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Nicht nur Journalisten kennen das eherne Mediengesetz, dass only bad news good news sind, sondern auch der Angstforscher und Psychiater Borwin Bandelow von der Universität Göttingen. In einem Kurier-Interview (23. 5.2010) stellt Bandelow die Behauptung auf, dass die Angstlust ein Naturtrieb des Menschen sei. "Man möchte in Angst und Schrecken versetzt werden, am liebsten mit einem Erdbeben im Nachbardorf mit vielen Toten. Das hinterlässt das positive Gefühl: Ich bin grad davongekommen." Die Medienvariante, welche diese Angstlust gern und reichlich bedient, nennt Bandelow mit einer griffigen Formulierung den "Immer mehr Menschen leiden unter...."-Journalismus.
Eine kleine Internet-Recherche hat mir dramatisch vor Augen geführt, wie sehr der "Immer mehr Menschen leiden unter...."-Journalismus floriert (71.300 Belegstellen bei Google!). Hier nur eine Mikro-Auswahl dessen, woran "immer mehr Menschen" leiden, nämlich unter Nagelpilz, Hörschwäche, sozialer Isolation, Krätze, Alzheimer, Lärm, Glutenunverträglichkeit, Aviophobie, chronischen Erschöpfungszuständen und so weiter und so fort. Glücklich die wenigen, denen diese Schicksale erspart geblieben sind und die sich bei der Lektüre ihres "Immer mehr Menschen leiden unter..."-Blattes dazu gratulieren können.
Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche
Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!Sieben Jahre nachdem die ersten Einträge erschienen sind, stellt Christoph Winder sein Online-Projekt in der gewohnten Form ein
Eine wertvolle Fähigkeit
Ein paar Ladungen alkoholischer Getränke
Beruflich leistungsfähig
Ein selten verwendetes Schimpfwort
Medizinische Stämme
Eine liebliche Wortspende
Ein praktischer Saubermacher in Wien
Der Staatsanwaltschaft ins Häferl geschaut
Eine neue Entwicklungsstufe
Makabere Funde im Netz
Wi wisch ju se best
Verblüffende Verballhornung
Ein sprachlicher Aufprallschutz
Sonderbare Fernsehformate
Mit einem ausgeprägten Ego
Majestätische Herrschernamen
Wird leider häufig ausrasiert
Mit dem Umlaut Scherz treiben
Eine rustikale Aufforderung
Großaufmarsch im Innenleben
Zurück in Österreich
Leiden am Mittleren Osten
Von eigenwilligem Zuschnitt
Eine Inspiration für Namensgeber
Eine Phrase, der man misstrauen sollte
Ein hipper Touch für den Büstenhalter
Sagen die Politiker nicht immer, aber immer öfter
Dichter und Denker beständig für einen sagen zu lassen, wozu man selber zu gedankenarm und wortschwach ist!
Karl Kraus hätte einem wie Ihnen, der noch nicht einmal merkt, wie sehr er sich selbst damit porträtiert, bestimmt mit seinem Morgenstern den Scheitel gezogen, würde er ihn mit diesem Zitat erwischt haben!
*
Es genügt ja nicht mehr kein Englisch zu können, man muss es ja inzwischen offenbar auch noch falsch zitieren. ("To whom it may concern" ist die korrekte Form).
Concerned about the state of Euro English,
Sterz
Nun, ich habe nicht "fremdröten" gemeint, sondern "fremd e r röten".
Erlaubte mir aus aktuellem Anlaß, spontan ein "h" einzufügen. Ironie und Humor sind einander ja freundlich gesinnt.
Wer innerhalb kürzester Zeit seine Abscheu vor Menschen, die Dichter und Denker zitieren vergißt und sich selbst eines Buchtitels von Paul Roth bedient um sich mitzuteilen - der läßt mich eben ein ganz klein wenig "fremderröten".
Es wäre nett, wenn Sie sich ein ganz klein wenig schämen wollten - für mich - damit ich selber damit aufhören kann ...
Wäre das ok für Sie ?
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