Politik sucht Geldquellen

Pröll macht sich neue Freunde und verliert alte

25. Mai 2010, 17:18

Finanzminister Prölls Pläne zur Bekämpfung von Steuerbetrug freuen die Gewerkschaft, die Wirtschaftskammer reagiert mit deutlich weniger Gegenliebe

Wien - Finanzminister Josef Pröll (VP) nimmt im Kampf gegen Steuerbetrug Anleihen bei der Gewerkschaft. Pröll sprach sich am Montag überraschend für die Einführung einer Auftraggeberhaftung in der Baubranche aus - eine bisherige ÖGB-Forderung, die von der Wirtschaftskammer (WKÖ) stets abgelehnt wurde. Auch am Dienstag verwies man in der Kammer auf bereits getroffene Maßnahmen gegen Steuerbetrug.

Baubranche im Visier

Wo liegt das Problem in der Baubranche? Aufträge, die ein Generalunternehmer an Land zieht, werden oft an Subfirmen weitergegeben. Immer wieder kommt es vor, dass diese zwar ihre Mitarbeiter anmelden, dann aber nie Beiträge oder Steuern zahlen.

Im Bereich der Sozialversicherung gibt es seit September 2009 bereits eine Generalunternehmerhaftung. Die Hauptfirma haftet also im Ausmaß von 20 Prozent für die Sozialversicherungsbeiträge der Subfirmen. Eine Befreiung gibt es nur für Firmen, die in den letzten drei Jahren keine Probleme mit den Krankenkassen hatten. ÖVP-Chef Pröll möchte nun auch bei der Finanz eine Auftraggeberhaftung. Die Firmen müssten also vorab 20 Prozent der Rechnungssumme an den Fiskus abliefern.

Ent- statt Verschärfung

Der Leiter der WKÖ-Sozialpolitik, Martin Gleitsmann, sieht dafür derzeit aber keine Notwendigkeit. Man solle vorerst einmal das bestehende Modell evaluieren. Und wenn es Änderungen geben soll, dann denkt die WKÖ eher in die Gegenrichtung, also an Entschärfungen. So hätte man gerne, dass neu gegründete Firmen bereits nach einem Jahr von der Generalunternehmerhaftung befreit werden, wenn sie nachweisen können, dass sie "qualifizierte Bauleistungen" erbracht haben. Bei der Bauinnung signalisiert man dem Finanzminister zwar "Kooperationsbereitschaft", warnt aber gleichzeitig vor zu großem "bürokratischem Aufwand".

Von der Gewerkschaft bekommt Pröll dafür volle Unterstützung. Allerdings fügt der Leitende Sekretär Bernhard Achitz im Gespräch mit dem Standard hinzu: "Bei den bisherigen Gesprächen über ein Paket gegen Lohn- und Sozialdumping waren auch die Vertreter des Finanzministeriums nicht sehr kooperativ." Es sei jedenfalls "fein, dass Pröll das Problem jetzt auch erkennt". Nun müsse er nur mehr die Wirtschaftskammer überzeugen.

Neben einer Generalunternehmerhaftung kann sich Achitz auch einen eigenen Verwaltungsstraftatbestand vorstellen, mit dem österreichische Firmen bestraft würden, die ausländische Beschäftigte deutlich unter Kollektivvertrag bezahlen. Auch das lehnt die Wirtschaft ab.

Finanzminister erwägt "pauschale Strafen"

Pröll hat es freilich nicht nur auf die Baubranche, sondern auf alle Steuersünder abgesehen. Bei schweren Finanzdelikten sollen die Haftstrafen erhöht werden, bei kleineren Delikten (unter 20.000 Euro Steuerhinterziehung) sollen die Verfahren beschleunigt werden. Bei diesen Fällen werden "pauschale Strafen", ähnlich einem Organstrafmandat im Straßenverkehr, vorgeschlagen. Dafür würde es kein langwieriges Finanzstrafverfahren geben.

Der Finanzrechtler Werner Doralt begrüßt das grundsätzlich. Gleichzeitig sollten aber die Nachforderungszinsen (derzeit knapp über zwei Prozent) erhöht werden, sagte er zum Standard. Und auch die Stundungszinsen (derzeit rund 4,7 Prozent) müssten erhöht werden. Es sei für Firmen finanziell zu attraktiv, einen Steueraufschub bei der Finanz zu beantragen. Für sinnvoll hielte Doralt auch eine Verlängerung der Verjährungsfrist für Steuerhinterziehung. Unter Schwarz-Blau wurde die Frist von zehn auf sieben Jahre reduziert. Auch die SPÖ spricht sich für eine Rückkehr zur alten Regelung aus.

Die Wirtschaftstreuhänder warnen aber davor, "jeden Steuersünder zu kriminalisieren". Das Steuerrecht sei sehr kompliziert, auch "Irrtümer" seien möglich.

