung auf dem Lande finden. Sie sehen keine andere Option, als in den Städten nach Jobs zu suchen, die aber schlecht bezahlt und ohne Aussicht auf eine Zukunft sind. "In dem Moment, wo sie wenig Möglichkeiten sehen, durch harte Arbeit in den Städten ein Zuhause zu bauen, bricht die Bedeutung ihrer Arbeit in sich zusammen", heißt es. "Der Weg nach vorne ist blockiert, der Rückzug versperrt."

Rechte

"Gefangen in dieser Situation steht die neue Generation der Wanderarbeiter vor einer ernsten Identitätskrise, was die psychologischen und emotionalen Probleme noch verstärkt", warnen die Experten. Wer sich intensiver mit den sozialen und strukturellen Bedingungen auseinandersetze, verstehe die Ausweglosigkeit der Foxconn-Beschäftigten besser. "Chinas Entwicklungsstrategie über 30 Jahre hat nicht nur ein Wirtschaftswunder geschaffen, sondern auch regionale Ungleichgewichte verschärft, die Stagnation der Gehälter verlängert und Wanderarbeiter ihrer Rechte beraubt."

Aktivisten machen vor allem die harschen Arbeitsbedingungen für die Selbstmorde verantwortlich. "Das Unternehmen muss eine gründliche Untersuchung des Lebens an seinen Produktionslinien einleiten - nicht nur noch mehr oberflächliche, kurzfristige Reparaturen vornehmen", forderte die in New York ansässige Organisation China Labor Watch, die schon länger Probleme bei Foxconn anprangert und Arbeiter zu den Selbstmorden befragt hat. "Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck", berichteten sie. "Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden." Dafür sei Konzentration nötig. "In jeder Schicht (zehn Stunden) fertigen wir 4.000 Dell-Computer - alles im Stehen."

17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Selbstmorde auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete. Arbeiter haben nur einen Tag pro Woche frei, legen dann oft noch Überstunden ein. Vor und nach der Schicht, die mit Überstunden zehn oder zwölf Stunden dauern, gibt es noch unbezahlte Mitarbeitersitzungen, berichtet die Organisation. Es wird der vorgeschriebene Mindestlohn von 900 Yuan (108,0 Euro) monatlich bezahlt. Für Überstunden gibt es 7,8 Yuan und 10,34 Yuan am Wochenende.

"Foxconns militärischen Verwaltungsstil, mangelnden Respekt der taiwanesischen Manager für chinesische Arbeiter und Strategien, die darauf abzielen, nur kurzfristige Jobs zu schaffen."

Der Exekutivdirektor von China Labor Watch, Li Qiang, hält mehrere Gründe für die Selbstmorde für möglich: "Foxconns militärischen Verwaltungsstil, mangelnden Respekt der taiwanesischen Manager für chinesische Arbeiter und Strategien, die darauf abzielen, nur kurzfristige Jobs zu schaffen." Empörung löste ein Video aus, das Wachleute in schwarzen Uniformen zeigt, die im August Arbeiter in dem Foxconn-Werk in Peking brutal verprügelten. Überhaupt haben taiwanesische Arbeitgeber in China nicht den besten Ruf, so dass Zeitungen der demokratischen Inselrepublik schon einen "Verhaltens-Kodex" mit fortschrittlichen Arbeitsstandards fordern, um Ausbeutung zu unterbinden.

Es gibt auch Klagen über den Mangel an persönlichen Beziehungen zwischen Beschäftigten, die meist in Wohnheimen auf dem Werksgelände unterkommen. Es sind kleine Städte mit Supermarkt, Restaurant, Buchladen und Internetcafé. In der Fabrik in Shenzhen, wo es die Serie von Selbstmorden gab, arbeiten mehr als 300.000 Beschäftigte. Die Arbeiter leben hier völlig isoliert, ohne soziales Netz, kennen sich kaum untereinander. Eine Arbeiterin sagte der "China Daily": "Wir verbringen die Freizeit meist mit Schlafen und Surfen im Internet - wir gehen selten raus."

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2
smleser
00
Steve Jobs On The FoxConn Suicides D8 Interview

http://www.youtube.com/watch?v=JpCbENhw9rg

powerpack
00

heute werden eben in den entwicklungsländern menschen defacto wie sklaven gehalten, der einzige unterschied besteht darin, dass sie ein im vergleich zu den verkaufspreisen der produkte und gewinnen geradezu lächerliches gehalt bekommen,dass nichtmal für dortige verhältnisse hoch ist.doch es geht sicher durchaus noch schlimmer als in den chin. fabriken - etwa in indien wo heute noch im großen stil kinderarbeit (illegal,aber kaum verfolgt) betrieben wird. oder in südamerika wo menschen auf plantagen bis zum geht nicht mehr ausgebeutet werden.doch es gibt alternativen:fairtrade etwa,dass den produzenten gerechte löhne und ein selbstbestimmtes leben ermöglicht.der konsument in der westlichen welt kann also viel dazu beitragen dies zu verbesser

Laughing-Man
01
27.5.2010, 15:24
...

