Forscher glauben: Aussterben großer Grasfresser könnte Temperatursturz verursacht haben
London - Die Epoche
des Anthropozän, der maßgeblichen menschlichen Einwirkungen auf die Umwelt,
beginnt einer Gruppe von US-Wissenschaftern zufolge nicht erst mit der Industriellen Revolution um 1800,
sondern
bereits vor etwa 13.400 Jahren.
Ein dreiköpfiges Team um die Forscherin Felisa Smith von der
US-Universität von
New Mexico glaubt in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience, dass das schnelle Aussterben von Mammuts und anderen großer Pflanzenfresser insbesondere in Nordamerika infolge der Ausbreitung des Menschen einen damaligen Temperatursturz erklären könnte.
Die
Grasfresser der Neuen Welt hätten einen enormen Methanausstoß gehabt, meinen die Forscher. Methan hat
als Treibhausgas eine 30 Mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Zwar habe das ausgeschiedene Methan nicht direkt zu einer globalen Erwärmung
geführt, doch habe der plötzliche Wegfall des Gases zu einer erheblichen
Abkühlung beigetragen, wenn er sie nicht sogar ausgelöst habe, erklärten die
Wissenschafter. Das Einwanderung von Menschen in Nordamerika ging zumindest zeitlich mit dem Verschwinden von Mammuts, Riesenfaultieren und Mastodons einher. Gerade eineinhalb Tausend Jahre später waren all diese Riesen verschwunden.
Methanausstoß ging zurück
Die Forscher gingen vom Methanausstoß von Kühen und anderen heutigen
Wiederkäuern aus, um die Gasproduktion der prähistorischen Megafauna zu
errechnen. Proben von Eisbohrkernen aus der damaligen Zeit bestätigen demnach,
dass zeitgleich mit dem Aussterben der Tiere und dem Temperatursturz eine Verringerung des
Methangehalts in der Atmosphäre um 180 ppbv (Milliardstel Volumsanteile) einherging.
Grönländische Eisproben aus anderen Epochen zeigen, dass eine Reduzierung des
Methangehalts um 20 ppbv dem Absinken der Temperatur um rund ein Grad
Celsius entspricht. Dies würde sich im Falle der untersuchten Periode auf neun
bis zwölf Grad Celsius addieren, was ziemlich genau der Temperatursturz der
Jüngeren Tundrazeit ist. "Die Auslöschung der Megafauna ist das früheste
katastrophale Ereignis, das menschlicher Aktivität zugerechnet werden muss", erklärten die Forscher.
Ob beim Aussterben der Großsäuger im Jüngeren Dyras tatsächlich vor allem der Mensch seine Hände im Spiel hatte, ist allerdings nicht bewiesen. Auch andere Ursachen könnten zum raschen Verschwinden von Mammut und Co. in Nordamerika geführt haben. (red/APA)