Was man nicht im Navi hat, hat man in den Beinen

25. Mai 2010, 11:32
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Die Erkenntnis nach einem harten Tag in der Stahlstadt Linz: Dass Geocaching ohne funktionierendes Navi nicht mal halb soviel Spaß macht.

Die Erkenntis nach einem harten Tag in der Stahlstadt Linz: Dass Geocaching ohne funktionierendem Navi nicht mal halb soviel Spaß macht.

Gestern war ich unter anderem in Linz, zwecks Geocaching. Die lieben Leutln von Ford und derstandard.at wollten's offenbar extra schwer machen und haben einen Multi-Cache als "Highlight" eingebaut. Konkret hat das für uns bedeutet, dass es in Linz fünf Stationen gab, wobei nur die erste bekannt war. An jeder Station musste man ein kleines Rätsel lösen, und mit der Zahl, die bei dem Rätsel raus kommt, berechnet man dann die Koordinaten des nächsten Punktes.

Das macht auch an sich viel Spaß, solange zwei Dinge prächtig funktionieren: das eigene Hirn beim Rechnen, und vor allem das Navigationsgerät! Beide waren gestern nicht in Topverfassung.

Begonnen hat alles am Pöstlingberg, einem weiteren Geocache, der aber nicht Teil des Multi-Caches war.


Blick auf die Wahlfahrtskirche am Pöstlingberg

Dort mit stolz geschwellter Brust den Geocache gefunden, geb ich die neuen Koordinaten ein damit mich das Garmin Nüvi dorthin leitet. Die Berechnung startet und - bleibt bei 14% stehen. Klasse. Wie find ich bloß vom Pöstlingberg runter zum Ars Eletronica Center? Da ich schon mal in Linz war und auch beim Ars Electronica Center, weiß ich dass in Linz alle Wege dorthin führen.

Und tatsächlich, ich find tatsächlich ohne Navi hin, das sich immerhin schon bei 16% der Berechnung befindet. Wohl gemerkt, vom Pöstlingberg fährt man schon um die 10 Minuten dank diverser Straßenbahnübergänge auf dem Wege, die passender Weise alle zu waren als ich hinkam. Vermutlich haben mir aber beim Finden des richtigen Weges die geschätzten 20 Hinweisschilder zum Ars Electronic Center geholfen ;-)

Also geben wir dem Navi etwas Neues zu tun und rebooten es. Ich geb nach dem Restart erneut die Koordinaten (laut Rätsel wohl ein Schild, auf dem man die Buchstaben zählen muss), und zack - das Teil hängt sich wieder auf beim Berechnen. Ich behelfe mir mit der "Aktuelle Position"-Funktion und versucht ohne Richtungsangaben zu diesem Schild zu finden. Das gelingt mir auch, ich löse das Rätsel und berechne die neuen Koordinaten.


So ein "Dings" beim Ars Electronica Center

Klasse. Die sind genau auf der anderen Seite der Donau. Fahr ich jetzt mit dem Auto, das 5min. wegsteht, rüber oder geh ich gleich zu Fuß? Ich mach auf Öko, die Sonne scheint endlich mal, herrlich, und geh zu Fuß. Drüben angekommen löse ich das nächste Rätsel, berechne den nächsten Punkt. Da das Navi bei 17% ist und keine Anstalten macht zu reagieren versuch ich's mit dem iPhone und Google Maps - WTF? Die Koordinaten sind laut Google Maps wieder auf der anderen Seite der Donau! Und auch noch ein schönes Stück weg von der Hauptbrücke! Aaaaarrrrggggghhhhhh!

Ich hirsche also wieder zurück, und denk mir schon "komisch, das nächste Rätsel hat was mit Skulpturen zu tun, die sind doch alle auf dieser Seite der Donau....". Dort angekommen finde ich folgendes:

Das kann's wohl nicht sein. Das Rätsel lautet "Suche die Skulptur, die Wellen ähnelt und zähle die nach oben zeigenden Enden. Nimm diese Zahl als C.". Die einzige Welle die mir hier entgegenschlägt kommt aus dem Mülleimer und ist in Zahlen nicht zu fassen.