Hundstorfer: Aufenthaltstitel wird bereits überprüft

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) wiederum fühlt sich von Pröll nicht angesprochen. Dieser hatte gemeint, Hundstorfer solle verstärkt prüfen, ob Ausländer in Österreich eine Mindestpension beziehen, obwohl sie gar nicht hier leben. Es werde bereits streng kontrolliert, heißt es im Hundstorfer-Büro. Und: Insgesamt gebe es nur 550 ausländische Bezieher einer Mindestpension, 366 davon seien Deutsche. Zum Vergleich: Rund 1300 Österreicher beziehen in der Schweiz eine Mindestpension. (Günther Oswald/DER STANDARD-Printausgabe, 26.5.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 169
1 2 3 4
Was war zuerst da - FPOewaehler oder Deixfiguren
12
26.5.2010, 13:50
Edlinger hatte schon recht ...

... Mit seinem Hunde-Wurst Ausspruch

Die Ente Lippens
02
26.5.2010, 13:19
Die alten Freunde werden Proell nicht mehr waehlen, die neuen Freunde werden es nie.

Sehr klug gemacht, Herr Witzekanzler.

Seth Gecko
00
26.5.2010, 19:44
passt

ScroogeMcDuck
01
26.5.2010, 13:11

ganz nebenbei, wie wäre es mit der abschaffung der wkö?

Alois Schwarz
03
26.5.2010, 12:36
Pröll soll in den eigenen Reihen Ordnung schaffen !

Die Finanz ist korrupt wie schon lange nicht mehr ! Vor allem in Tirol sind die Vorstände der Finanzämter sehr "flexibel" , was die Anwendung der Gesetze angeht.

King Andy
 
10
26.5.2010, 12:30
Größter Finanzminister aller , wir lieben Dich

Trüffelschweine irren nie. Seine Freunde in dfer Wirtsschaftskammer irren selten. Den Rest meiner Meinung werde ich hier nicht veröffentlichen.

merlot46
00
26.5.2010, 12:27
Unfair gegen Kleinunternehmer

Es stimmt und ist allgemein bekannt, dass gerade im Baugewerbe zahlreiche obskure Firmen auftreten, die Aufträge annehmen, Rechnungsbeträge kassieren und keine Abgaben bezahlen. Diese Firmen kennzeichnet ein eindeutiges Muster, es sind irgendwelche Phantasie-GmbH´s mit Geschäftsführern deren Namen man nicht aussprechen kann.

Wenn man nun pauschal daran denkt Kleinfirmen sozusagen unter Kuratel des Generalunternehmers stellen zu wollen, kommt das einer Entmündigung der seriösen Unternehmen gleich. Die Haftung des GU gegenüber der Behörden sollte dann schlagend werden, wenn die Auftragsvergabe offensichtlich an Firmen ergangen ist, die obige Merkmale aufweisen. Also geht es um mehr Sorgfalt der GU und Verhinderung von Preisdumping.

JohnP
00
27.5.2010, 12:38

ihr vorschlag hat die konsequenz, daß es wieder urlang dauert, bis ein ergebnis rauskommt.

im von pröll beschriebenen verfahren bekommt die finanz sofort zu geld.

die regelgung gibt es schon mit den GKK, man könnten ziemlich unbürokratisch gleich die bestehende HFU-Liste herannehmen und die regelung rasch einführen.

das einzige problem, das ich sehe ist, daß firmen erst nach 3 jahren bestehen auf die hfu-liste dürfen, das schädigt die neugegründeten firmen imagemaßig doch etwas.

d. hebenstreit
94
26.5.2010, 10:41
Reine Augenauswischerei. Und die typische diffuse Ablenkungsstrategie. Wie auch mit den Themen „Ökosteuer“ , „Transaktionssteuer“ und "Neidsteuer". Simpler Zweck: Weitere Abzocke der Bürger.

Vor allem einschlägig bekannte Linkspolitiker, Turboetatisten, und soziale Organisationen verbreiten Angstparolen, schüren Neid und Hass und hetzen Bevölkerungsgruppen mit vermeintlich differierenden Interessen gegeneinander auf, nur um davon abzulenken, dass weitere Anschläge auf Einkommen und Vermögen der Bürger geplant sind.
Trotz des traurigen Weltrekordes der Abgabenquote in Österreich.
Im Abzocken der Bürger sind Politiker ganz groß und verschleiern das durch einen "Kampf gegen die Reichen" , „Spekulanten“, „Hedgefonds“, oder „Klimawandel“.

perau1
 
00
27.5.2010, 00:53

??????
was genau wollten sie mit ihrem posting sagen.

haben sie immer schwierigkeiten mit links und rechts?




maj jong
00
26.5.2010, 17:27
diffuses Posting und gegen wen?

nicht hetzen, Tatsache:

aus den Kammernachrichten

Die meisten Selbständigen und auch Neugründer sind ab 1. 1. 2009 dauerhaft gegen Arbeitslosigkeit abgesichert - ohne Zusatzkosten. Der Wirtschaftskammer ist es gelungen, Unternehmern, die vor ihrer selbständigen Tätigkeit unselbständig tätig waren, ihre aus dieser unselbständigen Tätigkeit erworbenen Ansprüche auf Arbeitslosengeld unbefristet zu wahren.