Foxconn wär doch was für den standort niederösterreich? oder etwa nicht hr pröll?

hed
02
26.5.2010, 13:36
china zeigt uns wie es geht

wir müssen china werden. zum wohle der wirtschaft

hp12c
20
26.5.2010, 13:11
teil 3. ja es ist nicht schön...

wie gesagt - ich möchte nicht damit tauschen. weil es für jeden mitteleuropäer oder fast jeden einzelnen (nicht obdachlosen) Europäer eine verschlechterung wäre, mit so einem arbeiter zu tauschen. Aber die Kaufraft des verdienstes der Foxconn Mitarbeiter die 240 Euro verdienen ist dort ca. 960 Euro.

nur damit ihr euch das vorstellen könnt - wenn ihr euch fragt woher diese zahlen kommen googelt nach "PPP China"

klar möchte ich nicht 6 tage die woche 12 stunden arbeiten, aber moment das tu ich doch... nun gut, ich verdiene mehr und habe eine bessere ausbildung...

aber china befindet sich im wandel. chinas regierung hätte die währung schon längst aufwerten lassen können - aber das wollte sie nicht, weil dann der export stagniert wäre... ...

hp12c
20
26.5.2010, 13:08
Teil 2: ja ist nicht so einfach

... es ist für zB Chinesen also erstmal oft viel geld, sie bekommen Unterkunft in Schlafsäälen, und finden weit hygienischere Bedingungen vor, als sie es von "zu Hause" gewohnt waren, es gibt in der Kantine jeden tag mehrmals zu essen (war zu Hause bei vielen auch nicht immer der Fall...)

und obendrein bekommen sie noch 240 Euro. teilweise mehr teilweise weniger.

was in China schon einiges an Geld ist - werden sie davon reich - nie und nimmer, sie können sich gerade mal durchschlagen.

nur kann man in china mit 240 euro länger überleben als in österreich. die kaufparität in china zum dollar beträgt ca. das 4 fache... also 960 Euro.. zur unterkunft und essen...

klar haben wir ein besseres leben und ich möchte nicht tauschen...

Ab Null Euro
00
26.5.2010, 11:24
Das sind Einschwingvorgänge auf dem Weg zu einer entwickelten Gesellschaft

Ging uns zu Zeiten der Industriellen Revolution im 19Jh auch nicht anders.
Das gibt sich von selbst in einiger Zeit.Für die Betroffenen natürlich bedauerlich aber dzt. nicht veränderbar.

Gesellschaften lernen nicht aus der Entwicklungsgeschichte anderer Gesellschaften, China und Indien wollen dieselben Fehler wiederholen die sie von Europa und USA vorgezeigt bekommen.

Spartaner13
00
26.5.2010, 11:36

Leider. Ich weiß nicht, wieso man sich nicht ein Beispiel an anderen nimmt. Stolz? Kanns wohl nicht sein.

milchmann
00
26.5.2010, 12:16
Gier?

Man nimmt mit, was geht, solange es geht und sich so "dumme" Ideen wie menschenwürdige Bedingungen für Arbeiter, Krankenversicherung, Urlaub, etc. ausbreiten.
Sowas ruiniert einen kamikaze Kapitalisten ja den schönsten Tag!

Spartaner13
00
26.5.2010, 12:21

Gier der Manager - richtig. Nur leider sind wir Konsumenten diejenigen, die dem Manager zu seinem Geld verhelfen ...

Am schönsten ist es, wenn sich Arbeiter nicht wehren können - und scheidet einer aus (warum auch immer) kann man sich gleich den nächsten Sklaven ähm ich meine Arbeiter nehmen.

Niko Sli
00
26.5.2010, 10:24
Kultur

Es ist schwer sich in die Probleme dieser Menschen hineinzuversetzen da sie schon seit Jahrtausenden eine völlig andere Kultur haben. Asiaten fällt es in der Regel schwer "NEIN" zu sagen, sie haben nicht diese Mentalität eines Europäers um einen Widerstand gegen die Firmen zu bilden...

dies ist keine Kritik oder Diskriminierung der Asiaten, aber eine Gruppe von Europäern würde sich solche Arbeitsbedingungen nicht gefallen lassen, auch wenn dies bedeuten würde, dass er auf de Straße leben muss. Man würde Demonstrieren, man würde eine starke Gewerkschaft durchboxen... die Manager müssten sich irgendwann mal dem Druck beugen.

Stellen Sie sich einfach vor, wenn all diese Wanderarbeiter von Heute auf Morgen "NEIN" sagen würden!

hlg
00
was wissen sie...

über die arbeitsbedingungen zum beginn der industrialisierung in europa?

es ist eben so, daß im vergleich zum reisfeld ackern mit ochsen eben foxcon wie ein märchenschloss erscheint.

solange es hunger, angst und gewalt gegen die eigenen bürger gibt werden die machthaber die mehrheit unterdrücken.

nur ist es so, daß wir in europa mit zu den machthabern zählen und den status quo miterhalten...

in diesem sinne: geiz ist geil!