Das Garmin Navi hat sich wieder erholt und zeigt für die selben berechnten Koordinaten, mit denen ich jetzt hierher gelotst wurde, einen gänzlich anderen Punkt an - richtig, natürlich wieder drüben auf der anderen Seite. Schön langsam glühen die Füße, der Blutdruck steigt. Ich setz mich kurz hin und überleg, mit wievielen Hüpfern ich das Navi-Kastl so übers Donauwasser springen lassen könnt wenn ich's schön flach rausschleuder.

Nun gut, hilft ja nix, ab jetzt fahr ich jeden Meter mit dem Auto, weil jetzt bin ich schon bald 2h in Linz und such noch immer den dritten von fünf Punkten. Mit der Triple-Kombi aus Google Maps (das Zeug sucht übrigens bei Eingabe von Koordinaten automatisch die nächste bekannte Hausnummer und zeigt die statt den Koordinaten an - herrlich sinnlos beim Geocachen), Google Earth (trifft offenbar in Linz auch nicht immer den richtigen Punkt) und einem die meiste Zeit kollabierenden Garmin Nüvi schaff ich's dann, Punkt 3 und 4 zu finden. Bei Punkt 5 wird's wieder spannend. Meine erste Berechnung zeigt einen Punkt im Tunnel unter dem Schlossberg an - eher unrealistisch. Natürlich merk ich das erst als ich dort in der Nähe parke und die Koordinaten such - das Navi hat sich nämlich wieder aufgehängt und ich darf selbst rausfinden in welche Richtung ich gehen muss. Also dann neu berechnen. Grübel grübel und studier, alles gegengecheckt - klasse, die neuen Koordinaten sind AUF DEM SCHLOSSBERG!!!!

Ca. 200 Stufen später find ich die Stelle, es stehen eine Menge Bänke rum, ich such und such - kein Geocache! Hmm.....alles nochmal durchsuchen, auch an Stellen wo man nicht hingreifen will (am Vortag war wohl ein jugendliches Saufgelage dort). Gut, jetzt rechne ich nochmal nach. Ahhhh! Nicht nur das Navi spinnt, auch mein Rechenzentrum. Peinlich. Wenigstens hab ich mich nicht um viel verrechnet, die neuen Korrdinaten sind nur ein paar Meter weiter oben am Berg. Dort angekommen such ich eine Bank nach der anderen ab, ich find nix. Nur eine einzige Bank ist noch "ungeprüft", dort sitzen aber zwei männliche Jugendliche, die sich offenbar frisch gefunden haben. Ich streune so unauffällig wie möglich um die Bank, nix zu sehen vom Geocache. Der wird wohl unten an der Bank kleben. Klasse. Die zwei Bierdosen, die die Jungs da stehen haben, wirken noch ziemlich voll. Und so unsicher wie die wirken will ich sie auch net spauken. Das Platzerl lädt aber eh zum Rasten ein, ich genieß den Ausblick auf die Donau, das Ars Electronica Center und den Pöstlingberg. Und ich kann meine Schuhe in aller Ruhe und mit der nötigen Präzision von diesem herrlich duftendem "Geschenk" eines Linzer Hundes befreien.


Blick vom Ort des Geocaches auf das Ars Electronica Center

Keine 15min. später hat die Knutscherei ein Ende und sie gehen. Ich stürz mich auf die Bank und trara!!!! Ich hab den Geocache! Ich lauf die Stiegen runter und setz mich in den S-Max, der mir in den letzten Tagen auf über 1000km so richtig ans Herz gewachsen ist. Nach den ganzen Verirrungen in Linz ist er ein richtiger Ruhepol, der mich den Rest des Tages sicher zu den restlichen Geocaches bringt.

Das Navi hat übrigens den restlichen Tag dann keinerlei Macken mehr gehabt. Kaum war ich draußen aus Linz lief's wieder wunderbar wie die Tage und Wochen zuvor.

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