Altered States
 
11
26.5.2010, 12:47
Stimmt ja gar nicht....

Die Mittelschicht wird gegen die "Armen" (MigrantInnen, SchwarzarbeiterInnen, Arbeitslose...) aufgehetzt um sie nicht, gemeinsam mit der "Unterschicht", gegen die Reichen aufstehen zu lassen und so werden sie ausgebeutet durch überhöhte Steuern und dulden es, weil sie in der Hoffnung genährt werden irgendwann auch zu den Reichen zu gehören, was ein Konstrukt ist, aber gut gemacht...

Childerich von Bartenbruch
00
26.5.2010, 14:09
klingt, als hätten sie's schon gelesen, wenn nicht ...

... dann finden sie sich bestätigt bei ulrike herrmann: "Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht."

Die Ente Lippens
01
26.5.2010, 13:20
Schwarzarbeiter sind nicht arm sondern verdienen mehr als alle Steuerzahler.

Altered States
 
00
26.5.2010, 14:10
Theorie bestätigt

..dass sie sich aufhetzen lassen. Lesen sie in "Hurra, wir dürfen zahlen" nach. Der Steuerverlust bei Schwarzarbeit ist marginal im Gegensatz zu Steuerhinterzeihungen der großen Kaliber. Und, dass Schwarzarbeiter reich sind ist ein guter Witz... Schauen sie sich mal die Menschen an, die ihre Arbeit bie diversen Baumärkten anbieten. Mit denen wollen sie garantiert nicht tauschen.

Childerich von Bartenbruch
00
26.5.2010, 14:06
"schwarzarbeiter" sind ihnen ...

... eine erwähnung wert, "schwarzauftraggeber" scheinbar nicht!

Altered States
 
00
26.5.2010, 14:15
Differnzieren bitte!

zwischen Firmen, die Menschen ausbeuten und sie nicht anmelden und Leuten, die sich keine Arbeit von Firmen mehr leisten können und froh sind, wenn ihnen mal jemand für einen fairen Preis z.B. den Boden verlegt, ausmalt, die Heizung entlüftet ect...

Christian Apl
Christian Apl
11
26.5.2010, 12:03

Haha, Turboetatisten! Danke für den Joke :)
KönnenS mir da auch einen namhaft machen? Mich würd interessieren, wo die ihren "Turbo" haben :)

Fra Diavolo
21
26.5.2010, 12:45

Dürfte ihm schwerfallen. Der Typ postet immer die selben Texte unter verschiedenen Nicks.

Wie z.B. hier:
http://derstandard.at/plink/126... id16188075
http://derstandard.at/plink/127... id16707888
http://derstandard.at/plink/125... id14837103
http://derstandard.at/plink/126... id15992959

Ich glaube nicht, daß er überhaupt versteht, was er da eigentlich postet.

Altered States
 
00
26.5.2010, 17:14
na arg!

super recherchiert Fra Diavolo. Is ein bissl gruselig...
Was is mit dem??

Fra Diavolo
00
27.5.2010, 10:21

Ein Psycho.
Das Dilemma ist: Beschäftigt man sich mit ihm, geilt er sich daran auf. Ignoriert man ihn, müllt er die Standard-Foren ununterbrochen mit dem selben Mist voll (ich habe bisher 17 verschiedene Nicks gezählt).

ich kapituliere
01
27.5.2010, 13:02

Scheinbar ist er sich auch nicht sicher ob er Männlein oder Weiblein ist. ;-)

Jedenfalls vertritt es einen klaren Standpunkt und weicht nicht davon ab. Das ist Konsequenz. Man darf sich halt nicht davon irritieren lassen ob es passend oder auch nur realistisch ist.

Fra Diavolo
00
27.5.2010, 14:16

Mit dem klaren Standpunkt bin ich mir nicht so sicher, da sich einige seiner/ihrer Standard-Posts widersprechen. Auch glaube, daß er/sie die Texte aus diversen Quellen (Unterberger, Presse, div. Blogs) kopiert.
Aber konsequent ist er/sie, das muß man ihm/ihr lassen.

tatsaechlich
12
26.5.2010, 11:31
aber sicher...

österreich ist ein boot, wir sitzen alle drinund unser Heil liegt in den Händen der Herren Unternehmer. Wer das Märchen glaubt wird arm sterben, abgezockt von den Arbeitgebern, die nicht nur vermeintlich sondern objektiv andere Interessen haben müssen (so sie nicht Pleite gehen wollen) als die Beschäftigten.
Gehetzt wird hierzulande tatsächlich in einem hohen Ausmaß - aber nicht etwa gegen die elenden Verhältnisse, sondern gegen MigrantInnen(und das seit Jahren), die vermeintlich andere Interessen hätten. Nicht seitens der Linken oder der "Turboetatisten" (wer immer dieses Phantom sein soll) sondern seitens jener Politiker die sich dem rassistischen Konsens verpflichtet fühlen (also quasi eh alle...)

cannery row
00
26.5.2010, 13:31
sie wissen aber schon..

dass in der regel auch angestellte und arbeiter für einen unternehmer arbeiten, oder?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 169
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.