Klimawandel durch Menschenhand bereits seit 13.000 Jahren?

25. Mai 2010, 13:20
207 Postings

Forscher glauben: Aussterben großer Grasfresser könnte Temperatursturz verursacht haben

London - Die Epoche des Anthropozän, der maßgeblichen menschlichen Einwirkungen auf die Umwelt, beginnt einer Gruppe von US-Wissenschaftern zufolge nicht erst mit der Industriellen Revolution um 1800, sondern bereits vor etwa 13.400 Jahren. Ein dreiköpfiges Team um die Forscherin Felisa Smith von der US-Universität von New Mexico glaubt in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience, dass das schnelle Aussterben von Mammuts und anderen großer Pflanzenfresser insbesondere in Nordamerika infolge der Ausbreitung des Menschen einen damaligen Temperatursturz erklären könnte.

Die Grasfresser der Neuen Welt hätten einen enormen Methanausstoß gehabt, meinen die Forscher. Methan hat als Treibhausgas eine 30 Mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Zwar habe das ausgeschiedene Methan nicht direkt zu einer globalen Erwärmung geführt, doch habe der plötzliche Wegfall des Gases zu einer erheblichen Abkühlung beigetragen, wenn er sie nicht sogar ausgelöst habe, erklärten die Wissenschafter. Das Einwanderung von Menschen in Nordamerika ging zumindest zeitlich mit dem Verschwinden von Mammuts, Riesenfaultieren und Mastodons einher. Gerade eineinhalb Tausend Jahre später waren all diese Riesen verschwunden.

Methanausstoß ging zurück

Die Forscher gingen vom Methanausstoß von Kühen und anderen heutigen Wiederkäuern aus, um die Gasproduktion der prähistorischen Megafauna zu errechnen. Proben von Eisbohrkernen aus der damaligen Zeit bestätigen demnach, dass zeitgleich mit dem Aussterben der Tiere und dem Temperatursturz eine Verringerung des Methangehalts in der Atmosphäre um 180 ppbv (Milliardstel Volumsanteile) einherging.

Grönländische Eisproben aus anderen Epochen zeigen, dass eine Reduzierung des Methangehalts um 20 ppbv dem Absinken der Temperatur um rund ein Grad Celsius entspricht. Dies würde sich im Falle der untersuchten Periode auf neun bis zwölf Grad Celsius addieren, was ziemlich genau der Temperatursturz der Jüngeren Tundrazeit ist. "Die Auslöschung der Megafauna ist das früheste katastrophale Ereignis, das menschlicher Aktivität zugerechnet werden muss", erklärten die Forscher.

Ob beim Aussterben der Großsäuger im Jüngeren Dyras tatsächlich vor allem der Mensch seine Hände im Spiel hatte, ist allerdings nicht bewiesen. Auch andere Ursachen könnten zum raschen Verschwinden von Mammut und Co. in Nordamerika geführt haben. (red/APA)


Abstract
Nature Geoscience: Methane emissions from extinct megafauna

  • Als die Mammuts durch menschliches Zutun in verhältnismäßig kurzer Zeit ausstarben, hatte das laut US-Forschern Einfluss auf das Klimageschehen.
(Im Bild: Computerdarstellung aus der ORF-Sendung "Universum: Die Erben der Saurier")
    foto: orf

    Als die Mammuts durch menschliches Zutun in verhältnismäßig kurzer Zeit ausstarben, hatte das laut US-Forschern Einfluss auf das Klimageschehen.

    (Im Bild: Computerdarstellung aus der ORF-Sendung "Universum: Die Erben der Saurier")

  • Drei Entwicklungen spielten sich in etwa 1.500 Jahren in Nordamerika ab: Die Durchschnitts-Temperaturen sanken um bis zu 12 Grad, die Großsäuger starben aus und der Methangehalt in der Atmosphäre verringerte sich um 180 ppbv.
    grafik: nature geoscience

    Drei Entwicklungen spielten sich in etwa 1.500 Jahren in Nordamerika ab: Die Durchschnitts-Temperaturen sanken um bis zu 12 Grad, die Großsäuger starben aus und der Methangehalt in der Atmosphäre verringerte sich um 180 ppbv.

Share if you care.