Spartaner13
00
26.5.2010, 11:41

Das sind Punkte, wo ich stolz bin, in unserer Gesellschaft zu leben. Man darf sich zB über den Kanzler lustig machen, ohne bestraft zu werden. Man darf seine Meinung sagen.

Mathias
 
10
26.5.2010, 09:10
Chinas Arbeiter unter Druck und ohne Hoffnung

Wie entladet sich solch ein Druck? Schon in den USA gab es mehrere "Möglichkeiten". Selbstmord ist eine Möglichkeit, die andere war meist ein Amoklauf. Wie leider gerade in China öfters in Kinderstätten passierte. Ob da Zusammenhänge vorhanden sind?

Spartaner13
10
26.5.2010, 11:40

Zja und durch diese Selbstmorde setzt man auch ein Zeichen. Die Presse wird aufmerksam. Das Problem wird unter die Lupe genommen. Die Frage ist nun, wie geht es weiter?

Michael Bakunin
23
26.5.2010, 09:03
ausbeutung

der wohlstand der industrialisierten welt basierte immer schon auf der ausbeutung von arbeitermassen. zuerst im eigenen land, später in den kolonien, jetzt in billiglohnländern. nur die sklavenarbeit von millionen ermöglicht uns hier so ein leben im überfluss.
wir sollten uns langsam damit anfreunden, dass dies nicht mehr lange so weitergehen wird. die menschen lassen sich nicht auf dauer versklaven. irgendwann wird auch der letzte chinesiche wanderarbeiter aufbegehren.
dann wird uns nichts anderes übrigbleiben, als unseren wohlstand zu verringern. und wir können dann froh sein, wenn sich die ausgebeuteten völker anschließend nicht an uns rechen.

SpaceDudeAlien
00
28.5.2010, 20:18
"Ausbeuten" nach Ihrer Definition

heißt dann einfach das Gegenteil von: Geld (oder anderen Zuwendungen) fürs Nicht-Arbeiten bekommen, oder?

Im Ernst: Der Gedanke, daß wir den Leuten dort drüben eigentlich helfen, kommt Ihnen nicht? Immerhin geben wir den Leuten dort Arbeit und erzeugen somit erst einmal eine Mittelschicht (die es vorher nicht oder nur Ansatzweise gab), China selbst hat mit Abstand die weltgrößten Geldreserven, die wiederum in (lokale) Projekte investiert werden, etc...

Also, ich fühle mich sicherlich nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Daß sich mancheiner besser ist halt Teil der Sache, beim Hobeln fallen ebenfalls Späne...

hlg
00
was kann china mit dem bunten papier kaufen...

das wir in unseren notenbanken herstellen?

noch dazu wo wir noch eine kleine finanzkrise inszeniert haben, die diesen fiktiven wert um ein drittel oder bis zur hälfte reduziert hat?

Michael Bakunin
00
30.5.2010, 14:57

ja genau diese arrogante einstellung ist es, den sich der rest der welt nicht mehr lange gefallen lassen wird. der kuchen wird im endeffekt gerecht verteilt werden müssen. es ist nur die frage ob freiwillig oder unfreiwillig.

Spartaner13
00
26.5.2010, 11:46

Sehr gutes Posting. Die Warheit schmerzt oft. Ich zähle jetzt gaaaanz sicher nicht zu den "reicheren" Menschen, aber ich habe bzw. mache mir ein schönes Leben - nicht mit viel Geld, sondern mit Hirn.

SpaceDudeAlien
10
28.5.2010, 19:50
Aha, wirklich

Dabei kaufen Sie selbstverständlich nur Waren aus dem Dritte-Welt-Laden oder wo Fair-Trade drauf steht.

Außderm, Ziegel fürs Haus brennes wahrscheinlich auch selbst, das Dach ist aus Stroh (so wies Oberstüberl), und Lebensmittel - achja, die Lebensmittel, na die kommen selbstverständlich direkt vom (Bio)Bauern, damit dazwischen ja niemand jemanden ausbeuten kann, logischerweise abgeholt auf dem Fahrrad (denn Benzin darf man ja nicht verbrennen, denn das kommt ja von den Arabern, die ja unter dessen Knechtschaft ja soooo zu leiden haben), usw....

Spartaner13
00
31.5.2010, 09:47

Auf dieses niveaulose Posting antworte ich nicht sinngemäß. Ich finde Menschen wie sie immer armseelig, wenn man Andere gleich beleidigen muss.

SpaceDudeAlien
00
Wo war mein Posting beleidigend?

Spartaner13
00

"das Dach ist aus Stroh (so wies Oberstüberl)"

griasdi
00
26.5.2010, 09:40
quatsch.

da gäbe es aber noch die entsprechende regierung im billiglohnland die der ausnutzung einen riegel vorschieben könnte. aber ein kommunistisches regime wie jenes in china interessiert sich nicht für den arbeitnehmer, den kommunisten gehts nur um ihre eigene macht.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 70
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.