"Immer mehr Menschen leiden unter..."-Journalismus

Christoph Winder, 25. Mai 2010, 11:38

Im Zeichen der Angstlust

Nicht nur Journalisten kennen das eherne Mediengesetz, dass only bad news good news sind, sondern auch der Angstforscher und Psychiater Borwin Bandelow von der Universität Göttingen. In einem Kurier-Interview (23. 5.2010) stellt Bandelow die Behauptung auf, dass die Angstlust ein Naturtrieb des Menschen sei. "Man möchte in Angst und Schrecken versetzt werden, am liebsten mit einem Erdbeben im Nachbardorf mit vielen Toten. Das hinterlässt das positive Gefühl: Ich bin grad davongekommen." Die Medienvariante, welche diese Angstlust gern und reichlich bedient, nennt Bandelow mit einer griffigen Formulierung den "Immer mehr Menschen leiden unter...."-Journalismus.

Eine kleine Internet-Recherche hat mir dramatisch vor Augen geführt, wie sehr der "Immer mehr Menschen leiden unter...."-Journalismus floriert (71.300 Belegstellen bei Google!). Hier nur eine Mikro-Auswahl dessen, woran "immer mehr Menschen" leiden, nämlich unter Nagelpilz, Hörschwäche, sozialer Isolation, Krätze, Alzheimer, Lärm, Glutenunverträglichkeit, Aviophobie, chronischen Erschöpfungszuständen und so weiter und so fort. Glücklich die wenigen, denen diese Schicksale erspart geblieben sind und die sich bei der Lektüre ihres "Immer mehr Menschen leiden unter..."-Blattes dazu gratulieren können.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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to whom it concerns

"Es genügt nicht keine Gedanken zu haben; man muss auch unfähig sein sie auszudrücken." (Karl Kraus).

Soviel zur überbordenden Graphorrhoe hier...

Eine regelrechte Seuche hier,


Dichter und Denker beständig für einen sagen zu lassen, wozu man selber zu gedankenarm und wortschwach ist!

Karl Kraus hätte einem wie Ihnen, der noch nicht einmal merkt, wie sehr er sich selbst damit porträtiert, bestimmt mit seinem Morgenstern den Scheitel gezogen, würde er ihn mit diesem Zitat erwischt haben!

*

Vor Ihnen dagegen, verehrter l.m.,

waere der gute Kraus bestimmt weinend in die Knie gegangen, Sie verkanntes Genie, Sie!

Preger, Teilzeitkuenstler/In

Komm,


geh' wieder "Hoppa Hoppa" spielen!

*

Immer mehr Menschen leiden unter Pseudo-Englisch

Es genügt ja nicht mehr kein Englisch zu können, man muss es ja inzwischen offenbar auch noch falsch zitieren. ("To whom it may concern" ist die korrekte Form).
Concerned about the state of Euro English,
Sterz

Lieber Sterzl, kaum bist du hier, möchte ich Dich gleich etwas bitten. Wäre nett von Dir, wenn Du meine Anfrage, etymologische Wurzel von "mir geht der reiss" unter Pummel-Alarm (doderer) beantworten wolltest.
*bitte-bitte* ;-)

ich werd's versuchen...

aber mir geht schon so der Reiss vor den strengen Autoritäten, die sich mittlerweile im Winderschen Wörterbuch tummeln...

Humor ist eine ernste Sache!


(und sollte nicht mit Geblödel verwechselt werden!

*

Fremdschämen ist out, Fremderröthen in ;-)

Nun, ich habe nicht "fremdröten" gemeint, sondern "fremd e r röten".
Erlaubte mir aus aktuellem Anlaß, spontan ein "h" einzufügen. Ironie und Humor sind einander ja freundlich gesinnt.

Wer innerhalb kürzester Zeit seine Abscheu vor Menschen, die Dichter und Denker zitieren vergißt und sich selbst eines Buchtitels von Paul Roth bedient um sich mitzuteilen - der läßt mich eben ein ganz klein wenig "fremderröten".

Es wäre nett, wenn Sie sich ein ganz klein wenig schämen wollten - für mich - damit ich selber damit aufhören kann ...

Wäre das ok für Sie ?




Dass Paul Roth


sich ebenfalls dieses Oxymorons bedient, war mir so unbekannt, wie der Autor selbst und sein Buch.

Sollte er etwa ein Abonnement darauf haben?

.

Oh, da ist ihnen doch glatt der Punkt entkommen, Herr Grubstaetter!

Hast


von dem auch schon ein paar auf den Deckel gekriegt, dass du so wirres Zeug postest?

*

Wenn S' damit


das Beschmieren der Bewertungsbalken über den Postings meinen, dann: ja!

Ansonsten ist Fremdschämen weiterhin hoch im Kurs, insbesonders als Ausweichmanöver vor der eigenen Armseligkeit!

*

würden sie bitte meine antwort etwas oberhalb wahrnehmen - hatte mich verantwortet ;-)

man windet hier
aus zartem reis auch harten stecken
hin und wieder krampusruten
das kann doch niemanden verschrecken
schon gar nicht sterz den guten ;-)

es ist nicht english nur sein schwachsinniger cousin

es ist globish und das noch schlecht

G`day

mate, fact is that the intended recipients (s. Loddar vs. Preger in "happa happa") are not unknown

Sie meinen wohl G-Punkt, huber.

auch die australische note ist nicht wirklich bewegend

war nicht

für Deschperate gedacht sondern für den Steirer in Oz

Brillant!

Ich war ja auch nie ein grosser Fan vom Michl,

aber dass Sie ihn hier posthum anschuetten, ist wirklich nicht noetig.

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können — das macht den Journalisten.

(auch Karl Kraus, Aphorismen)

"Sie wissen nicht, wo Gott wohnt, aber sie haben ihn alle schon interviewt."

(nicht Karl Kraus, sondern Anton Kuh, Luftlinien)

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